ADC-Jahrbuch 2015

Zu viel Inhalt auf zu wenig Platz

Montag, 19. Oktober 2015
Wer das ADC-Kompendium in die Hand nimmt, fragt sich: Wozu bringt man ein Sammelwerk mit den besten Arbeiten auf den Markt, wenn man die Objekte, um die es geht, kaum erkennen kann?
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Über den Sinn und Unsinn von Jahrbüchern kann man lange streiten. Gute Kompendien sind teuer – für Produzenten wie für Käufer.  Im Internet gibt’s jede Menge Kampagnen kostenlos anzuschauen.

Wozu also viel Geld ausgeben für ein Produkt, das dann doch nur im Büro oder zuhause im Bücherregal verstaubt? Weil Jahrbücher für viele Menschen keine sinnvolle, heißt nutzwerte Funktion mehr haben, müsste man sich also auch nicht aufregen.

Hilfe, wo ist die Lupe?
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Hilfe, wo ist die Lupe?

Ich tue es trotzdem. Ich liebe Kompendien. Sie verschaffen einem auf bequemen Weg einen guten Überblick über ein bestimmtes Thema. Und manchmal bekommt man sogar gute Ideen.


Das galt lange Zeit auch für die ADC-Jahrbücher.

Doch dann kam der Sparzwang und das Internet, vermute ich mal.

Die Produktion guter Bücher ist aufwendig. Und je komplizierter und fragmentierter das Terrain wird, um das es geht, desto kostenintensiver ist die Herstellung. Zumal wahrscheinlich gilt: Je teurer in den vergangenen Jahren die Buchproduktion war, desto rückläufiger waren die Erlöse.

Es wird nicht besser
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Es wird nicht besser

Zumal sich das eine oder andere ADC-Mitglied sowieso fragt: "Wozu braucht man im digitalen Zeitalter noch ein Jahrbuch?" Das ist der "Print ist tot"-Gedanke übertragen auf einen Verband, der den Auftrag hat, seinen Wettbewerb ordentlich zu dokumentieren.


Das wichtigste Anzeichen, ob und wie gespart werden muss, ist bei Jahrbüchern die Größe. Das ADC-Buch 1998 maß 30x22 cm. 14 Jahre später kam das Buch auf 28,5x24 Zentimeter. Ausgabe 2013 kam das Buch zum ersten Mal im Mini-Format mit  24x17 cm. Auch das jetzt erschienene, zum dritten Mal von den ADC-Präsidiumsmitgliedern Anja Steinig und Wolfgang Seidl gestaltete Jahrbuch 2015 kommt wieder in Tablet-Größe daher.


Es kostet studentenfreundliche 39,95 Euro. Man hebt sich keinen Bruch. Es passt in jede Parkatasche. Genau richtig  für die mobile Gesellschaft. Könnte man sagen. Mag sein. Aber wie will man auf einer Seite, die 24x17 cm misst und auf der jeweils zwei Motive präsentiert werden, dem Leser die wichtigsten Infos plus die Anzeige, den Film, die Kommunikation im Raum, die Visual Effects etc. vernünftig präsentieren? Der ADC-Wettbewerb hat inzwischen mehr als 30 Kategorien. Alle ausgezeichneten Arbeiten kommen auf den über 500 Seiten mit 700 Abbildungen vor.

Aller guten Dinge sind drei: Schöne Grüße von "Business Punk"
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Aller guten Dinge sind drei: Schöne Grüße von "Business Punk"
Kann man so etwas in einem Tablet-Buch gut anschauen?

Eben, das geht nicht. Und wenn man sich dann noch vom Layout von „Business Punk“ inspirieren lässt – Minitypo, teilweise weiße Schrift auf roten Balken – ist der Augenkatarrh programmiert. Wahrscheinlich soll man in dem Buch aber sowieso nicht lesen oder blättern, sondern das Smartphone über den QR-Code führen. Der führt den Leser auf die entsprechende ADC-Seite. Doch hier kommen die Arbeiten auch nicht besser rüber.


Was tun? Bitte, lieber ADC, mach wieder großformatige Jahrbücher. Oder mach es so wie manche Magazine, bei dem der Käufer zwischen Normal- und Pocketformat wählen kann. Dann wären alle zufrieden.


PS: Wer einen Blick ins ADC-Jahrbuch werfen will, wird auf der ADC-Site fündig.




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