Nach Belästigungsvorwürfen Start-up Konferenz Bits & Pretzels löst Partnerschaft mit Kevin Spacey auf

Donnerstag, 02. November 2017
Kevin Spacey auf der Bits & Pretzels im September.
Kevin Spacey auf der Bits & Pretzels im September.
© Bits & Pretzels

Im September verkündeten die Macher der "Bits & Pretzels", dass Kevin Spacey neuer Partner der populären bayrischen Start-up-Konferenz wird. Doch nun stehen seit wenigen Tagen Belästigungsvorwürfe gegen den US-Filmstar im Raum. Die Veranstalter haben deshalb nun angekündigt, die junge Partnerschaft mit Spacey vorerst auszusetzen.
"Wir waren schockiert, als wir von Kevin Spaceys mutmaßlichen Verhalten in den Medien erfahren haben", schreiben die Konferenzgründer Andreas Bruckschlögl, Bernd Storm van’s Gravesande und Felix Haas in einem Facebook-Post. Die drei hätten den Schauspieler als loyalen Geschäftspartner kennengelernt, der ihnen oftmals persönlich ausgeholfen habe und die Visionen von "Bits & Pretzels" geteilt hätte. "Ohne ihn wären wir nicht dort, wo wir jetzt sind." Doch weil Spacey aktuell kein geeigneter Botschafter für die Veranstaltung sei, wurde die Zusammenarbeit nun ausgesetzt bis weitere Informationen folgen. Im vergangenen Jahr hatte Spacey die Eröffnungsrede der Start-up-Konferenz gehalten und besuchte das Oktoberfest. Neben seinen Erfolgen in der Filmbranche ist Spacey als Investor bei diversen Start-ups und Technologieunternehmen aktiv, und ein weltweit begehrter Speaker auf Tech-Konferenzen. Unter anderem begeisterte er bereits das Publikum des Weltwirtschaftsforums in Davos. Dort sprach er über die Kunst des Storytellings und dessen Rolle in der Zukunft der Technologie.

Bei der diesjährigen "Bits & Pretzels" im September wurde der Filmstar vierter Partner. "Ich bin immer interessiert und motiviert, aufstrebende Talente zu unterstützen", sagte er damals auf der Bühne. "Ich bin auch sehr interessiert an neuen Technologien - in Bezug darauf, was in der Unterhaltungsbranche passiert", sagte der 58-Jährige. "Und manchmal ist es das Individuum: Dir geht es vielleicht gar nicht um die Idee, mit der du ein gewisses Risiko eingehst, sondern um die Person dahinter, in die es wert ist, zu investieren."

Der mexikanische Schauspieler Roberto Cavazos belastete Oscar-Preisträger Kevin Spacey zuletzt schwer: Während dessen Zeit als künstlerischer Direktor des Londoner Old Vic Theatre habe es unzählige Übergriffe gegeben. In Großbritannien sorgen derweil auch der Fall des Filmproduzenten Harvey Weinstein und eine Geheimliste mit Namen von Politikern, denen Fehlverhalten gegenüber Frauen vorgeworfen wird, für Aufsehen.

Der 35-jährige Cavazos schrieb auf Facebook: "Viele von uns haben eine 'Kevin-Spacey-Geschichte'. Es brauchte wohl nur einen jungen Mann unter 30, und Herr Spacey fühlte sich frei, uns anzufassen." Er könne die Anzahl der Personen nicht mehr zählen, die ihm die gleiche Geschichte über Spacey erzählt hätten, berichtete Cavazos. Demnach habe Spacey Schauspieler eingeladen, um "über ihre Karriere zu reden". Nach ihrer Ankunft im Theater habe der Oscar-Preisträger die Gäste mit einem Picknick und Champagner auf der Bühne erwartet. Die Geschichten variierten darüber, wie weit das Picknick gegangen sei.

Schauspieler Anthony Rapp (46, "Star Trek: Discovery") hatte Spacey zuvor eines sexuellen Übergriffs vor rund 30 Jahren beschuldigt. Er sei damals 14 Jahre alt gewesen und Spacey 26. Der Oscar-Preisträger outete sich kurz nach den Vorwürfen als schwul. Der Streamingdienst Netflix kündigte das Ende der Serie "House of Cards" an, in der Spacey die Hauptrolle spielt - dies sei schon länger geplant gewesen. ron (mit dpa)
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