Lieferroboter, VR und Co Warum Media Markt Saturn mit technischen Innovationen experimentiert

Freitag, 21. April 2017
Martin Wild, Chief Digital Officer bei der Media Markt Saturn Retail Group
Martin Wild, Chief Digital Officer bei der Media Markt Saturn Retail Group
© Media Markt Saturn

Lieferroboter, Virtual Reality, smarte Regale: Wenn es um technische Innovationen geht, zeigt sich Media Markt Saturn in der letzten Zeit recht umtriebig. Digitalchef Martin Wild erklärt gegenüber HORIZONT Online, warum der Elektronik-Riese diese Bemühungen unternimmt: "Wir wollen aktiv die Zukunft des Handels gestalten". Anders als bei Amazon spielen Drohnen in Wilds Plänen aber keine große Rolle.
Herr Wild, im Herbst 2016 war ein Lieferroboter in Düsseldorf für Media Markt Saturn im Einsatz. Welche Erfahrungen haben Sie mit ihm bislang gemacht? Unsere Erfahrungen sind sehr positiv. Das Thema "Same Day Delivery" ist für unsere Kunden relevant – allerdings muss man es natürlich auch wirtschaftlich abbilden können. Dabei könnten autonom fahrende Roboter eine wichtige Rolle spielen. Der erste Test hat gezeigt, dass es technisch funktioniert und die Kunden den kleinen Roboter mögen.
Wie viele Einsätze ist der Lieferroboter bislang in Düsseldorf gefahren? Der Roboter hat in der Pilotphase viele Testfahrten gemacht. Gerade in den ersten Wochen beispielsweise war er fast ausschließlich mit Journalisten auf Tour.
Das ist der Lieferroboter von Media Markt
Das ist der Lieferroboter von Media Markt (Bild: Media Markt)
Gibt es konkrete Planungen, den Lieferroboter künftig auch in anderen deutschen Städten fahren zu lassen? Wir führen mit Starship Gespräche über weitere Pilotversuche, haben aber noch keine Entscheidung getroffen.

Ein kurzer Blick in die Glaskugel: Werden in fünf Jahren bundesweit Hunderte Ihrer Lieferroboter kleinere Bestellungen zum Endkunden transportieren? Ich denke, dass sich in den nächsten Jahren eine ganze Reihe neuer Möglichkeiten und Konzepte in punkto Lieferung – gerade auf der sogenannten letzten Meile –  herausbilden werden, Roboter sind ein Teil davon. Man sieht heute bereits, dass eine schnelle Lieferung und eine Zustellung zum Wunschtermin für den Kunden immer wichtiger werden. Will man dies als Händler rentabel umsetzen, muss der Prozess automatisiert werden.

Die Lieferroboter kommen vom Start-up Starship Technologies aus Estland. Wie genau sieht die Zusammenarbeit zwischen MediaMarktSaturn und dem Start-up aus? Viele unserer Innovationsprojekte setzen wir gemeinsam mit Start-ups um. Das ist quasi eine unserer Kernkompetenzen. In diesem Fall waren wir Partner im Rahmen eines weltweiten Testprojekts von Starship – und zudem der einzige Partner aus dem Bereich Handel, zumindest in Deutschland. Operativ wurde der Pilot mit dem MediaMarkt in der Düsseldorfer Metrostraße durchgeführt. Dort haben wir mit dem angrenzenden Neubaugebiet Grafental optimale Voraussetzungen vorgefunden, um die Lieferung in einem klar definierten Testgebiet zu erproben.

Könnten Sie sich auch die Auslieferung mit Drohnen vorstellen? Unternehmen wie Amazon, DHL oder Domino’s machen ja bereits vor, wie es gehen kann. Unser großer Vorteil ist ja, dass wir in Europa und insbesondere in Deutschland durch die Vielzahl unserer Märkte sehr nah bei unseren Kunden sind. Von daher finde ich andere Arten der Lieferung im ersten Schritt naheliegender – in der Türkei zum Beispiel liefern wir per Motorrad aus. Grundsätzlich sind wir immer auf der Suche nach neuen Lösungen, um das Kundenerlebnis weiter zu verbessern.

Digital Marketing Days 2017


Die Bedeutung von Chatbots, Influencer Marketing, Retail Media, Virtual Reality und Content Marketing ist auch ein Schwerpunkt-Thema bei den Digital Marketing Days, die HORIZONT am 29. und 30. Juni 2017 in Berlin veranstaltet. Bei dem Pflicht-Termin für Digital-Entscheider diskutieren führende Branchenexperten wie Vanessa Bouwman (We Are Social), Jérôme Cochet (Zalando), Martin Wild (Media Markt Saturn), Peter Frolund (HTC Vive) und Ulrike Hefter (Nestlé) darüber, welche Rolle die neuen Disziplinen und Technologien im Marketing spielen und wo die Unternehmen dringend investieren sollten. Jetzt hier anmelden! 

Die Pizzakette Domino’s hat seit März denselben Lieferroboter von Starship Technologies im Einsatz - bald wohl auch in Hamburg. Ärgert Sie das, weil Ihnen dadurch ein Alleinstellungsmerkmal flöten geht? Der Roboter gehört ja nicht uns – sondern wir sind, wie die anderen Unternehmen, Kunden von Starship. In dieser Rolle sehe ich das sehr positiv – je mehr Fahrten der Lieferroboter für verschiedenste Kunden macht, umso besser wird er technisch.

Im Saturn-Markt in Ingolstadt setzen Sie seit Ende letzten Jahres den Roboter Paul für die Kundenbetreuung ein. Wie ist das Feedback der Kunden bislang? Unsere Kunden lieben Paul! Tatsächlich kommen täglich viele Kunden in den Saturn, nur um Paul einen Besuch abzustatten. Besonders Kinder gehen sehr ungezwungen mit Paul um.
Roboter Paul führt die Kunden zum gewünschten Produkt
Roboter Paul führt die Kunden zum gewünschten Produkt (Bild: Saturn)
Hat der Roboter Paul Ihrer Ansicht nach tatsächlich das Zeug dazu, sich im stationären Handel als Kundenbetreuungs-Tools durchzusetzen oder ist das eher ein lustiger PR-Gag? Das hängt vom Handelssegment ab. In der Nobel-Boutique oder beim Juwelier wäre die Bedienung durch einen Roboter eher eigenartig. Bei einem Consumer Electronics Händler hingegen ist sie mehr als sinnvoll. Wo, wenn nicht bei uns, findet sich technikaffine Kundschaft?

Im November kündigten Sie an, dass das Projekt mit Roboter Paul 6 Monate dauern soll. Welche konkreten Pläne gibt es nun? Wir sind mit den bisherigen Ergebnissen sehr zufrieden. Deswegen wird Paul auch nach dem Ablauf der sechs Monate weiterhin seinem Job im Saturn Markt Ingolstadt nachgehen. Gleichzeitig werden wir in den nächsten Monaten mit weiteren Robotermodellen verschiedene Anwendungsfälle ausprobieren, um zu sehen, wo und wie Roboter unsere Kunden und uns am besten unterstützen können.

Sie testen gerade mit Virtual Reality, Robotern und sogenannten smarten Regalen eine ganze Menge innovative Technologien am Point of Sale. Warum diese vielen technologischen Bemühungen? Multichannel hat sich als gewinnendes Modell für den Handel mit Consumer Electronics herausgestellt, weil wir damit das Beste aus beiden Welten (Online und Offline) verbinden können. Eine einfache Zahl: Rund jeder zweite Onlinekauf wird bei uns in einem Markt abgeholt. Dieses Erfolgsrezept wollen wir konsequent weiterentwickeln und aktiv die Zukunft des Handels gestalten. Wenn man das tut, dann muss man jede neue Technologie  auch auf ihre Tauglichkeit für den Handel abklopfen – sei es Virtual Reality, Augmented Reality, Chatbots oder auch das Internet of Things, das beim Smart Shelf zum Einsatz kommt.

Interview: Giuseppe Rondinella

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