Giuseppe Rondinella

Giuseppe Rondinella

Keine Revolution Apple schließt mit dem iPhone X (mal wieder) nur zur Konkurrenz auf

Mittwoch, 13. September 2017
Wer von Apple eine Smartphone-Innovation erwartete, wurde bei der gestrigen Präsentation des iPhone X enttäuscht. Die meisten Neuheiten des Jubiläums-Gadgets – ein OLED-Display, randloses Design, induktives Aufladen – sind allesamt längst in den Smartphones der Wettbewerber verbaut und vielen Millionen Usern bereits vertraut. Apple schließt (mal wieder) nur zur Konkurrenz auf.
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"Wir verspüren nicht den Drang, die ersten sein zu müssen." Diesen Satz sagte Apple-Boss Tim Cook im Juni in einem Interview mit dem Finanzdienst Bloomberg. Apples Devise sei nicht zwingend, der Erste sein zu müssen sondern eher, das bessere Produkt zu bauen. Zwar galt diese Aussage dem smarten Lautsprecher Homepod, den das Unternehmen aus Cupertino nur eine Woche vor diesem Interview der Öffentlichkeit als Antwort auf Amazons längst im Markt etablierten Echo-Lautsprecher präsentierte. Doch sie könnte ebenso gut für das neue iPhone gelten, das gestern enthüllt wurde.

Denn die Neuheiten, die Apple seinem Jubiläums-Smartphone verpasst hat, sind zum größten Teil längst in den Geräten der Wettbewerber vorhanden. So bekommt das iPhone X erstmals ein Display, das mit der OLED-Technologie für bessere Farbwiedergabe ausgestattet ist. Samsung baut OLED-Displays bereits seit 2011 in seine Smartphones ein, der taiwanesische Konzern HTC sogar ein Jahr länger.

Erstmals setzt Apple zudem auf ein randloses Display ohne physischen Home-Button. Auch hier war der südkoreanische Erzfeind schneller am Werk, verpasste seinem neuen Flaggschiff Galaxy S8 bereits im April ein solches Design und verabschiedete sich von allen physischen Tasten auf der Vorderseite. Der Fingerabdruckscanner wanderte auf die Rückseite. Das LG V30 sowie das von Android-Erfinder Andy Rubin entwickelte und im August auf den Markt gebrachte Essential-Phone verfügen ebenfalls über ein randloses Display.

Das iPhone X ist darüber hinaus das erste iPhone, das induktiv aufgeladen werden kann, kommt also ohne lästige Ladekabel aus. Für Android-Nutzer ist dieses Feature jedoch kalter Kaffee. LG und Google (beide seit 2013) sowie Samsung (seit 2015) integrierten die Möglichkeit der induktiven Aufladung schon Jahre früher in ihre Smartphones. Apple hatte vor zwei Jahren zumindest schon mal seiner Apple Watch die Aufladung per Induktion ermöglicht.

Schon bei früheren iPhone-Modellen war der iKonzern mit neuen Features nur Nachzügler. Der Fingerabdrucksensor im iPhone 5S? Hatte Motorola schon zwei Jahre zuvor eingebaut. Ein wasserfestes Gehäuse im iPhone7? Hatten Sony und Samsung schon drei Jahre zuvor. Eine Dual-lens-Kamera für das iPhone 7? Hatten HTC, LG und Huawei schon zwei Jahre zuvor eingeführt.

Mit einem Feature aber setzt Apple beim iPhone X nichtsdestotrotz technische Maßstäbe. So können die Nutzer ihr neues Smartphone künftig mit der Hilfe einer innovativen 3D-Gesichtserkennung entsperren. Die Technologie erkennt ferner, ob der Nutzer auf das Display schaut oder nicht - unterdrückt also beispielsweise Signaltöne bei eingehenden Nachrichten, wenn der Nutzer ohnehin gerade auf den Bildschirm blickt. Eine solch smarte Technologie ist noch bei keinem anderen Smartphone-Hersteller zu finden.

Dennoch hat Apple mit seinem Jubiläums-Gadget keine Smartphone-Revolution angefacht. Die meisten neuen Features sind für Millionen Smartphone-Besitzer bereits seit Jahren alltäglich. Aber eben nicht für iPhone-User. Und deshalb wird sich das Apple-Telefon wahrscheinlich erneut sehr gut verkaufen. Trotz seines astronomischen Preises von 999 US-Dollar. ron

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