"Live Kill"

Warum eine israelische Youtuberin ihren Verkehrstod vortäuscht

Ashley Waxman Bakshi ließ ihre Fans für zehn Sekunden in dem Glauben, sie sei in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt
© Screenshot Youtube
Ashley Waxman Bakshi ließ ihre Fans für zehn Sekunden in dem Glauben, sie sei in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt
Kaum ein Thema wird aktuell so heiß diskutiert wie die Verbreitung von Fake News. Da passt es genau in die Zeit, dass die israelische Verkehrssicherheitsorganisation Or Yarok gemeinsam mit BBR Saatchi & Saatchi mit einer ungewöhnlichen Werbeaktion die Grenzen zwischen Realität und Fiktion auslotet. Zusammen mit der Agentur hat eine berühmte Youtuberin ihren eigenen Verkehrstod vorgetäuscht - in einem vermeintlichen Live-Video auf Youtube.
Der fiktive Echtzeit-Stunt fand bereits Mitte Dezember statt, jetzt hat die verantwortliche Kreativagentur BBR Saatchi & Saatchi in Tel Aviv ein Case-Video zu der awardverdächtigen Kampagne veröffentlicht, das die ganze Geschichte hinter der Aktion erklärt: In dem Originalvideo ist die israelische Vloggerin Ashley Waxman Bakshi während einer Autofahrt dabei zu sehen, wie sie auf ihrem Smartphone Fragen ihrer Fans vorliest und beantwortet. Doch nach ein paar Minuten der Schock: ein lauter Knall, Schreie, das Bildsignal ist weg. Zehn quälende Sekunden vergehen, ehe Or Yarok und die unversehrte Bakshi auflösen, dass es sich um ein vorab gedrehtes Werbevideo handelt, das junge Menschen auf die Gefahren der Smartphonenutzung hinterm Steuer aufmerksam machen soll.


Laut eigenen Angaben haben sich Kunde und Agentur für diese eigenwillige und sehr makabre Inszenierung ihrer Werbeidee entschieden, weil viele Road-Safety-Kampagnen zwar ebenfalls den großen Schockmoment als Instrument zur Verdeutlichung ihrer Botschaft einsetzen. Aber weil es sich dabei eben erkenntlich um Werbung handelt, klicken gerade junge Zuschauer die Spots schnell weg oder schauen sie erst gar nicht an.

Auch wenn "Live Kill" in Zeiten, in denen die ganze Welt über gefälschte Nachrichten und neuerdings über "alternative Fakten" diskutiert, wahrlich an der Grenze des guten Geschmacks kratzt, und diese für viele Menschen auch überschritten haben dürfte - für Reichweite und kostenlose PR hat das Ganze schon gesorgt: Laut BBR Saatchi & Saatchi haben das Fake-Live-Video rund 2500 Menschen verfolgt. Binnen weniger Minuten gab es mehrere Tausend Kommentare auf Youtube, nach einem Tag hatte das Video 57.000 Views. Und übrigens: Rund eine Woche vor dem Dreh des Clips war Ashley Waxman Bakshi in einen echten Autounfall verwickelt, der von einem Fahrer verursacht wurde, der von seinem Smartphone abgelenkt war. Für die Vloggerin war das laut eigener Aussage nur ein Grund mehr, für die Kampagne ihren eigenen Verkehrstod vorzustäuschen.


Bei BBR Saatchi & Saatchi in Tel Aviv zeichnen Yossi Lubaton (CEO), Jonathan Lang (CCO), Idan Regev (VP Creative Director), Idan Levy (Creative Director), Idan Kligerman (Social & Digital Creative Director), Niv Herzberg und Evgeniy Utkin (Creative Team) verantwortlich. Die Produktion des Videos übernahm Go Live. tt
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