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Für das Auto der Zukunft arbeitet Audi mit Nvidia zusammen.
Nvidia

Nvidia Vom unscheinbaren Grafikkartenhersteller zum gefeierten KI-Spezialisten

Für das Auto der Zukunft arbeitet Audi mit Nvidia zusammen.
Nvidia machte sich vor vielen Jahren als Grafikkartenhersteller einen Namen - vor allem in der Gaming-Industrie. Mittlerweile hat der Konzern mit enormem Aufwand eine Transformation angestoßen und prescht mit Hochdruck in den Markt der künstlichen Intelligenz und autonomen Fahrzeuge vor. Google, Audi und Bosch suchen derzeit die Nähe zu Nvidia. Auf der CES in Las Vegas war zu beobachten, welche Relevanz sich der Konzern bei diesen Zukunftstechnologien bereits erarbeitet hat.
von Giuseppe Rondinella, Dienstag, 10. Januar 2017
Die Eröffnungs-Keynote bei der CES in Las Vegas ist wohl die prominenteste Bühne, auf der sich ein Redner während der dreitägigen Elektronikmesse präsentieren kann. Lange Zeit war dieser Platz reserviert für Bill Gates, dem Gründer von Microsoft. In den vergangenen Jahren machten ihm schließlich namhafte Vertreter anderer Tech-Unternehmen den Speakerposten streitig, wie etwa Intel vor zwölf Monaten. In diesem Jahr entschieden sich die Veranstalter aber für eine - auf den ersten Blick - etwas ungewöhnliche Personalie: Jen-Hsun Huang, Mitgründer und Vorstandsvorsitzender von Nvidia, einem der weltweit größten Grafikkartenhersteller.
Nvidia ist in den 90er-Jahren durch die Entwicklung von Grafikkarten bekannt geworden, mit deren Hilfe vor allem aufwendige Computerspiele auf den Rechnern der Nutzer laufen. Mit diesem eher unscheinbaren Produkt hat das Unternehmen aus dem kalifornischen Santa Clara über Jahre hinweg seine Marktmacht aufgebaut. Diese beruht zwar weiterhin vor allem auf der Serie der Geforce-Grafikkarten, doch das Unternehmen ist heute durch diverse Übernahmen wesentlich breiter aufgestellt als in den Anfangsjahren. Ähnlich wie das IT-Unternehmen SAP, das sich auf den Weg gemacht hat, den digitalen Mediamarkt aufzumischen, oder der Modellbauspezialist Revell, der sich neuerdings auf Drohnen spezialisert, hat Nvidia-Chef Huang sein Unternehmen vor allem durch die erfolgreiche Ausrichtung auf technologische Innovationen wie künstliche Intelligenz, Cloud Computing oder autonome Fahrzeuge neu positioniert. Der Börsenkurs von Nvidia hat sich im vergangenen Jahr verdreifacht, das Unternehmen meldete im jüngsten Quartalsbericht einen Umsatzsprung von 50 Prozent. Auf der CES in Las Vegas machte Jen-Hsun Huang deutlich, warum sein Unternehmen derzeit bei Anlegern als absoluter Börsenliebling gehandelt wird. Alles dreht sich bei Nvidia nämlich nun um das Thema künstliche Intelligenz - das Tech-Buzzword überhaupt in diesen Zeiten. Der CEO kündigte etwa an, zusammen mit Audi  ein selbstfahrendes Auto bauen zu wollen, das mit künstlicher Intelligenz ausgestattet ist und bis 2020 auf den Markt kommen soll. Es ist nicht die erste Allianz eines deutschen Autobauers mit einem Unternehmen aus der Computer-Branche: BMW arbeitet bei der Entwicklung seiner Roboterwagen mit dem Chip-Riesen Intel zusammen.

Zugleich gab Nvidia eine Kooperation mit den deutschen Zulieferern Bosch und ZF bekannt, die den vom Grafik-Spezialisten entwickelten Auto-Computer produzieren werden. Die Technologie von Nvidia soll zum einen für das autonome Fahren sorgen. Während der Mensch lenkt, tritt die Software als eine Art Co-Pilot auf und warnt vor potenziellen Gefahren im Verkehr - wenn zum Beispiel ein Radfahrer auf der Fahrbahn schlecht sichtbar ist oder sich ein anderes Fahrzeug im toten Winkel befindet. "Selbst wenn ein autonomes Fahrzeug sie gerade nicht selbst fährt, sollte es weiterhin auf sie aufpassen", sagte Huang. Dabei soll der Computer mit seinen Hinweisen erst eingreifen, wenn er merkt, dass der Fahrer selbst die Gefährdung nicht erkennt - zum Beispiel, weil er gerade abgelenkt ist oder in eine andere Richtung schaut. Huang zeigte, wie die Software mit Hilfe einer Kamera im Cockpit nicht nur das Gesicht und die aktuelle Blickrichtung des Fahrers erkennen, sondern auch Sprachbefehle direkt an den Lippenbewegungen ablesen kann. Diese Funktionen lasten einen der neuen Nvidia-Autocomputer mit dem Codenamen "Xavier" komplett aus, sagte Huang. "Ich denke, dass künstliche Intelligenz die Lösung für das Problem des autonomen Fahrens ist." Die Audi-Mutter Volkswagen wählte Nvidia zudem als strategischen Partner für ihr neues Zukunfts-Zentrum im Silicon Valley aus.

Einen weiteren prominenten Kooperationspartner hatte Nvidia auf der CES bekannt gegeben: Google. CEO Huang will den Google Assistant, das sprachgesteuerte Pendant zu Amazon Echo, nicht nur in seine Plattform für vernetzte und selbstfahrende Autos bringen, sondern ihm auch helfen, im Haus allgegenwärtig zu werden. Huang demonstrierte in Las Vegas aus diesem Grund das kleine Mikrofon "Spot", das direkt in die Steckdose kommt. Per WLAN schalten sich die Mikrofone mit dem Google Assistant, der in Nvidias Konsole "Shield" läuft, zusammen und bilden so ein lückenloses Netz. Somit kann der Nutzer den Google-Lautsprecher von jeder Ecke der Wohnung aus mit Sprachbefehlen füttern.
Nvidia-Chef Huang zeigt der Öffentlichkeit das "Spot"-Mikrofon.
Nvidia-Chef Huang zeigt der Öffentlichkeit das "Spot"-Mikrofon. (Bild: Screenshot Youtube)
Wenn mehrere "Spot"-Mikrofone in einem Raum seien, könne man sogar die genaue Position des Nutzers bestimmen, betonte Huang. Das könnte einerseits die Möglichkeit geben, Licht oder Raumtemperatur punktgenau anzupassen. Andererseits ist es auch eine ganz neue Dimension der Transparenz eines Verbrauchers für Online-Dienste, gerade nachdem vor wenigen Tagen ein Versuch von US-Ermittlern bekannt wurde, sich Alexa-Daten bei der Aufklärung eines Mordfalls zu sichern. Amazon blockte zunächst ab.

Künstlicher Intelligenz, Sprachassistenten und autonomen Fahrzeugen zum Trotz: Die Mehrheit seines Umsatzen macht Nvidia nach wie vor im Videospiel-Bereich und profitierte in den vergangenen Monaten nicht zuletzt vom anhaltenden Gaming- und E-Sports-Boom. Immer mehr Konsumenten sehen sich nach möglichst leistungsstarken Computern und setzen dabei auf die Grafikchips von Nvidia. Nicht verwunderlich also, dass CEO Huang auf der CES auch für diese Zielgruppe ein Schmankerl parat hatte. Computer-Spielern mit älterer Hardware stellt Nvidia ab sofort in einem neuen Service Grafik-Leistung für PCs direkt aus der Internet-Cloud zur Verfügung. Damit sollen auch diese Nutzer moderne Games spielen können, erklärte Huang. ron (mit dpa-Material)
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