Ballon D'Or

Weltmarke schlägt Weltmeister

Dienstag, 13. Januar 2015
Cristiano Ronaldo wurde zum Weltfußballer des Jahres gewählt - obwohl der ebenfalls nominierte Manuel Neuer Teil der deutschen Weltmeister-Elf ist. Neuer brauche sich jedoch nicht zu grämen, findet Raphael Brinkert, Geschäftsführer von Jung von Matt/Sports: "Der größte Titel für einen Fußballer ist und bleibt der WM-Pokal."
Gestern Abend ist in Zürich der FIFA Ballon D’Or verliehen worden: Die Weltmarken Cristiano Ronaldo und  Leo Messi schlagen Weltmeister Manuel Neuer. Ein gerechtes Urteil?

Es ist ein Sieg der globalen Persönlichkeitsmarken (CR7: 105 Millionen Facebook-Fans, Messi: 77 Millionen) vor dem Welttorhüter (7,7 Millionen). Ein Triumph der globalen Fußballvereine Real Madrid C.F. (80 Millionen Facebook-Fans) und FC Barcelona (81 Millionen) vor dem FC Bayern Münche (26 Millionen). Ein Erfolg der Sportler und Vereine, die Asien und Südamerika schon erobert haben, während viele Bundesligisten noch nicht einmal auf sozialen Netzwerken vertreten waren.

Gewählt haben 181 Nationaltrainer, 182 Spielführer von Nationalteams und 181 Medienvertreter. Cristiano Ronaldo gewann den Titel mit 37,66 Prozent aller eingegangenen Stimmen vor Lionel Messi (15,76 Prozent) und Manuel Neuer (15,72 Prozent). Während Deutschlands Nummer 1 auch die Nummer 1 von Spielführern aus Russland, Ukraine, Weißrussland, Ungarn und Rumänien war, generierten Ronaldo und Messi signifikant mehr Stimmen aus dem Rest der Welt - aus Ländern, mit denen sie nicht nur an Spieltagen für 90 Minuten auf nationaler oder internationaler Bühne, sondern tagtäglich kommunizieren: Durch mehrsprachige Auftritte in den Medien, auf sozialen Netzwerken oder mit Hilfe von globalen Werbekampagnen und Berichterstattungen. Um Manuel Neuer zu sehen, muss der Fan gezielt nach ihm suchen, während Ronaldo und Messi ihn längst an jedem Ort der Welt finden.

Wer Weltfußballer werden will, muss nicht nur die brasilianischen, englischen, spanischen und deutschen Spielführer, Trainer und Medien begeistern, sondern auch jene der Cayman-Islands (Platz 205 der FIFA-Weltrangliste), Anguillas (Platz 208) und Bhutans (Tabellenletzter, Platz 209). Anguillas 7-facher Nationalspieler und Spielführer Ryan Liddie vergibt bei der Wahl genauso viele Punkte wie Wayne Rooney oder Bastian Schweinsteiger. Die fachliche Einschätzung von Uinifareti Aliva von Amerikanisch Samoa steht auf einer Stufe mit dem französischen Nationaltrainer Didier Deschamps und Jogi Löw. Die Meinung von Phuntsho Wangdi von Business Bhutan ist gleichberechtigt der von Alfredo Relano, Sportmagazin "AS" aus Spanien, oder Karlheinz Wild vom "Kicker" aus Deutschland.

Was wir aus der Kundenpsychologie und dem Neuromarketing gelernt haben, spielt Ronaldo und Messi bei der basisdemokratischen Wahl aller FIFA-Nationen in die Karten: Eine starke Korrelation zwischen Markenvertrautheit und Markenwahl beim Entscheidungsprozess. 

Mit Ronaldo, Messi und Neuer standen drei Ausnahme-Spielerpersönlichkeiten auf dem Podium, die jeder für sich 2014 herausragende Leistungen gezeigt, wiederholt Rekorde gebrochen und Titel gewonnen haben. Alle drei hätten es verdient, für viele aufgrund der internationalen Mannschaftstitel 2014 am ehesten Manuel Neuer und Cristiano Ronaldo.

Als Weltfußballer oder Spieler des WM-Turniers erhält man goldene Ball-Trophäen, als Welttorhüter und bester Torwart der WM goldene Handschuhe. Der größte Titel für einen Fußballer ist und bleibt jedoch der WM-Pokal, für den Ronaldo und Messi viele, wenn nicht alle ihrer Individual-Trophäen hergeben würden. Den darf mit zwei goldenen Handschuhen jedoch nur einer hochhalten: Danke für ein fantastisches Jahr 2014, Manuel Neuer!
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