re:publica Mozilla-Chef Mark Surman fordert ethische Standards im Internet

Dienstag, 09. Mai 2017
Mozilla-Chef Mark Surman bei seinem Vortrag auf der re:publica in Berlin.
Mozilla-Chef Mark Surman bei seinem Vortrag auf der re:publica in Berlin.
© re:publica/Gregor Fischer

Unter dem Motto "Love out Loud" treffen sich in diesen Tagen Tausende Besucher bei der Konferenz re:publica in Berlin und suchen nach Wegen, das Netz wieder liebenswerter zu machen. Unter ihnen auch Mark Surman. Der Chef der Mozilla Foundation warnte gestern in seinem viel beachteten Vortrag vor der Datensammelwut des "Internet of Things" - und fordert zugleich ethische Standards im World Wide Web.
Das Internet besteht längst aus mehr als nur einem Bildschirm und einer Maus in der Hand. Gegenstände wie Lampen, Uhren und sogar Kleidung sind mittlerweile mit dem World Wide Web verbunden und speichern die Daten des Trägers beziehungsweise Nutzers - das sogennante Internet of Things (IoT). Und dieses hat nun ein Ausmaß erreicht, das unserer Gesellschaft zu denken geben sollte, so Mozilla-Chef Mark Surman.
"Was für eine Art von Internet wollt ihr haben?", fragte der 48-Jährige gestern Hunderte Zuhörer im Publikum. "Das ist eine Frage, die wir nun ernsthaft beantworten und nicht nur Coktailparty-mäßig diskutieren sollten." Grund: Die explosionsartige Verbreitung von ans Internet angeschlossenen Geräten und die damit verbundene Datensammelwut der Unternehmen bringe ein großes Risiko mit sich. "Das Internet kann Diktatoren stürzen und die Wirtschaft revolutionieren. Es kann aber auch überwachen, unterdrücken und schikanieren. Und so unsere wichtigsten gesellschaftlichen Werte angreifen."

Surmans Botschaft: Der "Gesundheitszustand des Internets" muss als gesamtgesellschaftliches Problem betrachtet werden, so wie die Gesundheit des Menschen. Und das am besten so schnell wie möglich, denn die Gesellschaft erreiche gerade einen Wendepunkt. Noch nie habe das Internet der Dinge eine solche Verbreitung gefunden und privatere Lebensbereiche durchdrungen wie heute. 28,4 Milliarden Geräte seien laut Surman derzeit weltweit mit dem Internet verbunden. 2016 waren es noch 18,2 Milliarden. 2020 sollen es bereits mehr als 50 Milliarden sein. Die Wachstumskurve verlaufe nahezu exponentiell.

Das enorme Wachstum zeigt bereits heute die Schattenseiten dieser Technologie auf. Surman macht etwa auf einen Hack von Anfang des Jahres aufmerksam, als die Daten von 800.000 Nutzern und insgesamt zwei Millionen Audiobotschaften von einem ans Internet angeschlossenen Teddybären geklaut wurden. Die mit einer Cloud verbundenen Teddys ermöglichen es Kindern und Verwandten, Botschaften abzuspielen, die sie über eine App verschickt haben. Der gerade erst vor wenigen Tagen vorgestellte Amazon-Echo-Look-Lautsprecher treibe das Ganze auf die Spitze, so Surman: "Wir dürfen uns nicht mehr fragen, was möglich ist, sondern was vernatwortlich ist."

Gesellschaftliche Werte wie Offenheit, Bescheidenheit, Nachgiebigkeit und Vorsicht müssen aus der Sicht des Mozilla-Chefs ihren Platz innerhalb des Internets er- und behalten, um ein Internet zu erschaffen, das inklusiv, gleich und demokratisch ist. Wenn nicht, dominieren Überwachung, Mobbing und Ausgrenzung. Mozilla selbst engagiere sich in diesem Rahmen etwa mit diversen Untersuchungen oder einem "Statusbericht zur Internetgesundheit". ron
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