Flop der Woche

Pfandleihe oder Bank? Paypal!

Dienstag, 01. November 2016
Havas München hat für den Online-Bezahldienst Paypal eine Kampagne entwickelt. Das Frage-Antwort-Spiel der aktuellen Plakate ist witzig gedacht, aber gut gemeint überkonstruiert.

Wenn eine Agentur für einen Kunden ein Kampagne macht, gehört es inzwischen zum guten Ritual, dass Auftraggeber und Dienstleister in langen Workshops darüber sinnieren, mit welcher Werbebotschaft sie die Konsumenten beglücken wollen. Auch Havas und Paypal haben in „gemeinsamen Workshops die strategische Ausrichtung der Kampagnenweiterführung erarbeitet“, lässt sich Katia Lübbert, Head of Brand, Media & Advertising von PayPal, in einer Havas-Pressemitteilung zitieren.



Herausgekommen ist, leider, nichts Gutes. „Spontan sein? Du hast es in der Hand.“ So lautet das Motto der Kampagne. Das klingt nett.

Es formuliert auf sympathische Weise ein Credo der Now-Economy, in der wir leben: Was Du willst, willst Du sofort. Egal, ob es das Paket von Amazon ist oder  eine News, die auf dem Smartphone ruckzuck geladen wird. Und es suggeriert, dass man über seine Ausgaben jederzeit selbst entscheiden kann (vorausgesetzt, man nutzt Paypal).


Havas-Kreationschef Nicolas Becker sagt: „Kein Geld dabei? Kein Problem – mit PayPal hält dich nichts mehr auf. Für unterschiedliche Zielgruppen wie Partygänger, Pendler oder Familien haben wir Szenarien und neue Motive entwickelt, die die Energie spontaner Situationen authentisch vermitteln.“ Die Message, die rüberkommen soll; der Insight, der in langen Workshops erarbeitet wurde, lautet also: „Kein Geld dabei? Kein Problem – mit PayPal hält dich nichts mehr auf.“

Macht nix, ob Du Geld dabei hast oder nicht: Hauptsache PayPal-Account
© Foto: HORIZONT
Macht nix, ob Du Geld dabei hast oder nicht: Hauptsache PayPal-Account
Auf Plakaten liest sich das dann folgendermaßen: „Döner oder Currywurst? Hummer!“ Oder: „Zu dir oder zu mir? Mallorca!“ Oder: „Bus oder Bahn? Taxi!“ Oder: „Espresso oder Dessert? Noch einmal die Weinkarte!“

Offensichtlich ist bei PayPal und Havas niemand auf die Idee gekommen, dass die Entscheidung für oder gegen Hummer, Mallorca, das Taxi, die Weinkarte in der Mehrzahl keine Frage des Gelds im Portemonnaie, sondern auf dem Bankkonto ist. Oder übernimmt PayPal die Differenz zwischen Döner  und Hummer?

Werbung darf übertreiben. Werbung muss allem Authentizitäts-Anspruch zum Trotz keine wahren Geschichten mit wahren Menschen erzählen. Im besten Fall unterhält und informiert Werbung. PayPal macht weder das eine noch das andere.

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