Max Lederer

Meine Top 5 Drogen für Werber

Freitag, 04. März 2016
 Platz 5: Kokain
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Platz 5: Kokain
Der ehemalige UN-Generalsekretär und Morgan Freeman Doppelgänger Kofi Annan forderte letzte Woche ihre weltweite Legalisierung, Manager und Studenten nutzen sie zur Leistungssteigerung, und glaubt man aktuellen Artikeln deutscher Online-Medien, verschönern sie auch hierzulande manch dröge Bundestagsdebatte: Drogen. Doch wie hält es eigentlich die Werbebranche mit den verbotenen Stimmungsaufhellern? Mit welchen Substanzen trotzen Werber dem steigenden Wettbewerbsdruck und dem unersättlichen Hunger nach Ideen? Max Lederer, seit Jahresbeginn Geschäftsführer von Jung von Matt/Next, mit einer - nicht ganz ernstgemeinten - Bestandsaufnahme.

1.

Ecstasy (3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin)

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Unter Top-Kreativen geht eine neue Angst um: Sollten sich die dunklen Prognosen aktueller Wirtschaftsstudien bewahrheiten, könnte sich der komplette Werbemarkt schon in wenigen Jahren völlig verändern. Die Ursache: Frauen. Nach Wahlrecht und körperlicher Selbstbestimmung drängt die Randgruppe nun auch auf gleiche Bezahlung und Führungspositionen. Für die Branche eine doppelte Herausforderung: Die steigende Konsumkraft macht die noch unerforschte Zielgruppe für Marken attraktiv, und im Agenturalltag müssen Programme zur erfolgreichen Integration der Fremden entwickelt werden. Viele Werber kennen Frauen jedoch nur vom Empfang oder aus Erzählungen – einige hatten seit ihrer Mutter nicht mehr die Gelegenheit, mit einer Frau zu sprechen ohne sie verbal herabzusetzen.


Große Agenturen haben diese Herausforderung bereits erkannt, und ihre erfahrensten Männer in internationalen Creative Boards organisiert, um sich die fremde Zielgruppe professionell zu erschließen. Die benötige emotionale Nähe zum schwachen Geschlecht wird durch den massiven Konsum von Ecstasy erzeugt. Unter dem kuscheligen Einfluss von MDMA entstehen so die Empowerment-Highlights für die Zielgruppe von morgen – Bussi!




2.

LSD (Lysergsäurediethylamid)

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Jeder Kreative weiß: Gute Ideen erfordern einen klaren Verstand und eiserne Disziplin, weshalb sich kein Award-geiler Vollbartträger mehr freiwillig allabendlich die Birne wegballern würde. Deshalb stehen in Agenturen jetzt ja auch überall Obstkörbe statt Aschenbecher, und längst haben Runtastic-Statusmeldungen ausschweifende Partybilder aus der Timeline verdrängt.

Einzige Ausnahme: Digitalagenturen. Hier werden in den Chefetagen seit kurzem wieder Pappen gefressen als wäre das Management auf Führungsseminar beim Burning Man. In tagelanger kollektiver Extase werden dann im Drogenrausch erfundene Arbeitsfelder wie "Digitales Produkt- & Service Design" herbeihalluziniert, und mittelständische Frontend-Dienstleister transzendieren in "Business Inkubatoren" für "digitale Transformation" – Groovy! Doch Obacht: Manch farbenfroher Hackathlon endet im sogenannten "Horrortrip" und Konsumenten, die es all zu doll treiben, erwachen oft Tage später orientierungslos neben Peter Heinlein in "Menschen, Marken, Medien".



3.

Crack (Methyl 3beta (8benzoyloxy tropan 2beta carboxylat & Natriumhydrogenkarbonat)

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Es geschieht jeden Tag irgendwo in Deutschland: Top-Entscheider großer Werbe-Networks, deren Namen wie Insektenschutzmittel oder chinesische Elektronik-Sweatshops klingen, drohen ihren Kunden mit Kreativität. Doch was selbst geschulten Branchenbeobachtern entgeht: So manches Crack-Pfeifchen muss hinter verschlossener Konfi-Türe munter im Kreis knistern, bis Konzernverantwortliche und Marketingabteilung den Bezug zur Realität und gesundem Menschenverstand in dem von Marktforschung und Testscreenings benötigten Maße verloren haben, um die gemeinsam verbrochenen Schreihalsformate mit Zombie-Cast für Fettcremes und Verschuldungsmakler als künstlerische Leistung und kulturell relevanten Beitrag abzufeiern.  – *hust*!



4.

Pandabär-Stammzellen (Ailuropoda melanoleuca)

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Die aus Embryos von Pandabären gewonnenen Stammzellen galten den chinesischen Triaden als kostbares Potenzmittel.  Als sündhaft-teure Lifestyle-Droge wurden sie von ukrainischen Waffenhändlern nach Europa eingeschleust – so fanden sie ihren Weg in die Mediaagenturen, wo sie vor allem Praktikanten und studentische Aushilfskräfte zur Stimmungsaufhellung konsumieren, um der ermüdenden Spirale aus anspruchsloser Passivität und astronomischen Gewinnen etwas entgegenzusetzen. „Grauer Tag, grau wie mein Macintosh.“ (K.I.Z. – Abteilungsleiter der Liebe)



5.

Kokain (Methyl 3beta benzoyloxy tropan 2beta carboxylat)

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In den Achtzigern ging man zur Bundeswehr, um den LKW-Führerschein zu machen, und in die Werbung, um Koks zu ziehen. Die Wehrpflicht wurde abgeschafft, und mit ihr verschwand auch die Bereitschaft junger Menschen ohne Ausbildung, sich außerhalb eines warmen Büros von Tyrannen anschreien zu lassen. So strömten sie in die besser bezahlten Marketingberufe.

Kokain wird dort zwar weiterhin konsumiert – gilt allerdings selbst unter gestanden Klassik-Werbern schon lange nicht mehr als Personality-Allheilmittel. Genau wie sein alter Bekannter, der 30-Sekünder, verlor der Performance-Evergreen sein Alleinstellungsmerkmal und wurde über die Jahre von einer ganzen Reihe komplexer Substanzen zur Leistungssteigerung und Bewußtseinserweiterung verdrängt. – Oldschool!

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