Analyse

Was man aus Martin Sorrells Abgang über die digitale Transformation lernen kann

Dienstag, 05. Juni 2018
Wie können sich Unternehmen, besonders im Bereich Marketing und Werbung, die digitale Transformation am besten zu Nutze machen und aus ihr Gewinn schlagen? Der erste Schritt hin zur Transformation ist Observation. Mike Shaw, VP EMEA bei Dataxu analysiert in seinem Gastbeitrag für HORIZONT die Reaktionen auf den Rückzug von Martin Sorrell bei WPP und zeigt, wie sich darin die unterschwellige Transformation der Medienlandschaft widerspiegelt.

Die digitale Transformation ist eine schleichende, aber mächtige Antriebskraft

WPP hat seit dem Abgang von Martin Sorrell schnell gehandelt, um Gerüchte über eine Aufteilung der Gruppe aus dem Weg zu räumen. Doch diese Spekulationen sind mehr als nur ein Einzelfall in der Branche. Sie entstehen aus den grundlegenden Veränderungen, die unsere Gesellschaft durchläuft und die dazu führen, dass Unternehmen sich komplett neu erfinden. 

Arthur Sadoun sprach mit dem englischen Marketingmagazin The Drum letzten Monat über die Vorstandsfrage bei WPP und erklärte, warum sich Holding-Gesellschaften verändern werden. Denn der Gesellschaftswandel wirkt sich auch auf Unternehmensstrukturen aus. Für die Führungsliga gilt deswegen: Jeder Unternehmenswandel muss gut durchdacht und auf der Basis der Veränderungen in der Branche geplant werden. 

Publicis, die weltweit drittgrößte Werbeagentur, lässt auf Worte Taten folgen. Vor einigen Wochen hat die Gruppe angekündigt, dass sie plant, 300 bis 500 Millionen Euro in ihre Daten- und kreativen Fähigkeiten zu investieren. Der Fokus wird dabei besonders auf Firmenakquisitionen und Solution-Hubs liegen. Publicis hat die digitale Transformation fest im Blick und zeigt als Vorreiter, wie die Zukunft der Agenturen aussehen wird.

Wie aus Alltagstrends Innovationen werden

Aber eine wichtige Frage bleibt – wie erkennen wir diese Kräfte, die unsere Welt schleichend verändern? Wie Sadoun von Publicis erwähnte, müssen die richtigen Entscheidungen mit Blick auf die digitale Transformation und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft getroffen werden. 

Jeder wichtige soziale Wandel wird von drei Faktoren bestimmt: Änderungen in der wirtschaftlichen Lage, die neusten Technologien und auch ein Generationenwechsel spielen immer eine Rolle. Der erste Schritt in Richtung digitale Transformation ist es, zu verstehen, welche Technologien oder Neuerungen den sozialen Wandel beeinflusst haben. 

Urbanisierung ist hierfür ein gutes Beispiel: Neue Technologien, wirtschaftliche Veränderungen und Generationsunterschiede haben dazu geführt, dass es immer größere Teile der Bevölkerung in die Städte zieht. Die Konsequenz ist, dass Städte immer größer und bevölkerungsreicher werden. Das Wachstum der Städte schafft neue Märkte für die ansässigen Unternehmen, die auch auf eine größere Zahl an verfügbaren Arbeitskräften und Ressourcen Zugriff erlangen. Dieser Trend drückt sich in Entwicklungen wie Co-Working Arbeitsplätze, Mode zum Mieten und Uber aus.

Weghilfen zur Transformation: Aus alten Gewohnheiten ausbrechen und neue Partnerschaften formen

Ein anderer wichtiger Faktor auf dem Weg zur Unternehmenstransformation ist die Fähigkeit, kreative Ideen zu entwickeln. Neben Kollaboration und Vielfalt sind auch die Perspektiven Außenstehender wichtig, um neue Konzepte zu entwickeln. Um auf den Gesellschaftswandel zu reagieren und den Bereich Marketing weiterzuentwickeln, müssen Marken und Agenturen die richtigen Partner finden. Publicis hat mit der Akquise von Sapient vor drei Jahren gezeigt, dass das Unternehmen gut auf die Zukunft eingestellt ist. 

Neben kreativem Denken müssen Unternehmen auch große Datensammlungen auswerten und nutzen. Dafür sollten sie Partnerschaften mit Technologieexperten eingehen und so gemeinsam neue Konzepte für ihre Unternehmen entwickeln. Seit Martin Sorrells Abgang bei WPP hat sich die Aufmerksamkeit der Industrie auf Kantar gerichtet. Berichten zufolge sollte der Daten-Arm des Holding-Unternehmens verkauft, und somit die Aufspaltung von WPP eingeleitet werden. Kantar gehört zweifellos zu den teuersten – aber auch wertvollsten – Investitionen für Medienagenturen. 

Denn die Realität sieht so aus: Die Aufmerksamkeitsspannen der Verbraucher werden kürzer und Konsumenten wollen immer persönlichere Kauferlebnisse. Die Nutzung von Daten wird es Unternehmen in allen Sektoren ermöglichen, ihren Kunden personalisierte Produkte und Services anzubieten. Daten werden ebenso dabei helfen, erfolgreiche Marketing-Kampagnen zu entwickeln, die robuste Ergebnisse erzielen. Letztendlich sind sie der Schlüssel für Unternehmen, um sich erfolgreich gegen die Konkurrenz durchzusetzen. 

Um die momentanen Entwicklungen bei WPP zu verstehen, müssen wir wissen, in welcher Lage sich die Werbeindustrie befindet und wo die Zukunft hinführt. Denn die Reaktionen in der Branche zeigen uns auch, aus welcher Richtung der Wind weht. Der Wandel in der Werbeindustrie wird sich kontinuierlich fortsetzen. Doch nur nach Großereignissen wie dem Abgang von Sorrell haben wir die Chance, die Auswirkungen der Veränderungen der Branche aus nächster Nähe zu beobachten. 




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