Alexa Wie Marken und Medien Amazons Sprachassistentin nutzen

Freitag, 17. März 2017
Amazon Echo wird seit Februar in Deutschland offiziell vertrieben.
Amazon Echo wird seit Februar in Deutschland offiziell vertrieben.
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Amazon Alexa BVDW Start-up


Seit Februar wird der smarte Lautsprecher Amazon Echo in Deutschland offiziell vertrieben. Dutzende deutsche Unternehmen haben eine Schnittstelle zur Sprachassistentin Alexa programmiert - und ziehen nach den ersten Wochen ein positives Fazit. Und das, obwohl die Nutzerzahlen noch überschaubar sind.

Die neue Technologie treibt manchmal bunte Blüten. Viele Besitzer eines Amazon-Echo-Gerätes in den USA staunten nicht schlecht, als die Sprachassistentin Alexa vor wenigen Tagen selbstständig auf unerwünschte Shoppingtour ging und im Netz haufenweise Puppenhäuser bestellte. Auslöser war ein Beitrag des US-Senders CW6, in dem darüber berichtet wurde, wie ein kleines Mädchen aus Versehen über Amazon Echo ein Puppenhäuschen kaufte. Dummerweise hört sich der Satz "Alexa ordered me a dollhouse" ziemlich genau so an, wie die Aufforderung "Alexa, order me a dollhouse!" Und genau das verstanden zahlreiche Echo-Geräte in den Zuschauer-Haushalten. Dumm gelaufen.

Das amüsante Puppenhaus-Malheur ist eines von vielen, die seit der Einführung des Lautsprechers in den USA vor zwei Jahren und hierzulande im Februar für Schlagzeilen sorgen. Doch Alexa kann einiges mehr. Dutzende Unternehmen haben für die offizielle Markteinführung eine Schnittstelle zu Echo programmiert und positionieren sich damit als Vorreiter und Innovationsführer in Sachen Voice Search. Deutsche Nutzer können mit Alexa beispielsweise Musik abspielen, Nachrichten konsumieren, Einkaufslisten verwalten oder ein Taxi ordern.

Viele deutsche Schnittstellen-Anbieter ziehen nach den ersten Wochen ein positives Fazit. Wie etwa die Taxi-App Mytaxi, die vor einigen Jahren bereits als erste ihrer Art eine Anwendung für die Apple Watch herausgebracht hatte. "Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, die Taxi-Bestellung so einfach wie möglich zu gestalten", sagt ein Sprecher des Unternehmens auf Nachfrage. Die Integration in Amazon Echo sei daher eine logische Weiterentwicklung gewesen. Die Taxi-Bestellung per Sprachbefehl stoße auf großes Interesse der Nutzer, teilt die Daimler-Tochter zudem mit, ohne jedoch genaue Zahlen zu nennen. "Wir verzeichnen täglich Bestellungen."
Amazon Echo
Bild: Amazon

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Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) werden bereits ein wenig konkreter. Etwa 8900 Mal wurde Alexa allein im Februar nach Fahrplanauskünften in der Hauptstadt gefragt. Zum Beispiel: "Wann fährt die nächste U2 von der Eberswalder Straße?" In den ersten fünf März-Tagen seien es über 3000 Anfragen von mehr als 500 Usern gewesen. "Das ist bisher nur eine kleine Anzahl von Nutzern", teilen die BVG mit, "aber sie wächst stetig."

Auch Medienhäuser haben Alexa als weiteren Kanal entdeckt. Wenn Nutzer nach den Nachrichten des Tages fragen, antwortet die Sprachassistentin mit den News von Tagesschau, Bild, Spiegel Online, n-tv oder Heise. Spiegel Online sei vor allem vom Erfolg des Lautsprechers in den USA in der Entscheidung bestärkt worden, diese Plattform auszuprobieren. Alexa liest seitdem die Zusammenfassungen der Top-News vor, die auch auf der Homepage stattfinden. "Das ist unser 'minimum viable product' für den Start", teilt das Medienhaus mit.
„Wir rechnen wir auch mit einer weiter steigenden Nutzung von smarten persönlichen Assistenzsystemen. Ein Trend, den niemand verschlafen darf!“
Alexander Britz, BVDW
Alexander Britz
Alexander Britz (Bild: BVDW)
Das Engagement der Unternehmen ist sinnvoll, glauben Branchenexperten. Smart-Home- oder Smart-Entertainment-Anwendungen werden laut Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) auch in Deutschland zunehmend genutzt, weil sich der Mehrwert für die User immer klarer herausschält. "Daher rechnen wir auch mit einer weiter steigenden Nutzung von smarten persönlichen Assistenzsystemen", sagt Alexander Britz, Vorsitzender des Forums Digitale Transformation und Internet of Things beim BVDW. "Ein Trend, den niemand verschlafen darf!"

Sven Schmiede, General Manager bei Sinner Schrader Swipe, ist zwar grundsätzlich ähnlicher Meinung (siehe Interview unten), formuliert sie aber ein wenig zurückhaltender: "Jedes Unternehmen, das sich in einem transformationalen Prozess befindet, tut gut daran, sich prüfend neuen Technologien oder neuer Software zu nähern – unabhängig davon, ob es sich um Sprachassistenten, Künstliche Intelligenz (KI) oder Ähnliches handelt."

Die Nutzer sind bei neuen Technologien aber offenbar weniger euphorisch. Einer aktuellen Studie des Marktforschers Hubspot zufolge ist ein Viertel der deutschen Verbraucher an KI-basierten Anwendungen wie Amazon Echo gar nicht interessiert. Nur 13 Prozent der Befragten zeigen sich "sehr interessiert". Bei den Amerikanern (37 Prozent), Briten (21 Prozent) und Lateinamerikanern (35 Prozent) ist dieser Wert sehr viel höher.

HORIZONT Online meets Alexa

Amazons digitale Sprachassistentin Alexa liest auch Horizont-Nachrichten vor. Echo-Besitzer müssen künftig nicht mehr an den Rechner oder ihr Smartphone in Gang setzen, um an die wichtigsten Nachrichten aus Marketing, Werbung, Medien und Tech heranzukommen. Der Sprachbefehl „Alexa, meine tägliche Zusammenfassung von Horizont“ genügt, und Alexa liest die wichtigsten Kurznachrichten vor. Horizont ist damit das erste Fachkommunikationsmedium, das diesen Service anbietet. Mittlerweile sind vor allen Dingen zahlreiche deutsche und internationale Publikumsmedien auf Amazon Echo verfügbar.
Ein weiteres Problem kommt hinzu, erklärt Mimi An, Marktforscherin bei Hubspot: "In unserer Stichprobe waren die deutschen, britischen und irischen Befragten am wenigsten mit ihren Sprachsuche-Ergebnissen zufrieden." Das liege wahrscheinlich daran, dass Spracherkennungssysteme Schwierigkeiten damit haben, Dialekte und Akzente zu verstehen – vor allem in Deutschland.

Weil die Erfahrungen vieler Schnittstellen-Anbieter dennoch überwiegend positiv ausfallen, erwägen nun viele von ihnen, weiter in diese Zukunftstechnologie zu investieren. Mytaxi plant nun ein Feature, mit dem Nutzer ein Taxi bis zu vier Tage im Voraus bestellen können. Das Start-up geht ohnehin davon aus, dass die Bedeutung von Apps zukünftig geringer werden wird. "Prinzipiell gibt es einen Trend hin zu neuen Schnittstellen für die Mensch-Computer-Interaktion", heißt es von Mytaxi. Deshalb bereite sich die App auf Wachstumsfelder wie Messenger-Bots oder Voice-Search-Anwendungen vor.
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Bild: Huawei

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Bei den BVG denkt man ähnlich. "Wir experimentieren mit verschiedenen Technologien und beobachten, wie unsere Kunden neue Services annehmen und was sie nachfragen", sagt ein Sprecher. Es sei nicht auszuschließen, dass Sprachassistenten dabei künftig eine größere Rolle spielen werden. Bei Spiegel Online wird derzeit über Breaking News für Echo oder andere Audio-Formate nachgedacht. ron

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