Starke OOH-Aktion in New York

Warum 72 And Sunny den kalten Entzug einer Opioid-süchtigen Frau livestreamt

Die 26-jährige Protagonistin Rebekka zieht mit ihrer Geschichte zahlreiche Passanten in New York in den Bann
© Truth / Youtube
Die 26-jährige Protagonistin Rebekka zieht mit ihrer Geschichte zahlreiche Passanten in New York in den Bann
Mehr als 100 Menschen sterben täglich in den USA an einer Opioid-Überdosis. Anders formuliert: Alle 12 Minuten lässt in den Vereinigten Staaten ein Mensch aufgrund Schmerzmittel-Missbrauchs sein Leben. Nirgendwo ist die seit den 1990er Jahren andauernde Opioidkrise so ausgeprägt wie in Nordamerika. 72 And Sunny und die Anti-Drogen-Organisation Truth adressieren das Problem jetzt mit einem ungewöhnlichen Out-of-Home-Experiment - und lassen Passanten in New York City via Livestream am kalten Entzug einer jungen Frau teilhaben.
Ein rund sechsminütiger Kurzfilm dokumentiert die außergewöhnliche Werbeaktion, an der auch das US Office of National Drug Control Policy sowie die gemeinnützige Kreativgentur Ad Council beteiligt sind. Der Clip zeigt den würfelförmigen Großbildschirm auf einem belebten öffentlichen Platz in Manhattan. Die Screens übertragen live aus dem Schlafzimmer des 26-jährigen Rebekkah, die seit einer Knöchelverletzung im Alter von 14 Jahren abhängig von starken Schmerzmitteln ist und gerade ihren kalten Entzug beginnt. Die Kameras filmten Rebekkah im Bett während der ersten drei Tage ihres Entzugs, die für Süchtige die schlimmsten sind. Ergänzt wird das Live-Material um Interviews mit Suchtexperten und der Protagonistin selbst, die erzählt, wie sie - verschuldet durch ihre Ärzte - in die Abhängigkeit geraten ist, später zum Spritzen von Heroin überging und wie die Sucht ihr Leben bestimmt hat. Am Ende steht die Botschaft: "Know the truth. Spread the truth."


"Rebekkah's Story" entfaltet beim Zuschauen eine Wucht, die einem Unbehagen gleichkommt und den Betrachter den Film in manchen Sequenzen kaum ertragen lässt. Doch genau das dürfte die Absicht von 72 And Sunny und Truth gewesen sein. Denn nur weil der Film seine Botschaft über die ungeschönten Bilder des kalten Entzugs der Protagonistin vermittelt, wird das große Problem der Opioid-Krise in den USA maximal anschaulich und authentisch vermittelt. Die wichtige Kampagne dürfte so in digitalen Medien und den sozialen Netzwerken nicht nur eine große Reichweite bekommen, sondern auch bei den Awardshows dieser Welt zahlreiche Kreativpreise abräumen.
Bei 72 And Sunny zeichnen Garrett Jones (Creative Director/Designer), Nate Virngig, Peter Albores (Creative Directors/Writers), Garrett Combes (Designer), Chase Hilton (Writer), Marc Pardy (Strategy Director) sowie Greg White (Connections Strategy Director) verantwortlich. Produziert wurde der Film von M SS NG P ECES unter der Regie von Tucker Walsh. Die Postproduktion übernahm Carbon. Die Musik kommt von Buttertt
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