Benjamin Werner, Fischer-Appelt

Benjamin Werner, Fischer-Appelt

Web Summit Warum Tech-Konferenzen noch mehr in den Fokus deutscher Marken rücken sollten

Freitag, 03. November 2017
Am Montag startet der Web Summit 2017 in Lissabon. Mit 25 Konferenzen, mehr als 1.000 Speakern und über 60.000 Teilnehmern ist sie die größte und Technologie- und Marketing-Konferenz Europas. Benjamin Werner, Head of Group Marketing von Fischer-Appelt, gibt in seinem Gastbeitrag für HORIZONT Online einen Ausblick auf eine mögliche Agenda für deutsche Marketers.

Schaut man sich die Teilnehmerliste an, wird man nur sporadisch fündig auf der Suche nach Kollegen aus Berlin, Hamburg oder München. Von den vielen Ausstellern und Speakern kommt in diesem Jahr nur ein Bruchteil aus Deutschland. US-Amerikaner sind – wie zu erwarten – am häufigsten vertreten. Ein Hinweis darauf, dass im weltweiten Vergleich Deutschland in der Digitalisierung keine Rolle spielt? Ja und nein. Deutschland hat kein Silicon Valley, kein Digitalministerium, kein Wagniskapitalgesetz für Start-ups oder einen IoT-Standard. Es mangelt an politischen Weichenstellungen – aber nicht an Unternehmen, Köpfen, Business-Modellen und Transformationsprojekten, die auf die Web Summit oder auch eine SXSW in Austin gehören.

Diese Sichtbarkeit wäre aber ein wichtiger Beitrag zur Perzeption des "deutschen Digitalisierungsstandortes" und dazu eine große Positionierungschance für deutsche Tech-Unternehmen mit internationaler Agenda. Diese findet man in unseren Gefilden schließlich nicht nur in den Bereichen Supply-Chain-Digitalisierung, industrielle Produktion, Big Data oder Medizintechnik. All das hat das Potenzial zur Keynote-Speech auf den großen Event-Bühnen.

Deutsche Marketers könnten sich hier noch mehr an ihren amerikanischen Kollegen orientieren und die Chancen solcher weltweit bedeutender Tech- und Kreativ-Events, insbesondere auf europäischem Boden, stärker für die Vermarktung nutzen. Zumindest die deutsche Automobilindustrie spielt aber in Lissabon eine Rolle. So spricht Martin Hofmann, CIO der Volkswagen AG, in "One supercomputer to rule the roads" darüber, wie Volkswagen den Verkehr revolutionieren möchte. Auch BMW und Daimler geben Einblicke, welche Chancen die digitale Transformation ihren Marken bietet.

Neben der Zukunft der Mobilität bietet die Web Summit unter anderem Themen wie Augmented- und Virtual Reality, Artificial Intelligence, aber auch dem Kilmawandel, E-Sports und natürlich Content Marketing eine Plattform.

Diese 5 Sessions (unter ihnen auch eine "deutsche") sollte man nicht verpassen:

1.

"Marketing in 2018: What to expect?": – Die PandaConf zeigt, was in Zukunft geht.

Alle, die nach Antworten auf Fragen suchen, die die Welt des Marketings aktuell bereithält, werden bei der PandaConf fündig. Aha-Momente könnte es bei "Defining consumer behaviour in a post linear age" und „Marketing in 2018: What to expect?“ geben. Spannend dürfte es aber auch für viele bei "How I got 15 million followers in 15 months" werden. Wo ich persönlich auf keinen Fall fehlen möchte? "What is the agency of the future?" mit Anomaly Co-Founder Johnny Vulkan.

2.

"Every bit counts: Connecting an all-electric planet": – Cedrik Neike von Siemens rettet die Welt.

Eine der grundsätzlichen Fragen, die sich in den kommenden Tagen bei der Web Summit gestellt wird: Können neue Technologien dazu beitragen, den Klimawandel zu stoppen? In "Every bit counts: Connecting an all-electric planet" will Cedrik Neike, Vorstandsmitglied der Siemens AG zeigen, dass die Digitalisierung die Erde retten wird.

 

3.

"VR that blows your mind": Wann wird Virtual Reality endlich massentauglich?

Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR) werden bereits seit ein paar Jahren als heiße Marketingtools der Zukunft gehandelt. Doch wann ist VR endlich massentauglich? Die Session "VR that blows your mind" will genau diese Frage beantworten. Worauf ich mich persönlich freue: "Digital Storytelling: Key Frames, game engines and AI" mit Andrew Jones – dem Mann, der für die Visual Effects in Avatar und The Jungle Book verantwortlich ist und dafür zweimal den Academy Award abgeräumt hat.

 

4.

"E-Sports will be bigger than real sports in five years“: Warum alle ihr Werbebudget beim E-Sport verprassen sollten

E-Sports wächst rasant. Mittlerweile erreichen die Wettkämpfe ein weltweites Millionenpublikum. Dass sie deshalb aus Marketingsicht in den kommenden Jahren äußerst interessant werden könnten, ist mittlerweile auch in Deutschland angekommen. Wie es zu diesem Phänomen gekommen ist, erklären Profi-Gamer Andy Dinh und Bracken Darrell, CEO von Logitech, in der Session "E-Sports will be bigger than real sports in five years".

 

5.

Weniger "Messe" ist mehr: Menschen, Ideen und Altstadt-Flair

Wie auf der South by Southwest (SXSW) in Texas spielen kulturelle, gesellige oder inhaltliche Side-Events von Marken und Institutionen eine wichtige Rolle zur Vernetzung zum Ideenaustausch und natürlich zu Marketing-Zwecken. Ein Prinzip, das sich deutsche Großveranstaltungen wie die OMR oder die dmexco noch abschauen können. Die PubCrawl-Summit in der Lissaboner Altstadt ist nur eines von vielen Beispielen. Auf der Agenda stehen der Start-Up-Walk durch Lissabon genauso wieder wie der "MLOVE Salon Lisboa" mit dem deutschen Next Media Accelerator und Hamburg Start-ups sowie ein organisiertes Lunch-Date mit dem British Minister of State for Digital Matt Hancock, der zur Digitalstrategie Großbritanniens "before" und "after" Brexit spricht.

Sollten die Sessions und Speaker halten, was sie in ihren Ankündigungen versprechen, könnte die Web Summit nicht nur die größte, sondern auch die substanziellste Tech-Konferenz des Jahres werden. Die "deutschen" Pläne für #WebSummit2018 sollten in diesem Fall zügig starten.

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