"Billy's Lemonade"

Was passiert, wenn unabhängige Agenturen ihre Seele verkaufen

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Zulu Alpha Kilo erzählt in dem Spot die Geschichte von "Billy's Lemonade", die für den Gründer so gar nicht gut ausgeht
© Zulu Alpha Kilo
Zulu Alpha Kilo erzählt in dem Spot die Geschichte von "Billy's Lemonade", die für den Gründer so gar nicht gut ausgeht
Vier Jahre ist es her, dass die kanadische Agentur Zulu Alpha Kilo der Werbebranche mit einem witzigen Film zum Thema Kostenloskultur den Spiegel vorhielt. Jetzt widmen sich die Kreativen aus Toronto einem weiteren großen Thema, das die Branche seit einigen Jahren beschäftigt: In einem neuen satirischen Onlinevideo erzählt Zulu Alpha Kilo von einem Jungen namens Billy, der an der Straße seine eigene Limonade verkauft - und dessen erfolgreiches Geschäft bald einen großen Konzern auf den Plan ruft.
Die Parabel ist leicht verständlich: Limo-Verkäufer Billy steht in dem Film für eine unabhängige, angesagte und erfolgreiche Agentur, die Geschäftsanteile an eine New Yorker Holding verkauft. Die Folge: Das kreative Produkt wird teurer, gleichzeitig aber auch schlechter, viele Kunden wenden sich enttäuscht ab, die Agentur verliert ihre Identität, ihren Namen und ihren guten Ruf, verdiente Mitarbeiter müssen gehen. Irgendwann muss Billy, der sich selbst längst einen Corporate-Look angeeignet hat, sogar selbst das Unternehmen verlassen - und erkennt im Moment seiner größten Niederlage, dass er zu seinen Wurzeln zurückkehren muss.


Mit dem einmal mahnenden, aber freilich auch mit einem Augenzwinkern gemeinten Film adressiert Zulu Alpha Kilo nicht nur die Independent-Agenturen, die unter das Dach von großen Werbeholdings schlüpfen. Die Anzugträger aus New York erinnern vielmehr an Berater aus großen Konzernen, die immer häufiger Kreativagenturen kaufen. Bestes Beispiel aus diesem Jahr ist die Mega-Übernahme von Droga 5 durch Accenture aus dem Frühjahr dieses Jahres. Zuvor waren bereits die Hamburger Agentur Kolle Rebbe und die Digitalagentur Sinner Schrader von dem Beratungskonzern übernommen worden.

Bereits 2015 nahm sich Zulu Alpha Kilo eines in der Agenturbranche viel diskutierten Themas an. Damals kritisierten die Kreativen auf witzige Weise die Tatsache, dass Agenturen viel Zeit und Hirnschmalz in Ideen, Konzepte und Pitches investieren, um an lukrative Aufträge zu kommen - dafür aber nicht entlohnt werden.


Bei Zulu Alpha Kilo zeichnen Chief Creative Officer Zak Mroueh, Michael Siegers (Art Director), Johan Flynn (Writer), Colleen Allen (Producer) und Kayla MacDonald (Account Team) verantwortlich. Produziert wurde der Film von der Inhouse-Produktion Zulubot. Regie führte ebenfalls Mroueh. Hinter der Kamera stand Paul Steinbergtt
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