Vernetztes Auto Jeder dritte Fahrer nutzt die Features im Connected Car nicht aktiv

Donnerstag, 11. Januar 2018
BMW und Alibaba tüfteln gemeinsam am Connected Car
BMW und Alibaba tüfteln gemeinsam am Connected Car
© BMW
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China Winfried Hagenhoff


Stolz sind alle Hersteller auf die Vielzahl ihrer Connected Features in den Autos. Nur: Nicht jeder Fahrer bedient sich den digitalen Helfern. Das hat eine Studie von Kantar TNS herausgefunden. Danach nutzt hierzulande jeder Dritte die Angebote nicht aktiv.
Nahezu in jeder Kampagne eines Autobauers tauchen sie auf und sie sind Bestandteil fast jeden Verkaufsgespräches im Autohaus: die zahlreichen Connected Features, über die moderne Autos heute verfügen. Trotzdem hat sich deren Nutzung im Alltag der Autofahrer noch nicht durchgesetzt. Das will eine Studie von Kantar TNS herausgefunden haben. Danach nutzen 32 Prozent der deutschen Besitzer eines PKW mit Connected Car-Ausstattung die Features nicht aktiv. Weltweit liegt die Zahl bei 25 Prozent. Noch interessanter mit Blick auf die Präsenz in der Kommunikation und in der strategischen Ausrichtung der Hersteller ist eine weitere Zahl. Danach wissen in Deutschland 19 Prozent der Befragten (weltweit: zwölf Prozent) gar nicht, dass ihr Auto diese Technologie besitzt.

Ebenfalls überraschend: Fast zwei Drittel der deutschen Connected Car-Fahrer sind sich nicht sicher, ob sie künftig diese Dienste wieder kaufen werden, oder sie planen es gar nicht. Für die Hersteller sind das keine gute Nachrichten. Es geht um einen Milliarden-Markt.

2020 soll der Weltmarkt für mit Connected Cars verbundene Technologien und Dienstleistungen bei einem Wert von über 100 Milliarden Euro liegen. Winfried Hagenhoff wundert das nicht. "Noch immer besteht eine Diskrepanz zwischen dem technisch durch die Hersteller realisierten Angebot an Connected Car Features und dem, was die Verbraucher erwarten und nutzen möchten und für das eine Zahlungsbereitschaft besteht", erklärt der Geschäftsführer von Kantar TNS Automotive.

Die Studie

Kantar TNS hat für die Studie insgesamt 8.576 Personen befragt, die seit 2013 einen Neuwagen (inklusive Tageszulassung, Vorführwagen) erworben haben. Die Befragten mussten außerdem über ein Smartphone verfügen. Erhoben haben die Meinungsforscher die Daten im Juli und August 2017 in den europäischen Automärkten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Niederlande, Spanien, Italien und Skandinavien (Schweden, Finnland, Norwegen, Dänemark), außerdem in den USA, Kanada und China. Für die Analyse hat Kantar TNS keine Automarke ausgeschlossen.
So sehen viele Nutzer eines Connected Car die die Technologie als optionales Extra und  nicht als sinnvoll eingebundenen Teil des Autos. Die Folge: Es gibt bei den Konsumenten keine hohe Zahlungsbereitschaft für diese Dienste. So sind in Deutschland 52 Prozent der Befragten nicht bereit, für die Infotainment- und Navigationsdienste im Connected Car etwas zu bezahlen. Bei Entertainment-Diensten im Connected Car sind es sogar nur 28 Prozent der Deutschen. "Sie bevorzugen klar ihre bekannten Apps via Smartphone gegenüber festinstallierten Systemen", heißt es in der Studie.

Ein Trost immerhin gibt es. Die Besitzer von Premium PKW-Marken nutzen mit 67 Prozent die Connected Features häufiger und, was noch wichtiger ist, sie zeigen eine größere Kauf- und Zahlungsbereitschaft – von Sicherheitsfeatures und Navigation bis hin zu Infotainment. Blickt man auf verschiedene Märkte, dann hebt sich China von dem nordamerikanischen und europäischen Markt ab. Im Reich der Mitte nehmen 65 Prozent diese Features an, in Europa dagegen nur gut 40 Prozent und in Deutschland 46 Prozent. Ein noch höheres Interesse besteht in China an den CASE Innovationen (Connectivity, Autonomous Driving, Shared Mobility, Electric Driving). "75 Prozent der chinesischen Fahrer eines Connected Car interessieren sich für autonomes Fahren. In Europa und auch in Deutschland dagegen nur gut ein Drittel", heißt es in der Studie weiter. Für Hagenhoff sind die Ergebnisse ein Warnsignal. "Autohersteller müssen die Connected Features leichter zugänglich, stärker personalisiert und relevanter für das Fahrerlebnis gestalten. Sie sollten die Systeme vereinfachen und standardisieren, Relevanz und Nutzen besser verdeutlichen und insbesondere das Vertrauen in die Sicherheit der neuen Features und in den Datenschutz stärken."

Wie das zu schaffen ist? Am besten sollte die Technik beim Verkauf und bei der späteren Fahrzeugübergabe persönlich vom Verkäufer präsentiert werden, rät der Automotivexperte. Zumindest in Europa und Nordamerika. In China sieht das schon etwas anders aus. Hier sei für die Herstellermarken entscheidend, an den Touchpoints präsent zu sein, die für die Kunden wichtig sind – etwa in der Online-Kommunikation. mir
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