Spießer Alfons
Kreuzfahrt: Werber im Luxus entspannt
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Als Vernel, der Weichspüler, auf den Markt kam, da kam die Einführungswerbung von Verclas + Böltz, einer ehemaligen Werbeagentur in Hamburg, die zu ihrer Zeit zu den angesagten Adressen in der deutschen Agenturszene galt. Und Verclas + Böltz, die zuvor bereits das Waschmittel Fakt gelauncht hatte genauso wie den Haushaltsreiniger Der General, diese Agentur war keine Softselling-Agency, sondern V + B verstand sich mehr aufs werbliche Hardselling. Und noch heute hat der Spießer beim Anblick von Vernel den Jingle im Ohr: „Oleander – Lavendel – Jasmin – Vernel!“ Diese floristische Darbietung brachte eine Frische in die Nase, die es seitdem nicht mehr gegeben hat. Jedenfalls nicht in der Werbung für Vernel.Und heute? Heute empfiehlt uns auch Henkel, dass wir etwas entdecken sollen, und zwar: „Entdecke Vernel“ ohne Ausrufezeichen. Und als Benefit wird offeriert: „Mehr Frische-Perlen für ein intensives Frische-Erlebnis.“Da capo, weil’s so unglaublich klingt: „Mehr Frische-Perlen für ein intensives Frische-Erlebnis.“ Und dieser frische Flachsinn wird noch verstärkt mit einem Label auf der Flasche, wo uns vorgerechnet wird: „100% mehr Frische-Perlen“. Was meint: Waren dort bislang nur 11 Frische- Perlen in der Flasche, so sind es nun 22 frische Perlen. Oder schwammen bisher 796 Perlen in der Vernel-Pulle, dann können wir jetzt 1592 Frische-Perlen zählen. Ja, und wozu sind diese Frische-Perlen da? Die Antwort von Henkel: „Für intensive Frische und ein spürbar weiches Gefühl auf der Haut.“Damit ergibt sich beim spießigen Werbeweichspüler im Umkehrschluss die Folgerung: Bis dato war die Frische von Vernel nicht so intensiv. Und das weiche Gefühl auf der Haut war vordem nur halbwegs spürbar.
Wenn der Konsument vor einer Plakatwand steht, dann steht er damit auch vor einer Frage, die wie folgt lautet: „Welcher Lutschtyp bist du?“Mal abgesehen davon, dass hier ein plumpes „Du“ in der Anrede das höfliche „Sie“ verdrängt, obwohl sich die Ansprache eher an erwachsene Personen und weniger an Kinder richtet, so würde Alfons das „Du“ in diesem Fall großschreiben, weil das persönlicher erscheint.Außerdem können wir froh sein, dass hier Hustenbonbons verkauft werden sollen und keine Salbe gegen Herpes-Blasen, weil der Texter dann womöglich etwas Diesbezügliches gedichtet hätte.Nun geht es also ums Lutschen mit der Aufforderung: „Pulmoll es aus!“ und dem Hinweis auf eine www.page im Internet, die alle Männer jetzt anklicken werden in der Hoffnung, dort ihren Lutschtyp zu finden.Und wie schrieb doch schon der berühmte Dichter Nebel? Er schrieb:Bei Husten und bei Heiserkeit
lutscht man Pulmoll, weil das befreit.
Auch nimmt ein Löffel Hustensaft
dem bösen Husten seine Kraft.
Und ist derselbe dann noch da,
schluckt anti man Biotika.
Ganz anders tun’s die Werbeleut’,
weil die der Husten echt erfreut:
Sie lutschen dann an ihrem Finger
und saugen raus so geile Dinger
wie Lutschen typisch nur zum Spass –
und husten plakativ uns was.
[1] [2]
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