Benjamin Werner, Fischer-Appelt

Benjamin Werner, Fischer-Appelt

Rückblick auf die Tech-Konferenz 5 abschließende Gedanken zum Web Summit in Lissabon

Freitag, 10. November 2017
Der Web Summit, die größte Technologie- und Marketing-Konferenz Europas, ist vorbei. Benjamin Werner war für HORIZONT Online vor Ort in Lissabon und blickt in seinem Gastbeitrag auf drei spannende Tage zurück. Der Head of Group Marketing von Fischer-Appelt mit fünf abschließenden Gedanken zu Marketing-Technologien.

1.

Spätestens nach dem Web Summit sollten die Marketingpläne für 2018 um ein Brand-Conversation-Projekt ergänzt werden

Es startete mit c:DIR, ging über in Click und mündete in Touch. Dem Thema KI-unterstützte Interface-Revolution und ihrer Auswirkungen auf Mensch, Maschine und Marke konnte man auf keiner der 20 Bühnen entgehen. Der meist gehörte Tipp: "Falls Sie die Web-, Mobile- oder Blockchain-Revolution verpasst haben, sollten sie jetzt auf 'Voice' springen. Wir sind am Tipping Point". Conversations sind die neuen Interfaces, sehr persönliche Conversations sind die neue User Experience mit großen Implikationen für das Marketing. So hörte man nicht nur auf den AWS-Bühnen (Amazon Web Services), sondern auch vom Amazon-CTO Werner Vogels persönlich und nicht ganz uneigennützig: "Brands need skills (für Alexa) now!" Wenn also Zeit und Geld für nur ein Marketing-Entwicklungsprojekt vorhanden sind, dann sollte es unbedingt ein Conversation-Projekt sein.

2.

2. Der Web-Summit-Mehrwert für Marketeers liegt nicht in Marketing-Panels

Die "PandaConference" als Marketing-Konferenz des Web Summit beschäftigte sich zu sehr mit der eigenen Verortung in der neuen Plattformwelt. Hier sprach man über die neue Rolle des CMO oder über das sich dynamisch wandelnde Regelwerk des "Advertising" und kam zu dem Schluss, dass die alten Metriken keine Gültigkeit mehr haben. Als Ergebnis zu wenig für eine Konferenzbühne, die sich "Redefining how we reach people" auf die Fahnen schrieb.

Viel spannender zeigten sich die Sub-Konferenzen mit Branchen- oder Disziplinfokus, wie die "MoneyConf", "HealthConf" oder die "Content Makers". So stellte Diane Tryneski, Chief Digital Officer von HBO, am letzten Konferenztag Mosaic vor, ein neues Serienformat, das über das Navigieren in der App multiple Perspektiven ermöglicht und so auch das Storytelling verändern könnte. Oder auch das viel beachtete Jauntin’, das in Kooperation mit dem Versicherungskonzern AIG ein On-Demand-Versicherungskonzept vorstellte, welches die Vermarktung von Versicherungsprodukten radikal verändern würde.

3.

Weil das Silicon-Valley-Monopol bröckelt, wird der europäische Web Summit noch wichtiger werden – auch für das deutsche Standortmarketing

Web-Summit-Panelisten waren sich weitestgehend einig: Europa holt im Feld der digitalen Geschäftsmodelle auf, auch dank weniger Regulierung und einem sich entwickelten Venture-Capital-Ökosystems. Positivbeispiele wie BlaBlaCar oder Spotify sind hoffentlich die Vorhut vieler skalierender Ideen auf dem "alten" Kontinent. Auch darum braucht Europa so ein international anerkanntes Eventformat im Technologie-Bereich als Gegengewicht zu den weiter dominierenden Märkten in den USA und China. Man hört, dass sich der Web Summit ab 2019 nach einem neuen Standort umsieht. Warum nicht Berlin?

4.

Deutsche Unternehmen müssen ihre Positionierungen auf dem internationalen Technologie-Parkett intensiver vermarkten

Die deutschen Automotive Brands zeigten auf dem Web Summit ihre Ambitionen in den Bereichen der nachhaltigen und konnektiven Mobilität. Dazu gehörten große Messestände und Panels, wie zum Beispiel das von Siemens-Vorstand Cedrik Neike mit dem Titel "Connecting an all-electric planet". T-Systems zog ebenso wie das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit seiner Digital Hub Initiative viele Besucher an seine Stände. Im Vergleich zur USA oder UK ist die deutsche Unternehmenspräsenz aber insgesamt gering.

5.

Deutsche Gründer machen auch im internationalen Vergleich Spaß und haben großes Vermarktungspotenzial

Die überwiegend amerikanischen Stars des Web Summit hießen Stephen Hawking, Wyclef Jean, Intel-CEO Brian Krzanich, Al Gore oder Jeff Holden, Chief Product Office bei Uber. Alexander Zosel hingegen kommt aus Karlsruhe und war mit "Volocopter" gleich auf zwei Panels vertreten, um u.a. mit Airbus über seine fliegenden Autos und die neue "Connected Mobility" zu sprechen. Christopher Foster präsentierte "Clark", eine App, die mit Hilfe von KI Usern den optimalen Versicherungsschutz zukommen lassen wollen. Und Uwe Tiegel gewann mit seinem internationalen MedTech sogar im großen Pitch-Finale die Auszeichnung "Best Startup at Web Summit" mit dem Produkt "Life in a box", dem weltweit kleinsten konnektiven Kühlschrank für den Transport von Medikamenten wie z.B. Insulin.

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