Recruiting-Offensive

Wie Denkwerk mit Liebesbriefen und Spotify-Playlisten Talente locken will

Die untereinander gereihten Songtitel als zusammenhängende Sätze gelesen, ergeben das Jobangebot
© Denkwerk
Die untereinander gereihten Songtitel als zusammenhängende Sätze gelesen, ergeben das Jobangebot
Der Kampf um junge Talente tobt in der Agenturszene härter als je zuvor. Mit gleich zwei kreativen und charmanten Recruiting-Kampagnen geht die Kölner Digitalagentur Denkwerk derzeit in die Offensive. Die Auftritte dürften für potenzielle Bewerber Musik in den Ohren sein - und ans Herz gehen.
So sucht Denkwerk via Spotify-Playlist nach Web Developer
© Spotify
So sucht Denkwerk via Spotify-Playlist nach Web Developer
In Kampagne Nummer eins beweist Denkwerk Rhythmus im Blut - und rappt seine Stellenanzeigen via Spotify: Mit Postings auf Facebook, Xing und LinkedIn lockt die Digitalagentur potenzielle Bewerber auf die Musikstreamingplattform. Dort finden User den Text im Rapstil, der auf den jeweils gesuchten Job zugeschnittenen ist. Lesbar ist er aber nur, wenn man die unterinander gereihten Songtitel als zusammenhängende Sätze liest: "Who doesn't love cash money? Money makes the world go round. Accountant - what would we do without you? Shit I'm broke. No money in the bank. U got what I need: The skills to pay the bills" heißt es zum Beispiel in der Playlist, mit der Denkwerk Accountants sucht.


"Ein Großteil der Kreativdenker, die bei uns arbeiten, braucht Musik wie Luft zum Atmen. Sie gibt ihnen Inspiration und Gedankenspielraum, aber auch Struktur", so Fabian Pensel, seit Juni 2018 Executive Creative Director bei Denkwerk. "Die Nutzung von Musikstreaming-Services während der Arbeit gehört bei uns irgendwie einfach dazu. Warum also nicht auch darüber kommunizieren und unsere Wunschkandidaten dort abholen, wo sie sind?" Er und sein Team sind die Ideengeber für die Recruiting-Offensive.

Wie viele Bewerbungen die Agentur bislang aufgrund der Spotify-Playlisten erhalten hat, kann Denkwerk nicht sagen. Es gab jedoch bereits Talente, die sich darauf bezogen haben. Ganz neu ist die Idee nicht. Spotify selbst hat beispielsweise vor wenigen Monaten per Playlist nach neuen Mitarbeitern gesucht.


Anstatt darauf zu hoffen, dass Bewerber die Initiative ergreifen, dreht der Digitaldienstleister bei seiner zweiten Kampagne den Spieß um und will Wunschkandidaten auf besonders emotionale Weise ködern - in Form von Liebesbriefen. Jedes aufwendig kalligraphierte Schreiben ist ein Unikat. "Wir haben uns intensiv mit den Profilen unserer Wunschkandidaten auseinandergesetzt und – wenn man so will – ein analogue-public-data-based-hardcore-customized-supermicrotargeting betrieben", so Pensel.

Die Briefe landen direkt in den Büros der Konkurrenz und werden womöglich noch von den eigenen Kollegen überreicht. Aber: "Im Krieg um Talente ist alles erlaubt - auch Liebe!", so die Agentur. Zum Team rund um Pensel gehören Marie Wehrhahn und Philipp Keens (beide Copy), Christine Erdmann (HR), Zübeyir Saritas (Production Art), Artur Dimke und Zorica Micic (beide Production Art) und Martin Korbach (Social Creation).

Denkwerk beschäftigt an den Standorten Köln, Berlin, München und Hamburg derzeit 210 Mitarbeiter. Im BVDW-Ranking der kreativsten Digitalagenturen befindet sich der Dienstleister auf Platz drei. Zum Kundenstamm gehören unter anderem die Deutsche Post, Lorenz, Media Markt, Telekom und Tui. jeb
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