Spectacles-Interview Über die (Werbe-)Potenziale von Snapchats Kamera-Sonnenbrille

Dienstag, 20. Juni 2017
Seit wenigen Tagen sind die Spectacles auch hierzulande offiziell erhältlich.
Seit wenigen Tagen sind die Spectacles auch hierzulande offiziell erhältlich.
© Snap
Themenseiten zu diesem Artikel:

Kamera Spectacles Snap Snapchat David Broghammer Influencer


Seit drei Wochen sind die Snap Spectacles hierzulande offiziell zu haben und ziehen auch das Interesse der Werbeindustrie auf sich. Doch wie können Unternehmen eigentlich die Kamera-Sonnenbrille für sich nutzen? Ist das ein sinnvolles Tool oder doch eher nutzloses Spielzeug? Wir haben bei drei Experten von MRM//McCann nachgefragt - und die Reaktionen mit den Spectacles auf Video festgehalten.
Insgesamt kommt das Gadget von Snap bei den Werbefachleuten gut an, auch wenn es "aus Styling-Gesichtspunkten ein wenig gewöhnungsbedürftig ist", wie Senior Social Media Strategist Thomas Kochwasser sagt (siehe Video unten). Auch Social Media Manager David Broghammer zeigt sich von der Optik nicht ganz so überzeugt: "Es ist irgendwas in-between: Nicht zu klobig und nicht zu hochwertig im Design." Mark Hollering, Director Creative Technology, bezeichnet sie hingegen als "modischen Hingucker."
Generell sollten möglichst alle Unternehmen mit den Spectacles im Rahmen ihrer Möglichkeiten experimentieren, so die McCann-Experten. "Für Marken sind die Spectacles ein gutes PR-Tool, um sich als First Mover zu platzieren, insofern man hier schnell genug reagiert", so Kochwasser. Denkbar seien etwa die im Influencer-Marketing beliebten Unboxing-Videos, da man die Hände frei hat. Zum anderen sind Events jeglicher Art sinnvoll, um Backstage-Erlebnisse oder die "In-crowd"-Sicht, also durch das Auge der Besucher, zu porträtieren.
Thomas Kochwasser, David Broghammer und Mark Hollering (v.l.n.r.)  von MRM/McCann
Thomas Kochwasser, David Broghammer und Mark Hollering (v.l.n.r.) von MRM/McCann (Bild: MRM/McCann)
Dennoch: Mehr als ein PR-Case für die Marke selbst sind die Spectacles nicht, sagt Broghammer. "Die Spectacles sind ein spannendes Spielzeug, heben Snapchat als soziales Netzwerk aber auf keine neue Ebene." Der Social-Media-Benefit halte sich in Grenzen, weil die Funktionalitäten von Snapchat durch die Brille nicht sonderlich erweitert werden. Auch Hollering spricht von einem eher geringen Mehrwert: "Lediglich die Authentizität erfährt durch den Blickwinkel aus den Augen des Snappers eine gewisse Aufwertung. Ein nächster wünschenswerter Schritt wäre eine barrierefreie Option zu snappen, eine Art 'direct-mode', da bis jetzt die produzierten Snaps erst noch gesichtet und manuell via Mobiltelefon gepostet werden müssen."

Was sind Spectacles?

Spectacles sind Sonnenbrillen mit integrierter Kamera. Durch einen Auslöser am Brillengestell können Personen ein zehnsekündiges Video aufnehmen - immer aus der Perspektive des Trägers. Die Kamera nimmt die Umgebung in einem Winkel von 115 Grad und in rundem Format auf. Über Bluetooth landen die aufgenommenen Inhalte schließlich in der Snapchat-App auf dem Smartphone und können an Freunde verschickt werden.
In Snaps Heimatmarkt USA experimentieren Marken schon seit mehreren Monaten mit der Kamera-Sonnenbrille. So probierte sich etwa die Social-Media-Agentur VaynerMedia um CEO Gary Vaynerchuk mit einer Variante der damals im Netz gehypten Mannequin Challenge, bei der die gefilmte Szenerie wie eingefroren wirken soll. Auch die Marken Sour Patch Kids und Esquire Network hatten als einer der ersten Brands die Snapchat-Sonnenbrille im Einsatz. Der Süßigkeitenhersteller etwa verwendete das Gadget für ein etwas kurios anmutendes Back-Tutorial. Der TV-Sender Esquire Network bewarb mit den Spectacles die Serie "Wrench against the machine", indem Schauspieler Michael Wooloway den Zuschauer mit auf eine Motorrad-Fahrt nahm. ron
Meist gelesen
Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen und akzeptiere diese.
stats