Tim Kolbe, Graft Brandlab

Tim Kolbe, Graft Brandlab

CES Wenn sogar Haarbürsten und Duschköpfe smart werden

Donnerstag, 05. Januar 2017
Heute hat die Elektronikmesse CES in Las Vegas offiziell ihre Tore geöffnet. Tim Kolbe, General Manager der Agentur Graft Brandlab, ist vor Ort und schildert in einer Gastbeitrags-Serie für HORIZONT Online seine Beobachtungen im Tech- und Digitalisierungsbereich. Zum Start der Messe hat es ihm das Thema Smart Home angetan, allem voran eine sogenannte "FridgeCam".

Smart Homing ist eines der dominierenden Themen auf der CES 2017 in Las Vegas. Hinter dem Begriff steckt aber weitaus mehr als die alleinige Vernetzung in Kombination mit Apps auf dem Smartphone oder Tablet. Die vorgestellten neuen Technologien nehmen Stimmen, Fingerabdrücke, Gesten und Mimiken der Verbraucher über integrierte Sensoren, Mikrofone und Kameras auf, durch die sich dann wiederum Haushaltsgeräte, Jalousien, Heizungen aber auch Fenster oder sogar die Haustür bedienen lassen.

Tim Kolbe

Tim Kolbe ist General Manager von Graft Brandlab - einer Agentur für Markeninnovation mit starkem Fokus auf räumliche Inszenierungen und Kreation von Markenerlebnissen. Seine Karriere als Marketing-Spezialist begann Kolbe bereits als Student bei Coca-Cola im Jahr 2004, wo er zuletzt das Shopper Marketing Department verantwortete. Seit September 2016 verstärkt Kolbe das Brandlab Team mit seiner Expertise rund um Off- und Online Trade zur konzeptionellen Entwicklung von verkaufsaktivierenden, erlebnisorientierten und vor allem zukunftsweisenden Marken und Store-Konzepten.
Unsere Wohnungen und Häuser werden in Zukunft noch vernetzter. Smarte Technologien werden benutzt, um Produkte neu zu definieren:

Die klassische Türklingel wird smart, indem ich sie selbst aus dem Urlaub bedienen kann und somit per Handy beispielsweise den DHL-Boten vom Strand aus das Paket in die Wohnung liefern lassen kann.

Sogar die Türklingel wird smart.
Sogar die Türklingel wird smart. (Bild: Kolbe)

Die Glühbirne wird smart, indem sie gleichzeitig mit Lautsprecher, WLAN Repeater oder Sicherheitskamera verbunden ist.
Auch die Glühbirne ist ans WLAN angeschlossen.
Auch die Glühbirne ist ans WLAN angeschlossen. (Bild: Kolbe)

Das Fenster wird smart, indem es seine Öffnung selbst reguliert - abhängig von der gewünschten Raumtemperatur und Luftqualität.
Velux verkauft smarte Fenster
Velux verkauft smarte Fenster (Bild: Kolbe)

Der Duschkopf wird smart, indem er den Wasserverbrauch beim Duschen überwacht und anhand von Farbspielen signalisiert, wann ich zu viel Wasser verbrauche.
Der smarte Duschkopf überwacht den Wasserverbrauch
Der smarte Duschkopf überwacht den Wasserverbrauch (Bild: Kolbe)

Der smarte Mülleimer unterstützt mich beim richtigen Recyceln, überwacht meinen Verbrauch und erstellt Einkaufslisten.
Sogar der Mülleimer wird durch die Applikation "Eugene" smarter.
Sogar der Mülleimer wird durch die Applikation "Eugene" smarter. (Bild: Kolbe)

Ja, und sogar die Haarbürste soll smart werden, indem sie meinen Haarwuchs und meine Haareigenschaften
analysiert und direkt auf meinem Handy auswertet.
Die intelligente Haarbürste überwacht den Haarwuchs.
Die intelligente Haarbürste überwacht den Haarwuchs. (Bild: Kolbe)
Als FMCG-Experte fasziniert mich auf der CES vor allem die Weiterentwicklung des smarten Kühlschranks zum Beispiel durch den Anbieter "FridgeCam". Mit dieser weiß ich zu jeder Zeit und unabhängig vom Ort, was sich in meinem Kühlschrank befindet. Das Gadget soll den Einkauf von Lebensmitteln vereinfachen, ihn effizienter und nachhaltiger gestalten. So erinnert mich die Funktion der Kamera automatisch auf meinem Handy daran, welche Lebensmittel ich in dieser Woche noch verwenden sollte, bevor deren Haltbarkeit abläuft. Zudem spricht der "Smart Chef" Empfehlungen aus, was sich heute Abend aus den bestehenden Produkten zaubern lässt.

Besonders spannend ist diese Kameratechnik natürlich für Handel und Industrie. Ganz sicher wird eine Smart-Fridge-Handy-App in Zukunft auch wissen, dass ich meine Milch in der Regel bei Rewe in der Müllerstrasse kaufe und erinnert mich daran, wenn ich gerade um die Ecke bin. Der smarte Kühlschrank kennt die Produkte, die sich Woche für Woche in ihm befinden und erstellt mir eine Einkaufsliste fürs Handy, sobald sie ausgehen.
Die FridgeCam gibt Auskunft über den Inhalt des Kühlschranks - ganz praktisch, wenn man unterwegs ist.
Die FridgeCam gibt Auskunft über den Inhalt des Kühlschranks - ganz praktisch, wenn man unterwegs ist. (Bild: Kolbe)
Gerade in Ländern, in denen der FMCG-E-Commerce bereits stärkere Bedeutung hat als in Deutschland, stelle ich dem smarten Kühlschrank auch spannende Kooperationen mit Partnern wie etwa Amazon Fresh in Aussicht. So wandert die verbrauchte Butter gleich in den digitalen Einkaufswagen, ohne dass ich überhaupt noch einen Dash-Button drücken muss.

Samsung stellt auf der CES als großer Player auch bereits seine ersten Produkte in diesem Segment vor. Neben dem Thema Food Management (Erstellung von Einkaufslisten, Rezepten etc.) dient der Kühlschrank hier noch zusätzlich als interaktive Plattform, die mich morgens mit News, dem Wetter und meiner Lieblingsmusik unterhält und meine morgendlichen Gedanken und To-Dos für mich aufnimmt.

Er soll sogar das Familienleben optimieren, indem der Kühlschrank auch unseren täglichen Terminkalender pflegt und Vorschläge unterbreitet, was die Familie am Wochenende unternehmen könnte. Samsung erklärt zudem, dass man bei allem Stromverbrauch für die digitalen Eigenschaften trotzdem auch nachhaltig ist. Denn durch die Videofunktion, mit der ich von außen in den Kühlschrank gucken kann, spare ich ja Strom, indem ich weniger oft den Kühlschrank öffnen muss. Na dann… die Umwelt dankt.
Der Kühlschrank von Samsung dient als interaktive Plattform.
Der Kühlschrank von Samsung dient als interaktive Plattform. (Bild: Kolbe)
Wie so vieles auf der CES fühlt sich auch der smarte Kühlschrank noch nach visionärer Zukunftsmusik an. Spätestens jedoch mit der Ausweitung des FMCG-E-Commerce wird dieses Geschäftsfeld garantiert von Handel als auch von Industrie heiß umkämpft werden. Nicht zuletzt auch aufgrund der begehrten Daten, die sich hinter diesen Business-Modellen verstecken.

Der Grundgedanke der im Smart Fridge steckt ("know what you have in, even when you’re out") könnte auch spannend für andere Industrien sein. Denken wir zum Beispiel an den smarten Kleiderschrank, der mich beim Shopping daran erinnert, dass ich ja ach so dringend wieder einmal ein paar neue Socken bräuchte oder mir im Laden zeigt, mit welchen Kleidungsstücken ich das neu entdeckte Hemd kombinieren könnte.

Es steht außer Frage: Smarte Einrichtungen und Geräte für den Haushalt sind auf dem Vormarsch und versprechen eine Ersparnis von Zeit und Geld. Spätestens dann, wenn sich der höchst relevante Nachhaltigkeitsaspekt verwirklichen lässt (man denke daran, wie viel man über das Jahr wegwirft, auch weil es oft an Ideen für effiziente Verwendung mangelt).

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