"Trips"-Service Airbnb wandelt sich vom Hotel-Konkurrenten zum Reiseveranstalter

Freitag, 18. November 2016
Airbnb wandelt sich zum Reiseveranstalter
Airbnb wandelt sich zum Reiseveranstalter
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Airbnb will nicht mehr nur ein Wohnungsvermittler sein. Das Unternehmen stellte gestern in Los Angeles die Funktion "Trips" vor, mit der die Plattform um Urlaubserlebnisse erweitert wird. Zukünftig will Airbnb sogar Flüge vermitteln und damit endgültig zum vollwertigen Reiseveranstalter avancieren. In Deutschland wird der Service aber erst im nächsten Jahr ausgerollt.

Als Airbnb-CEO Brian Chesky am Donnerstag die Bühne des historischen Orpheum-Filmtheaters in Los Angeles betrat, sollen ihn die anwesenden Mitarbeiter und Airbnb-Kunden aus aller Welt mit stehenden Ovationen begrüßt haben. Chesky eröffnete die Konferenz "Airbnb Open", in der zahlreiche Manager aus dem Unternehmen drei Tage lang die Zukunft des eigenes Arbeitgebers diskutierten.

Die Marschrichtung legte der gefeierte Chesky sogleich vor: Seiner Ansicht nach soll sich Airbnb vom reinen Wohnungsvermittler zum Konkurrenten klassischer Reiseveranstalter entwickeln. Dafür stellte der Konzernboss gestern die neue Funktion "Trips" vor, mit der das Unternehmen seine Plattform um Urlaubserlebnisse wie Ausflüge zu lokalen Sehenswürdigkeiten oder Events erweitert. Nutzer können ab sofort also auch Ausflüge zu Sehenswürdigkeiten über Airbnb buchen. Hat ein Nutzer beispielsweise ein spezielles Hobby oder eine bestimmte Expertise, kann er bei Airbnb gebucht werden. Zukünftig werde man auch Flüge in die Plattform integrieren, heißt es. Etwa fünfzig Prozent der Angebote kosten Medienberichten zufolge weniger als 200 Dollar, verspricht Chesky. 20 Prozent davon bekommt Airbnb, deutlich mehr als die drei Prozent aus einer vermittelten Übernachtung. Im Gegenzug will Airbnb beim Marketing behilflich sein.

Airbnb startet den neuen Service in den zwölf Städten Los Angeles, San Francisco, Miami, Detroit, Havanna, London, Paris, Florenz, Nairobi, Kapstadt, Tokio und Seoul. Das Angebot soll allerdings rasch ausgeweitet werden, 39 weitere Städte seien schon in den Startlöchern, darunter auch Berlin. Vor zwei Monaten hatte übrigens der Internetriese Google eine Reiseplaner-App vorgestellt, die ebenfalls "Trips" heißt.
Lulu Skinner
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Mit der Erweiterung seiner Angebotspalette macht Airbnb nicht nur etablierten Online-Reiseportalen wie Expedia oder Opodo das Feld streitig, sondern erschließt vor allem neue Erlösquellen. Letztendlich macht sich das "Einhorn" aus dem Silicon Valley damit unabhängiger vom Geschäftsmodell der Wohnungsvermittlung, mit dem es sich in den vergangenen Jahren zum großen Konkurrenten der Hotel-Industrie etabliert hat. Das Unternehmen hat seit der Gründung 2008 einen rasanten Aufstieg verzeichnet und ist inzwischen nach eigenen Angaben in 191 Ländern und mehr als 34.000 Städten weltweit vertreten. Investoren bewerteten Airbnb zuletzt mit rund 30 Milliarden Dollar (28,2 Milliarden Euro).

Das Geschäftsmodell ist allerdings umstritten. Kritikern zufolge wird durch Airbnb ohnehin schon knapper Wohnraum verringert und verbotene gewerbliche Nutzung sowie ruhestörender Andrang von Touristenmassen in Wohnvierteln ermöglicht. In Metropolen wie Berlin oder New York, wo erst kürzlich drastische Strafen für illegale Airbnb-Nutzung eingeführt wurden, hat das Unternehmen deshalb einen schweren Stand. Erst kürzlich bat Airbnb-Marketingchefin EMEA Lulu Skinner gegenüber HORIZONT Online in Deutschland um Vertrauen: "Weltweit wollen wir mit politischen Entscheidern zusammenarbeiten und unseren Beitrag leisten, damit ein zeitgemäßer und verantwortungsvoller gesetzlicher Rahmen geschaffen werden kann. So auch mit Berlin, um dem weltoffenen und innovativen Charakter der Stadt gerecht zu werden."

Unterdessen bereitet sich Airbnb auf einen bevorstehenden Börsengang vor, wie CEO Chesky gestern in einem Interview gegenüber "Wired" nochmals bestätigte. Darin sagt er, er wolle "so schnell wie möglich" den Gang aufs Parkett anstreben. Der neue Service "Trips" könne als eine Art Vorbereitung für den IPO betrachtet werden, um die Gunst von potenziellen Investoren zu gewinnen. Erst im September sicherte sich Airbnb 555 Millionen US-DollarDie Riege der Geldgeber wird angeführt von namhaften Firmen wie Google Ventures, einer Sparte des Mutterkonzerns Alphabet, und Technology Crossover Ventures. ron (mit dpa-Material)

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