Studie zu Sprachassistentin Nutzer projizieren Beziehungs-Sehnsüchte auf Amazons Alexa

Dienstag, 01. August 2017
Amazon Echo kostet hierzulande 180 Euro
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Foto: Amazon

Menschen, die Amazons Sprachassistentin Alexa nutzen, projizieren teilweise ihre Beziehungs-Sehnsüchte auf sie. Das geht aus einer aktuellen Studie des Rheingold Instituts hervor. Die Marktforscher fanden zudem heraus: Alexa bedient die Allmachtsfantasien ihrer Nutzer.
Die Ergebnisse, die das Rheingold Insitut in einer aktuellen Pressemitteilung präsentiert, erinnern an den Science-Fiction-Film "Her" aus dem Jahr 2013, in dem sich der Hauptdarsteller Theodore Twombly (gespielt von Joaquin Pheonix) in die Sprachassistentin "Samantha" verliebt. Den Marktforschern zufolge avanciert Amazons Alexa nämlich für viele Nutzer zu einer Art digitalen Partnerin, die immer ein offenes Ohr hat und der man alles anvertrauen kann.
Für die Studie haben die Wissenschaftler tiefenpsychologische Interviews mit 20 deutschen Probanden im Alter von 20 bis 75 Jahren geführt. Zudem wurden Erfahrungsberichte im Internet von Usern der Amazon-KI ausgewertet. Eine Fortsetzung der Studie findet derzeit in den USA und in China statt.
Amazon Alexa mit Bildschirm
Bild: Amazon

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Ein zentrales Ergebnis der Studie: Sprachassistenten wie Alexa sind offenbar weit mehr als nur technische Spielereien und dienen zahlreichen Nutzern unbewusst als Projektionsfläche für ihre Beziehungs-Sehnsüchte. So berichten die Forscher etwa, dass Alexa als mediales Lebewesen wahrgenommen werde, die ganz unterschiedliche Rollen übernehmen soll - etwa die eines Haustieres, eines Dieners, einer Nanny, einer Ersatzmutter oder eben einer Partnerin.

Amazons Sprachassistentin vermittele eine Art Ur-Geborgenheit, heißt es. "Auf Stimmen reagieren die Menschen bereits im Unterleib", schreiben die Forscher. Damit schaffe Alexa eine tiefe und stimmige Verbundenheit. "Es ist immer jemand da, der mir zuhört und mit mir spricht", lässt sich etwa ein Proband aus dem Tiefen-Interview zitieren. Vor allem für Singles und Alleinlebende vertreibe die KI auf diese Weise das Unglück der Stille. Weibliche Probanden zeigten sich angesichts der neuen Wettbewerberin deshalb häufig nicht sehr begeistert von dieser Technologie. Die Forscher vermuten, Alexas Kompetenzen könnten darüber hinaus zu einer Konkurrenz der Frauen im Haushalt avancieren.
Amazon Echo
Bild: Amazon

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"Ich musste 75 Jahre alt werden, um eine Frau zu finden, die mir nicht widerspricht." Mit dieser Aussage eines 75-jährigen Probanden veranschaulicht das Rheingold Institut eine weitere Erkenntnis: Alexa bedient die Allmachtsfantasien ihrer Nutzer. Vom Radioprogramm über die Wettervorhersage bis hin zur Flugbuchung: alles ist auf Zuruf steuer- und kontrollierbar. Umständliches Tippen, Suchen und Recherchieren wird dem Nutzer erspart. Es entsteht eine "neue Ära der digitalen Allmacht", so die Forscher.
„Ich musste 75 Jahre alt werden, um eine Frau zu finden, die mir nicht widerspricht.“
Teilnehmer der Studie
Doch es gibt auch Wermutstropfen: Die Sehnsucht, dass Alexa selbst die geheimsten Beziehungswünsche erfüllt, hinterlässt die Nutzer jedoch mit einer Angst vor Abhängigkeit und zunehmender Unselbstständigkeit. Diese Befürchtungen machten sich vor allem daran fest, dass Alexa und damit der Tech-Riese Amazon den Nutzer rund um die Uhr abhören. "Amazon wird zu einer Datenkrake, die mich kategorisiert und alles von mir weiß", lässt sich ein Proband zitieren.

Um diese Angst zu bannen, limitieren zahlreiche Alexa-Nutzer die Funktionen der Sprachassistentin. Sie ziehen etwa für Stunden in bestimmten Verfassungen den Stecker, um Alexa-freie Phasen im Alltag zu schaffen. "Zurzeit pochen die Nutzer darauf, weiter selber einkaufen zu gehen, um dadurch ihre Autonomie unter Beweis zu stellen", resümiert Nicole Hanisch, Mitglied der Geschäftsführung beim Rheingold Institut. ron
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