Uwe Kohrs, Impact

Uwe Kohrs, Impact

Forsa-Studie zum Agentur-Image Wenn Äpfel mit Birnen verglichen werden

Montag, 08. Januar 2018
Vergangene Woche gab es mal wieder einen Dämpfer für die Kommunikationsbranche. Im von RTL in Auftrag gegebenen Forsa-Vertrauensranking landeten Werbeagenturen auf dem letzten Platz. Uwe Kohrs, ehemaliger Chef des PR-Agenturverbandes GPRA und Geschäftsführer der Kommunikationsagentur Impact, will das so nicht stehen lassen. In seinem Gastbeitrag für HORIZONT Online lässt er kein gutes Haar an der "Pseudostudie" von Forsa.
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Es ist ja erfreulich, wenn das „Vertrauen in der Bevölkerung“ regelmäßig thematisiert und in den gesellschaftlichen Institutionen zur Kenntnis genommen wird. Was allerdings Forsa im Auftrag von RTL als Vertrauensranking präsentiert, erweist der gebotenen Ernsthaftigkeit im Umgang mit dem Thema eher einen Bärendienst.

Der Blick auf die abgefragten „Institutionen“ wirkt wie der berühmte Vergleich von Äpfel und Birnen und lässt Zweifel am methodischen Vorgehen aufkommen. Bei aller Überraschung über das gute Abschneiden der Meinungsforscher (Platz 7) stellt sich eben die Frage, was der Papst, das Radio und der Islam in ein und derselben Liste zu suchen haben, und für welche Institution Manager und Unternehmer stehen. Hier drängt sich doch der Eindruck von grassierendem Populismus heftig auf.

Dass die Institution „Werbeagentur“ auf dem letzten Platz landet, überrascht da wenig – dass Werber aber angeblich weniger Vertrauen in der Bevölkerung besitzen als der Islam, kann man eigentlich nur mit Heiterkeit zur Kenntnis nehmen. Dass HORIZONT dieses „Ergebnis“ aber zum Aufmacher macht und der Methodik dahinter keine Aufmerksamkeit schenkt, steht einmal mehr für den Hang der Branche zum Masochismus.

Es ist eine Binsenweisheit, dass Vertrauen ein sensibles Gut ist und gerade in Fake-News-Zeiten Gefahr läuft, immer stärker unter die Räder zu kommen. Folgerichtig ist Vertrauensbildung für die Kommunikationsbranche ein wichtiges Aufgabenfeld, das einen differenzierten Umgang mit dem Thema erfordert. Methodisch unplausible Pseudostudien sind da wenig hilfreich und tragen dazu bei, dass sämtliche im Umlauf befindlichen Klischees immer wieder aufgewärmt werden. Aber für die letztplatzierten Werber bleibt der Trost, dass der Papst auch 6 Prozent Vertrauen gegenüber 2016 verloren hat. Und mit diesem Mann in einem Ranking, das ist doch schon was. Forsa, you can do better!

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