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Screenshot der ReportExpress-App
ReportExpress

ReportExpress Bei dieser App schreibt Kollege Roboter den Spielbericht

Screenshot der ReportExpress-App
Es ist ein leidiger Trend in der Berichterstattung aus unterklassigen Fußballligen: Es gibt zwar massenhaft Spiele - aber immer weniger Reporter. Ein Münchner Start-up will nun Vereinen helfen, ihre Spielberichte einfach selbst zu erstellen - und zwar automatisiert: Die App ReportExpress arbeitet mit Methoden des Roboterjournalismus.
von Ingo Rentz, Mittwoch, 11. Oktober 2017
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    Die App, die im Google Play Store heruntergeladen werden kann und bald auch in Apples App Store verfügbar sein soll, kann einfache Berichte von Fußballspielen auf Knopfdruck erstellen, so die Macher - und das in "journalistischer Fachsprache". Allerdings sind dafür einige Taps auf das Smartphone nötig: Um einen Bericht zu erstellen, muss der Nutzer zunächst von den Mannschaften die Aufstellungen manuell eingeben und die Spielstätte auswählen. Danach kann der Spielbericht parallel zum Spielgeschehen oder nachträglich durch händische Eingaben erstellt werden.  ReportExpress bietet dabei folgende Features: Die Integration von Personen-, Vereins- oder Spielstättennamen, die nachträgliche Bearbeitung von Berichten, indem Aktionen und Entscheidungen geändert, verschoben, gelöscht oder hinzugefügt werden, sowie die Anzeige, Speicherung oder der Versand von mehreren Berichtsversionen. Einige der Funktionen wie etwa Namen der Schiedsrichter oder der Spielstätte muss man allerdings per In-App-Kauf erst freischalten. Dabei werden Beträge zwischen 1,59 und 2,99 Euro fällig. Verschicken kann man die Berichte entweder per Mail oder Whatsapp, aber auch eine Teilen-Funktion für Facebook steht zur Verfügung.
    Screenshot der ReportExpress-App
    Screenshot der ReportExpress-App (© ReportExpress)
    Die Textbausteine, mit denen ReportExpress operiert, mussten bei der Programmierung der App händisch eingebaut werden. Die Nutzer können beim Erstellen eines Berichts aus verschiedenen Stufen wählen: Die Beispiele auf der ReportExpress-Website sind kurz, mittellang und ausführlich. In der Grundvariante liest sich das etwa folgendermaßen: "Anfänglich bietet die Partie viel Stückwerk. Nach 15 gespielten Minuten übernimmt Schalke 04 die Oberhand. Nach 30 Spielminuten ist S04 weiterhin dominant." Bei der Version mit sämtlichen freigeschalteten Features sind deutlich mehr Informationen enthalten: "Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus eröffnet die Partie bei leichter Bewölkung. In der Veltins-Arena gehen die Schalker anfangs mit viel Engagement zu Werke."
    "Wir haben mit der ReportExpress-App ein noch nie dagewesenes Produkt geschaffen, welches Fußballinteressierten die Möglichkeit bietet, spielend leicht professionelle Spielberichte zu verfassen", sagt ReportExpress-Geschäftsführer Rafael Hoyos Kleemann. "Diese Innovation macht eine kostengünstige Berichterstattung für alle möglich und vereinfacht damit die Öffentlichkeitsarbeit von Fußballvereinen immens: Vielen Verantwortlichen fehlt schlichtweg die Zeit, um die teils aufwändigen Berichte zu erstellen. Damit ist jetzt Schluss. Mit unserer App können auch untere Ligen erstmals nach sportjournalistischen Standards medial abgebildet werden."
    Screenshot der ReportExpress-App
    Screenshot der ReportExpress-App (© ReportExpress)
    Hoyos hat ReportExpress Anfang des Jahres zusammen mit Gabriel Brass an den Start gebracht. Momentan besteht das Team auch nur aus den beiden Geschäftsführern. Durch Gespräche mit Medien, Vereinen und Verbänden hoffe man, der App schnell zu einer guten Verbreitung zu verhelfen, so Hoyos. Was man nicht wolle: den unabhängigen Journalismus abschaffen. "Wir wollen keinem Journalisten den Job wegnehmen, im Gegenteil: In den höherklassigen Ligen sind erstklassige Journalisten unterwegs. Aber in den Amateurligen, die bei uns im Fokus stehen, wird häufig gar nicht berichtet. Das wollen wir ändern."

    Allerdings sind Hoyos und Brass nicht die ersten, die den Amateursport als Experimentierfeld für Roboterjournalismus entdeckt haben. Das Berliner Start-up Retresco und der Hamburger Publisher und Vermarkter Sportplatzmedia etwa haben gemeinsam das Programm Textengine an den Start gebracht. Dieses kann aus strukturierten Daten – beim Fußball sind das etwa Tore, Wechsel, Spielminuten und Tabellenplatzierungen – automatisch Texte generieren. Texte, die fehlerfrei lesbar und für den Laien kaum von denen der Journalisten zu unterscheiden sind. (Disclaimer: Die dfv Mediengruppe, zu der auch HORIZONT gehört, hält unter dem Dach der dfv Venture GmbH eine Minderheitsbeteiligung an Retresco)
    Screenshot der ReportExpress-App
    Screenshot der ReportExpress-App (© ReportExpress)
    Und auch im Bewegtbild-Bereich bekommt der Amateurfußball eine immer größere Bühne: Mit Sporttotal.tv, Soccerwatch, FuPa.tv und You-Sport gibt es hier inzwischen einige Angebote, die Streams und Video-Mitschnitte von unterklassigen Partien ermöglichen. Hoyos sieht darin aber kein Problem für ReportExpress: 
    "Ich glaube nicht, dass wir in Konkurrenz zu sporttotal.tv stehen, dazu ist deren Angebot zu unterschiedlich. Ich denke, es gibt genug Platz auf dem Markt für beide Produkte."

    Ob ReportExpress zum Massenprodukt werden kann, muss sich nun zeigen. Auf Reichweite sind Hoyos und sein Partner jedenfalls angewiesen: Abgesehen von den In-App-Verkäufen finanziert sich das Start-up über Banner-Vermarktung - und die kann in mobilen Apps bekanntlich zäh und ernüchternd sein. Beim Wachstum setzen die Gründer auch auf ihre Community. Hoyos: "Wir sind sehr gespannt auf das Feedback von Usern und Vereinen, wo wir uns noch verbessern können."

    Vor allem aber gilt: ReportExpress muss seinen Nutzern einfache zu erstellende und dennoch qualitativ ansprechende Spielberichte ermöglichen. Damit steht und fällt das Geschäftsmodell. ire
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