Digitales Ödland

Analoger ADC, ein Katzenjammer

Montag, 25. April 2016
Die Ergebnisse des diesjährigen ADC-Wettbewerbs bringen die Gemüter zum Kochen. Nachdem HORIZONT Online bereits am Wochenende über fragwürdige Entscheidungen und die Flut an Print-Nägeln berichtet hat, meldet sich nun Timm Weber, Kreativchef von Publicis Pixelpark in Hamburg, zu Wort. Er war dieses Jahr Vorsitzender der ADC-Jurykategorie Digitale Medien 2 und gibt nun zu Bedenken, dass die dort verliehenen Preise in der digitalen Welt kaum Gewicht haben. Hier bestehe dringend Handlungsbedarf.
Kaum war die Preisverleihung vorbei, ging es los. Es wurde viel geschrieben und polemisiert über die Schwemme der Print-Nägel und das magere Abschneiden in den digitalen Kategorien. Alles völlig richtig und wahr.

Ich glaube nur, das kann man nicht allein mit spendablen oder strengen Jurys erklären. Auch die  hohe Zahl der Unterkategorien ist sicher ein Thema, aber nicht der Hauptgrund, warum sich das Ergebnis dieses Jahr so sehr analog und traditionell anfühlt. Viele mit einem unguten Gefühl zurücklässt und einen fragen lässt, was ist das für ein Signal, das der deutsche Kreativclub da ins Land sendet? 

„Was zum ADC in die Digitalkategorien eingesandt wird, spiegelt in keinster Weise die Breite und Tiefe der digitalen Wirtschaft in Deutschland wieder.“
Timm Weber
Das Problem ist viel schwerwiegender: Dem ADC fehlen einfach die guten digitalen Arbeiten. Sie tauchen beim Wettbewerb schlichtweg nicht auf. Was zum ADC in die Digitalkategorien eingesandt wird, spiegelt in keinster Weise die Breite und Tiefe der digitalen Wirtschaft in Deutschland wieder. Die Kategorie "Digitale Innovation" könnte so was wie ein kleines Southby Southwest sein, wo man wirklich innovative und Bahn brechende Ideen sieht. Hier könnte der ADC zum Schaufenster der digitalen Innovationen werden. Es gäbe neue Geschichten zu erzählen, mit wirklichem Informationswert auch über die Kommunikationsbranche hinaus. Aber leider findet man keine Arbeiten mit so einer digitalen Strahlkraft. 

Warum ist das so? Gibt’s diese Sachen einfach nicht in Deutschland? Kommen hier keine Apps her wie zum Beispiel MSQRD, die wir doch sehr gern mit Nägeln auszeichnen würden? Gibt es keine Startups, die unser Leben neu erfinden oder VR-Erlebnisse, die einen umhauen, vielleicht sogar im wahrsten Sinne des Wortes.

„Ein ADC-Nagel hat kein Gewicht in der digitalen Welt.“
Timm Weber
Ich bin mir sicher, es gibt so was in Deutschland. Es gibt Läden, die solche Arbeiten Sachen entwickeln und damit erfolgreich sind. Das große Problem: Sie sehen keinen Nutzen, beim ADC einzuschicken. Ein ADC-Nagel hat kein Gewicht in der digitalen Welt. Für viele bleibt der ADC ein Werberclub und ist deshalb einfach nicht interessant. Digitale Arbeiten haben ihre Bühne längst ganz woanders gefunden. Der ADC braucht die Digitalen heute mehr als die Digitalen den ADC brauchen. 

Was können wir tun? Wie schaffen wir es den Wettbewerb so zu gestalten, dass er mehr digitale Arbeiten anzieht? Kuratieren wir den digitalen Teil und laden Arbeiten ein, beim Wettbewerb teilzunehmen? Ein Vorgehen, das ja der Lead Award seit Jahren erfolgreich betreibt. Verbünden wir uns mit starken digitalen Partnern, um dem Thema innerhalb des ADC und auch nach draußen mehr Gewicht zu geben? Verzichten wir im digitalen Bereich auf die Einsendegebühren, um uns so für neue Einreicher attraktiv zu machen? Oder oder oder.

Klar ist nur, wir müssen was ändern. Sonst wird man vom ADC bald als einem Verein reden, der einfach immer weiter Pferdekutschen gebaut hat.
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