Hansestadt Snapchat-Mutter bezieht ihren Deutschlandsitz in Hamburg

Freitag, 09. Juni 2017
Inspiration für die Hamburger Kollegen? So sieht das Snap-Headquarter in Los Angeles von Innen aus.
Inspiration für die Hamburger Kollegen? So sieht das Snap-Headquarter in Los Angeles von Innen aus.
© Snapchat

Die Spatzen pfiffen es schon länger von den Dächern. Nun ist es offiziell: Snap, der Mutterkonzern von Snapchat, wird seinen Deutschlandsitz in Hamburg aufbauen. Das bestätigte das Unternehmen gegenüber HORIZONT Online. Erstmals hat Snap zudem Nutzerzahlen für den deutschen Markt bekannt gegeben.
Wann genau die Deutschlandzentrale in Hamburg bezogen wird, dazu will sich Snap auf Nachfrage bislang noch nicht im Detail äußern. "In diesem Sommer", heißt es lediglich in einer Mitteilung. Im April kündigte das Unternehmen an, die Niederlassung hierzulande noch im 2. Quartal eröffnen zu wollen, also bis Ende dieses Monats. Auch wo genau in Hamburg der Snap-Sitz sein wird, ist bislang noch unbekannt. Hamburg ist traditionsgemäß eine der wichtigsten Medienstädte in Deutschland, in der unter anderem "Die Zeit", "Der Spiegel" und Gruner + Jahr ihren Sitz haben. Die unmittelbare Nähe zu den Verlagshäusern könnte Snapchat zu Gute kommen, da die App hierzulande derzeit auf der Suche nach weiteren Medienpartnern ist. Darüber hinaus entwickelt sich Hamburg zu einem deutschen Mekka für Tech-Riesen: Google und Facebook haben ihre Deutschlandzentrale ebenfalls an der Elbe eingerichtet.

Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg, freut sich über den Zuwachs aus der Tech-Welt: "Snapchat wird Hamburgs ausgeprägtes digitales Ökosystem bereichern. Ich bin mir sicher, dass das Team von Snapchat mit frischen Ideen, Lust und Leidenschaft dazu beitragen wird, die Zukunft des Inhaltegeschäfts von Hamburg aus neu zu denken und zu gestalten."

Snaps erste Deutschlandchefin Marianne Bullwinkel ist gerade dabei, das Team zu formen, mit dem sie das Hamburger Office beziehen wird. Erste Vorkehrungen wurden bereits getroffen. Während der deutsche Markt früher von den USA und Großbritannien aus mitbetreut wurde, gibt es hierzulande inzwischen Sales-Mitarbeiter, die die Werbe-Industrie von den Sponsored Lenses, Sponsored Geofilters und den anderen Werbeprodukten des Konzerns überzeugen sollen.

Snap beackert den deutschen Werbe- und Medienmarkt bereits seit einigen Monaten sehr intensiv. Seit Februar schalten einige deutsche Advertiser wie die Deutsche Bahn und die Bundeswehr Anzeigen, sogenannte Snap Ads, in der App. Vor sechs Wochen startete Snapchat die erste deutschsprachige Discover-Rubrik mit "Bild", Spiegel Online, Sky Sport und Vice. Zu guter Letzt machte das Unternehmen vergangene Woche die Kamera-Sonnebrille Spectacles hierzulande erstmals verfügbar.

Snapchat in Zahlen

Im Dezember 2016 hatte Snapchat täglich 158 Millionen Nutzer weltweit - davon 53 Millionen in Europa. Von den Nutzern kommen 60 Prozent aus den 10 größten Werbemärkten der Welt. Im Schnitt werden auf der Platform täglich 10 Milliarden Videos angeschaut und mehr als 2,5 Milliarden Snaps abgesetzt. Nutzer besuchen die App durchschnittlich 18 Mal am Tag und verbringen 25 bis 30 Minuten täglich mit Snapchat.Ein Drittel der Nutzer experimentiert täglich mit Lenses. Von den mit Geofiltern versehenen Snaps werden täglich mehr als eine Milliarde angeschaut.
Pluspunkte will das Unternehmen bei den Werbungtreibende außerdem mit dem Ad Manager sammeln, der für deutsche Kunden in den kommenden Tagen freigeschaltet werden soll. Bei dem Ad Manager handelt es sich um ein Tool aus dem Hause Snap, mit dem Werbungtreibende ihre Snapchat-Kampagnen selbständig managen und optimieren können. So erhalten sie etwa allerlei Informationen - etwa über Impressions oder Swipe-Ups - und können, falls nötig, nachjustieren. KPIs zu den drei Snap-Ad-Typen App-Install, Long-form-Video und Webview sind ebenfalls aufrufbar.

Und auch für die deutschen Nutzer hatte sich die vor allem in der jungen Zielgruppe populäre App immer wieder versucht aufzuhübschen und neue Features hinzugefügt. Beispielsweise die Funktion "Story Search", mit der Nutzer gezielt nach Inhalten in der App suchen können. Oder sogenannte "World Lenses", mit denen sich Bilder und Videos mit 3D-Inhalten verzieren lassen. Im Mai startete Snapchat schließlich die erste deutsche "Our Story". Dabei handelt es sich um ein Feature, bei dem Snapchat-Mitarbeiter Fotos und Videos von Nutzern aus aller Welt kuratieren und zu einer in der Regel orts- oder themenbezogenen Story zusammenfügen.

Mit dem Ergebnis, dass derzeit über fünf Millionen Deutsche Snapchat nutzen - davon sind 60 Prozent mindestens 18 Jahre alt. Diese Zahlen hat Snap nun erstmals bekannt gegeben. Zum Vergleich: Facebook hat aktuell 23 Millionen täglich aktive Nutzer in Deutschland. ron
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