Lars Cords

Meine Top-5 Laufstrecken in aller Welt

Donnerstag, 21. Januar 2016
Lars Cords vor der Golden Gate Bridge in San Francisco
© Lars Cords
Lars Cords vor der Golden Gate Bridge in San Francisco
Lars Cords, Partner und Chief Content Officer bei Scholz & Friends, hat vor circa 10 Jahren das Laufen für sich entdeckt. Langsam steigernd hat er 2008 in Berlin nach der Halbdistanz sogar einen vollen Marathon bewältigt. Seitdem läuft er ohne größere Leistungsambitionen am liebsten frühmorgens. Und das auch gerne an jeglichen Urlaubs- und Business-Destinationen. Und erschließt sich bei Sonnenaufgang abseits des touristischen Trubels die Metropolen dieser Welt. Mit ganz anderen und intensiven Einblicken auch jenseits der Empfehlungen im Reiseführer. Für HORIZONT Online präsentiert Cords passend zu den guten Vorsätzen zum neuen Jahr seine Top-5-Laufstrecken in aller Welt.

1.

Sydney

Die Sydney Harbour Bridge
© Lars Cords
Die Sydney Harbour Bridge
An einem Neujahrsmorgen startete mein Lauf in Sydney nach einer rauschenden Silvesternacht vom Pier One Sydney Harbour Hotel direkt am Wasser mit Blick auf die Walsh Bay. Entlang der Fähranleger am Circular Quay ging es einmal rund um das Wahrzeichen der Stadt, das Sydney Opera House, das man schon den ganzen bisherigen Weg im Blick hatte.
Das Schwimmbad an der Harbour Bridge
© Lars Cords
Das Schwimmbad an der Harbour Bridge
Das eigentliche Highlight kam dann aber nach einem kurzen Rundweg durch Hochhäuserschluchten der Innenstadt: die Überquerung der legendären Harbour Bridge mit einem atemberaubenden Blick über die ganze Stadt dies und jenseits der Brücke sowie auf das tiefblaue Wasser des Hafens der Stadt. Die Strecke durch Nord-Sydney nach Verlassen der Lavender Bay wurde dann etwas anspruchsvoller, da einige Höhenmeter zu überwinden waren. Und so war der Rückweg über die Harbour-Bridge dann das verdiente Auslaufen, bis ich am Fuße der Brücke wieder beim Hotel angekommen war. Ein Tipp: An der Lavender Bay auf der Nordseite der Brücke gibt es ein öffentliches Schwimmbad, bei dem man die gesamte Stadt überblickt, wenn man dort seine Bahnen zieht. Wer also Laufen und Schwimmen gerne miteinander kombiniert, wird kaum einen schöneren Ort dafür finden.


Auch wenn mir hier keine Kängurus über den Weg gelaufen sind, wie noch einige Tage zuvor in Palm Cove an der Nordostküste Australiens: Sydney mit seiner Harbour Bridge ist für mich definitiv eine der eindrucksvollsten Laufstrecken der Welt.

2.

Kapstadt

Das Greenpoint-Stadion in Kapstadt
© Lars Cords
Das Greenpoint-Stadion in Kapstadt
Hier habe ich inzwischen zweimal am „Gun Run“ teilnehmen können – einem Halbmarathon, der seinen Namen von der Kanone auf dem Signal Hill direkt an der City Bowl von Kapstadt verdankt, unter dem die Strecke teilweise verläuft. Die Startzeit ist hier die erste Herausforderung für viele Läufer: es geht schon vor 7.00 Uhr morgens los. Für meinen Biorhythmus die perfekte Uhrzeit. Start ist am Green Point Stadion, das zur Fußball-WM gebaut und von dem Hamburger Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner entworfen wurde.
Der „Gun Run“ bietet einen tollen Blick auf den Tafelberg
© Lars Cords
Der „Gun Run“ bietet einen tollen Blick auf den Tafelberg
An der Shoppingmall und Marina der Waterfront vorbei geht es mit einem sensationellem Blick auf den Tafelberg. Weiter geht es durch den Stadtteil Seapoint bis zum Blankenese von Kapstadt: Camps Bay – mit einem unvergleichlichen Blick auf die Bergkette der Zwölf Apostel (Diese Aussicht konnte meine Frau drei Jahre lang als Lehrerin an der Deutschen Schule genießen. Die Zeit hat Kapstadt zu unserem zweiten Zuhause gemacht).
Der Blick auf Camps Bay
© Lars Cords
Der Blick auf Camps Bay
Nach dem Rückweg durch den Nobelvorort Clifton ist der Zieleinlauf dann entlang der Promenade von Seapoint direkt am Atlantik.


Ob man gleich einen Halbmarathon laufen oder einfach nur vor einer der spektakulärsten Kulissen der Welt entlang der Uferpromenade ein wenig joggen möchte: der Stadtteil Seapoint bietet so oder so ebenfalls eine der schönsten Laufstrecken, die ich bislang erleben durfte. 

Ein Tipp nicht nur für den Halbmarathon: eine Übernachtung im The Winchester Mansions direkt am Zieleinlauf. Und für das verdiente Abendessen: die großartige Experimentier-Küche der „Test Kitchen“ im Stadtteil Woodstock. 

3.

San Francisco

Lars Cords vor der Golden Gate Bridge in San Francisco
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Lars Cords vor der Golden Gate Bridge in San Francisco
Direkt an der Start- und Endhaltestelle der traditionsreichen Cable Cars am Fishermans Warf geht der Lauf im typisch morgendlichen Nebel von San Francisco los. Und während man noch denkt, man sei früh dran, läuft man an den Schwimmern im Neoprenanzug am Aquatic Park vorbei, die erkennbar schon einige Runden hinter sich haben und offenbar für den nächsten Triathlon trainieren. Sobald man die kleine Anhöhe auf den Black Point hochgelaufen ist, hat man einen herrlichen Ausblick auf die Bucht und die Gefängnisinsel Alcatraz. Für die nächsten Minuten laufen die Klassiker der Filmgeschichte wie „Der Gefangene von Alcatraz“ mit Burt Lancaster, „Die Flucht von Alcatraz“ mit Clint Eastwood oder "The Rock“ mit Sean Connery und Nicolas Cage als Kopfkino ab.

Aber dann schiebt sich auch schon das Wahrzeichen der Stadt ins Blickfeld: die Golden Gate Bridge. Das rostrote Stahlgebilde bleibt für mich die Durchhalte-Motivation für eine recht lange Strecke entlang der Marinas und der Strände der Stadt, bis ich es endlich geschafft habe, über die Brücke laufe und die Dimensionen der Pfeiler und Spannweite erst langsam wirklich realisiere. Für mich ein Wunder der Technik und der amerikanischen Ingenieurskunst, dass man ein solches Bauwerk schon in den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts planen und bauen konnte.  Ein wirklich erhebendes Gefühl, von hier aus über die Stadt und den Sund zu blicken. Und ein Rückenwind, der die Schmerzen des doch langen Rückwegs ertragen lässt.
Die Crooked Street in San Francisco
© Lars Cords
Die Crooked Street in San Francisco
Ein Tipp: zum Abschluss geht es dann noch zur herrlich pittoresken Crooked Street. Eine Straße, die auf kaum 100 Metern sieben 180° Kurven auf engstem Raum vollzieht. Nur um diese frühe Uhrzeit ist sie halbwegs ursprünglich erlebbar, da sie für den Rest des Tages durch einen einzigen Stau von im Schritttempo fahrenden Autos blockiert ist, aus denen Selfi-Stangen ragen.

4.

Montréal

Blick über Montréal
© Lars Cords
Blick über Montréal
Eher durch Zufall bin ich zur Zeit des legendären Jazz-Festivals im morgendlichen Montréal unterwegs und laufe von daher an einer Konzertbühne nach der anderen und den Aufräumarbeiten der Veranstaltungen vom Vortag vorbei. Es geht zunächst zum Park rund um den Mont-Royal, der dieser kanadischen Metropole ihren Namen gab. Von seinem Gipfel aus hat man einen atemberaubenden 360°-Grad-Blick über die ganze Stadt samt Umland Sankt Lorenz Strom und wird für die etwas anstrengenden Steigungen belohnt. 

Weiter geht es den Berg hinunter zum zweiten Highlight dieser Strecke: der direkt der Innenstadt vorgelagerten Insel Notre Dame, auf der nicht nur das Casino zur einen oder anderen Pokerrunde einlädt sondern vor allem auch die Rennstrecke des Großen Preis von Kanada liegt. Wenn man so direkt hindurchläuft hat die eher baufällig erscheinende Boxengasse wenig von dem Glamour und dem Adrenalin, die zwei Wochen später bei der Übertragung des Formel-1-Rennens im Fernsehen transportiert werden. Nachdem ich den Rundkurs mit deutlich weniger PS und km/h durchlaufen habe, geht es weiter über die benachbarte Insel Sainte-Hélène mit dem eindrucksvollen Bisosphère-Stahlgerippe von der Expo 1967 vorbei über die Jacques Cartier Brücke durch die malerischen Gassen von Le Village zurück zum Hotel.
Der Botansiche Garten in Montréal
© Lars Cords
Der Botansiche Garten in Montréal
Ein Tipp: wer etwas langsamer spazieren möchte, für den bietet der Botanische Garten direkt neben dem Olympia-Stadion von 1976 einen wunderbaren Rundgang durch florale Traumwelten – selbst wenn die Pflanzenkunst im Bild leider nur eine temporäre Ausstellung war, die um die ganze Welt tourt.

5.

Elmshorn

Die historische Fähre Kronsnest in Elmshorn
© Lars Cords
Die historische Fähre Kronsnest in Elmshorn
Die durch die Kölln-Flockenwerke, Teppich Kibek und Michael Stich in aller Welt bekannte Metropole an der Krückau darf mit ihrem abwechslungsreichen Umland bei meinen Top-Laufstrecken natürlich nicht fehlen. Außer dem Deich mit seinen Schafen, dem Liether Wald, dem Liether Moor, dem Stadtparksee, dem Marschland und dessen Nebeln auf den Feldern, den dampfenden Pferderücken in den Ställen der Reit- und Fahrschule, den Windrädern von Raa-Besenbek, den scheuen Rehen im Unterholz und den meckernden Fasanen in den Gräben…  

… spricht dafür vor allem, dass es sich um meine Geburts- und Heimatstadt handelt. Die diversen Touren rund um den Hafen mit dem neuen Wahrzeichen von Elmshorn, der Käpten-Jürs-Klappbrücke, bieten durch alle Jahreszeiten hindurch immer wieder neue Eindrücke und ermöglichen selbst für eine solche Schlafstadt vor den Toren Hamburgs ein wenig Lokalpatriotismus. Und mir die regelmäßige Meditation über meine aktuellen Projekte und die Entwicklungen in unserer etwas verrückten Branche.

Ein Tipp: vom 1. Mai bis zum 3. Oktober gibt es mit der historischen Fähre Kronsnest ein echtes touristisches Highlight. Sie ist die kleinste und einzige von Hand betriebene Fähre Deutschlands und bietet an Wochenenden und Feiertagen die Möglichkeit, sich zwischen Seester und Neuendorf über die Krückauf wriggen zu lassen.
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