Giuseppe Rondinella

Giuseppe Rondinella

HomePod Warum Apple auch als Spätzünder punkten könnte

Mittwoch, 07. Juni 2017
HomePod heißt nun also das Gerät, mit dem Apple die nächste Revolution anstoßen will. Doch anders als beim iPod oder iPhone, die einst die Musik- beziehungsweise Smartphone-Industrie auf den Kopf stellten, findet sich der iKonzern nun in der Rolle des Nachzüglers wieder. Aus dem Pionier ist ein Spätzünder geworden. Dennoch sollte man Apple nicht vorschnell abschreiben.
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Es war der 23. Oktober 2001, als CEO Steve Jobs mit der ersten Generation des iPods ein Produkt vorstellte, das die Musikindustrie bekanntlich revolutioniert hat und den Grundstein für den Aufstieg Apples zu einem der wertvollsten Unternehmen der Welt legte. Auch wenn sich das Gerät mittlerweile überlebt hat: Das Gadget genießt nach wie vor Kult-Charakter. Auf der Entwicklerkonferenz WWDC stellte das Unternehmen aus Cupertino nun den smarten Lautsprecher HomePod vor. Die erste Hardware-Neuheit seit der Apple-Watch trägt den Namen vermutlich nicht durch Zufall. Mit dem Gadget verspricht sich der Konzern nämlich einen ähnlichen Impact wie damals vor 16 Jahren mit dem Musikplayer. Man habe mit dem iPod die Musik in der Hosentasche neu erfunden, sagte Apple-Vize Phil Schiller am Montag auf der WWDC-Bühne. Mit HomePod werde man die Musiknutzung zu Hause revolutionieren.
HomePod
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Anders als beim iPod ist Apple nun aber Nachzügler statt Pionier. Auf dem Programm steht Aufholjagd statt Markteröffnung. Amazon hat mit "Echo" und der darin integrierten Künstlichen Intelligenz Alexa bereits seit 2014 einen (äußerst erfolgreichen) smarten Lautsprecher auf dem Markt, seit Herbst 2016 auch hierzulande. Das Pendant aus Mountain View, Google Home, ist seit vergangenem Jahr zu haben, wenn auch noch nicht in Deutschland.

Der HomePod kommt also spät, vielleicht zu spät. Schon jetzt teilen sich Amazon und Google den US-Markt nahezu alleine auf. Eine aktuelle Studie von E-Marketer hatte erst kürzlich gezeigt, dass Amazon mit 70 und Google mit 24 Prozent des Marktes quasi ein Duopol für smarte Lautsprecher bilden. Medienberichten zufolge will allein Amazon in diesem Jahr zehn Millionen Echo-Geräte verkauft haben. Den verbleibenden Kuchen teilen sich kleinere Player wie Lenovo, LG und Harman Kardon auf.

Auf den ersten Blick ist nicht ersichtlich, warum der HomePod an der Marktmacht von Amazon und Google rütteln könnte. Denn das rund 18 Zentimeter hohe Apple-Gadget unterscheidet sich in seinen Funktionen nicht sonderlich von der Konkurrenz. Es kann mit sechs im Kreis angeordneten Mikrophonen genau wie Amazon Echo Sprachbefehle aus allen Richtungen und aus mehreren Metern Entfernung aufnehmen - und ist überdies mit 349 Dollar fast doppelt so teuer wie der Konkurrent aus Seattle. Der Lautsprecher spielt unter anderem Musik, die Nachrichten und die Wettervorhersage ab. Nichts ungewöhnliches.

Es gibt jedoch auch Argumente dafür, dass Apple selbst als Spätzünder mit dem HomePod erfolgreich sein könnte. Eines davon: die Soundqualität. Vor allem Musik-Fans dürften das Gerät den anderen Produkten vorziehen, weil es beispielsweise über eine Technologie verfügt, die den Raum scannt und die Tonwiedergabe den Reflexionen im Raum automatisch anpasst. Amazon und Google verkauften zwar smarte Geräte, böten aber nur eine mittelmäßige Soundqualität, so Schiller.

Und ein zweites Argument spricht für den iKonzern: das Design. Anders als die Geräte von Amazon und Google kommt der Lautsprecher des iKonzerns nämlich weniger funktional daher, sondern schließt mit seinem klaren, puristischen Design an die Optik vorheriger Geräte des Unternehmens an. Für Apple-Fans war dieses Argument bereits vor 16 Jahren beim iPod kaufentscheidend. ron
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