#Everymillisecondcounts Wie ein deutsches Start-up Böhmermanns Satiriker-Projekt (für kurze Zeit) rettete

Freitag, 03. Februar 2017
Die Website war heute Vormittag down.
Die Website war heute Vormittag down.
© Screenshot

Gestern Abend meldete sich Jan Böhmermann mit dem europaweiten Satiriker-Projekt #everysecondcounts fulminant aus der Winterpause zurück. Nur: Heute Vormittag war die dafür eingerichtete Website stundenlang gar nicht aufrufbar. Ein deutsches Tech-Start-up nutzte diesen Fauxpas für ein wenig Eigenwerbung.

Seit gestern Abend knöpfen sich die Satiriker aus Europa in einem gemeinsamen Projekt den US-Präsidenten Donald Trump vor. In seiner Sendung "Neo Magazin Royale" hatte Jan Böhmermann
den niederländischen Viralhit der Satiresendung "Zondag met Lubach" aus der Vorwoche nicht nur adapitiert, sondern 
sich mit den Redaktionen von Late-Night-Shows aus ganz Europa vernetzt. Auf der Website everysecondcounts.eu werden alle Clips, die in den nächsten Tagen veröffentlicht werden, gesammelt.

Böhmermann Trump
Bild: Screenshot Youtube

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Das Problem ist, dass die Seite heute Vormittag wegen Server-Überlastung mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Kein Wunder, immerhin wurde die Aktion von den Satirikern mehr oder weniger europaweit zeitgleich kommuniziert, was anscheinend zu viel Traffic auslöste. Noch immer klagen einige Nutzer, dass die Seite nicht ansteuerbar ist.
Ein deutsches Technologie-Start-up reagierte daraufhin blitzschnell und nutzte die Situation für ein wenig Eigenwerbung. Baqend heißt das 2014 gegründete Unternehmen aus Hamburg, welches die überlastete Website schnurstracks kopierte und schnell eine passende URL registrierte: everymillisecondcounts.eu. Das Projekt war wieder online.
Bei Baqend handelt es sich um ein Spin-Off der Datenbankforschungsgruppe der Uni Hamburg, die von Professor Norbert Ritter geleitet wird. Die Gründer des Start-ups hatten an der Hochschule bereits viele Jahre Forschung in die zugrundeliegende Technik investiert und dabei ein völlig neues Forschungsgebiet etabliert. Hinter Baqend stecken neben drei Promotionsvorhaben dutzende wissenschaftliche Publikationen und Abschlussarbeiten.

Das Herzstück von Baqend: Ein Cloud-Service, der es ermöglicht, sofortladende Webseiten zu bauen. Baqend verwendet dabei vorhandene Zwischenspeicher – so genannte Caches, die sich überall auf der Welt befinden, um Daten dichter an Nutzern zu speichern. Bisher wurden Caches lediglich zum Speichern von unveränderlichen Inhalten wie beispielsweise Bildern verwendet. Die Ladezeiten seien auf diese Weise laut Unternehmen "am Optimum, auch bei großem Traffic".

Eine erfolgreiche Baqend-Anwendung ist beispielsweise der Online-Shop "Thinks.com". Das Start-up verkauft ein Sporthandtuch und war mit seinem Produkt vor Kurzem bei der Fernsehshow "Die Höhle der Löwen" zu sehen. Durch die Baqend-Technologie konnte die extreme Last von zeitweise über 45.000 gleichzeitig aktiven Benutzern leichter bewältigt werden.
Höhle der Löwen DMK
Bild: Getty Images / Maja Hitij

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Apropos "Höhle der Löwen": Die Gründer von Baqend waren erst vor wenigen Tagen Gast beim gleichnamigen Panel auf dem Deutschen Medienkongress in Frankfurt und pitchten ihre Business-Ideen vor erfahrenen Branchenvertretern. Dass es nicht leicht werden würde, die Jury zu überzeugen, mussten die jungen Unternehmer leidvoll erfahren: Baqend kassierte von den Löwen vier Mal eine Absage. Die Begründung: Das Start-up konnte weder wirtschaftliche Erfolgsaussichten noch ein wirkliches Alleinstellungsmerkmal vorlegen. ron

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