Verbraucherzentrale bemängelt Amazons Alexa hört auch auf "Alexis" oder "Alexander"

Freitag, 22. Dezember 2017
Der Echo-Lautsprecher von Amazon
Der Echo-Lautsprecher von Amazon
© Amazon

Alexa hat ihre Lauscher häufiger offen als erwartet. Die Verbraucherzentrale NRW hat sich Amazons Sprachassistentin mal etwas genauer angeschaut und ihr erhebliche Mängel attestiert: So hört Alexa nicht nur auf ihr Signalwort (entweder Alexa, Amazon, Echo oder Computer) sondern auch auf ähnlich klingende Begriffe.
In einem Selbsttest haben die Verbraucherschützer herausgefunden, dass Amazons Sprachassistentin auch dann noch reagiert, wenn sie ähnlich klingende Wörter wie "Alexander" statt "Alexa", "Amazonas" statt "Amazon" oder "Komm, Peter" statt "Computer" wahrnimmt. Für den Reaktionstest wurden die Begriffe von zwei Sprechern jeweils zehn Mal getestet. Der Sprachservice scheint tendenziell eher dann zu reagieren, wenn das Original-Signalwort komplett in dem abgewandelten Wort vorhanden ist, wie zum Beispiel bei "Alexander" (12 von 20; im Vergleich zu Alex: 2 von 20). Ähnlich verhält es sich bei "Amazonas" (19 von 20) und "Amazone" (18 von 20). Insgesamt, so schlussfolgern die Verbraucherschützer, reagiert die Sprachassistentin bei leicht abgewandelten oder leicht erweiterten Signalwörtern am Satzanfang in 72 Prozent der Fälle.

Taucht ein vermeintliches Original-Signalwort in der Satzmitte auf, sind noch 46 Prozent Reaktionen zu verzeichnen. Wird das Signalwort stark abgewandelt in der Satzmitte genannt (Beispiel: "absoluter" statt "Computer"), sind immer noch Reaktionen zu verzeichnen, auch wenn die Reaktionsrate auf drei Prozent sinkt.

"Unser Reaktions-Check zeigt, dass sich Verbraucher nicht darauf verlassen können, dass digitale Sprachassistenten nur dann aufzeichnen und Gesprächsinhalte an die Anbieterserver weitergeben, wenn der Nutzer es auch wirklich beabsichtigt. Das sehen wir kritisch", so Ayten Öksüz vom Marktwächter-Team der Verbraucherzentrale NRW. "Denn durch das ungewollte Aufzeichnen von Gesprächen kann Amazon Einblick in die Privatsphäre nehmen, ohne dass der Nutzer dies möchte – im Zweifel bekommt er es nicht einmal mit."

Die unfreiwilligen Gesprächsaufzeichnungen können relativ lange ausfallen, heißt es. Die Rede ist von bis zu 23 Sekunden. 
Beobachtet wurde dies vor allem bei Sprachausschnitten, in denen die "Unterhaltung" nach Nennung des vermeintlichen Signalworts einfach weitergeht und nicht – wie bei einem klassischen Befehl – nach einem Satz endet. Der Grund hierfür, so vermuten die Verbraucherschützer: Der Spracherkennungs-Algorithmus versucht so lange wie möglich, einen Befehl aus dem Gesagten abzuleiten, der tatsächlich umgesetzt werden kann.

Den kompletten Testbericht kann man hier nachlesen. ron
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