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Cannes Lions
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Warum die Reform letztlich doch nur ein Reförmchen ist

Die Pläne des Cannes-Lions-Veranstalters Ascential Events klingen erst mal vielversprechend: Kürzere Festivalwoche, ein um 900 Euro reduzierter Festivalpass, Kategorien wie Cyber und Integrated fliegen raus, es gibt eine Kostenbremse bei den Hotels. Wow. Schaut man genauer hin, dann relativiert sich das Wow aber ziemlich schnell.
von Bärbel Unckrich Donnerstag, 16. November 2017
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Die verkürzte Festivalwoche bedeutet nicht, dass es weniger Programm gibt. Das heißt, die Festivalbesucher müssen sich noch stärker fokussieren und darauf einstellen, dass sie vieles gar nicht mehr mitbekommen. Die Preissenkung für den Festivalpass ist logisch. Immerhin ist das Event drei Tage kürzer. Und was genau heißt eigentlich, dass die Preise bei den Hotels eingefroren werden? Falls ein Hotelzimmer in einem Mittelklasse-Hotel rund um die Croisette künftig "nur" noch 400 statt 800 Euro die Nacht kostet, ist das zwar deutlich weniger, es bleibt aber immer noch die Frage: Wer kann sich das leisten?



Dann wären da noch die Cyber Lions. Viele werten es als Revolution, dass die drittälteste Festivalkategorie gestrichen wird. Ist es aber nicht. Es ist eine logische und längst überfällige Konsequenz aus den Veränderungen der Medienlandschaft. Wer heute noch zwischen digitaler und nicht-digitaler Kommunikation unterscheidet, lebt schlichtweg hinterm Mond. Auch die Erkenntnis, dass die Kategorien Promo & Activation und Integrated redundant zu den meisten anderen Sparten sind, ist nicht wirklich spektakulär. Es ist auch nicht so, dass die Wettbewerbsstruktur durch den Wegfall dieser Sparten deutlich verschlankt würde. Immerhin kommen fünf neue Kategorien hinzu.

Da fällt es kaum noch ins Gewicht, dass 125 von mehr als 650 Subkategorien wegfallen. Bei aller Kritik an der Reform, die letztlich nur ein Reförmchen ist, gibt es auch Positives: Es ist gut, dass eine Kampagne nur noch in maximal sechs Kategorien eingereicht werden kann. Das hilft hoffentlich, die Löwen-Inflation einzudämmen. Dieses Jahr gewann die meistprämierte Arbeit "Meet Graham" insgesamt 30 Löwen. Mehr als 1450 Trophäen wechselten den Besitzer. Gut, dass dem ein Riegel vorgeschoben wird. bu


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