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Wie Künstliche Intelligenz einen 57 Jahre alten Ausbruchsfall aus Alcatraz löst

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Frank Morris, John und Clarence Anglin sind 1962 aus Alcatraz geflohen - und wurden nie wieder gefunden
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Frank Morris, John und Clarence Anglin sind 1962 aus Alcatraz geflohen - und wurden nie wieder gefunden
Dass die zu Accenture gehörende Agentur Rothco Kreation und Künstliche Intelligenz auf beeindruckende Weise verknüpfen kann, hat sie 2018 mit dem Case "JFK Unsilenced" bewiesen: Damals rekonstruierte Rothco mithilfe von KI und Daten die Rede, die John F. Kennedy am Tag seiner Ermordung 1963 halten wollte. In Cannes gab es dafür unter anderem den Grand Prix in der zukunftsweisenden Kategorie Creative Data. Jetzt legt die Kreativagentur ihre nachste Arbeit vor, die auf dem klugen Einsatz einer KI fußt - und löst einen 57 Jahre alten mysteriösen Kriminalfall aus den USA.
Wer schon einmal das ehemalige Gefängnis auf der Insel Alcatraz in der Bucht von San Francisco besucht hat, dem ist wahrscheinlich auch der legendäre Ausbruchsfall aus dem Jahr 1962 bekannt. Damals flohen die drei Insassen Frank Morris sowie die Brüder John und Clarence Anglin mithilfe eines aus Regenmänteln und Klebstoff selbst gefertigten Schlauchboots, nachdem sie zuvor etwa zwei Jahre lang mit Essbesteck einen Tunnel durch die Belüftungsschächte ihrer Zellen gegraben haben. Nach ihrer Flucht wurden die drei nie gefunden, viele gehen davon aus, dass sie in der Bucht ertrunken sind - so wie alle Insassen, die einen Fluchtversuch aus Alcatraz unternommen hatten.


Allerdings erfuhr die Geschichte, die 1979 als Vorlage für den Film "Flucht von Alcatraz" mit Clint Eastwood diente, vor wenigen Jahren eine überraschende Wende: 2015 tauchte nämlich eine Fotografie auf (siehe unten), die angeblich die Anglin-Brüder im Exil in Brasilien zeigt - 13 Jahre nachdem sie von der Gefängnis-Insel entkommen waren. Seither konnte die Echtheit des von einem Familienmitglied der Anglins in Umlauf gebrachten Fotos nicht geklärt werden - bis jetzt.
Zeigt dieses Foto die Anglin-Brüder 1975 in Brasilien?
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Zeigt dieses Foto die Anglin-Brüder 1975 in Brasilien?
Zusammen mit dem Bildanalyse-Unternehmen IdenTV, das bei seiner Arbeit auf Machine Learning setzt, hat Rothco das Foto untersucht und hält die aufwendige Analyse in seinem Casefilm (siehe oben) fest. Und der ist in seinen 150 Sekunden so spannend, dass er fast schon als True-Crime-Doku à la "Making A Murderer", "The Keepers" und "The Staircase" auf Netflix laufen könnte.

"'The Long Shot' ist ein Beispiel für die erfolgreiche Symbiose aus kreativem Wissen und den digitalen Tools von heute, um ausgehend von einem verborgenen Stück Vergangenheit eine neue Geschichte zu schreiben", sagt Rothco-CCO Alan Kelly. "Die Technologie in Sachen KI schreitet so schnell voran, dass Ihnen schwindlig werden kann. Ohne DNA-Nachweis wird das Rätsel um die Flucht aus Alcatraz zwar nie restlos gelöst werden. Aber wenn man nur von der Technologie ausgeht, haben es die Gefangenen tatsächlich geschafft."


Bei Rothco zeichnen Alan Kelly (Chief Creative Officer & Copywriter), Jill Byrne (Marketing Director), Cris Schmidt (Multi Media Producer), Margaret Levingstone (Head of Production), David Bowen, Matt Evans (Art Directors), Colm Cusack (Social Lead) sowie Orlagh Marnane (Producer) verantwortlich. Bei IdenTV war AI Scientist Mark Hughes federführend zuständig. tt
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