Spießer Alfons
„Frauen dieser Erde“: zum Abschminken!
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Während Alfons in der Bahn saß, um von der Elbe an den Main zu gelangen, da las er im Bahn-Magazin „mobil“ eine Bahn-Anzeige, überschrieben: „Einfach einsteigen – flexibel und spontan.“ Und genau das hätte der Spießer zuvor auch tun können, tat es aber nicht.Auf dem Wagenstandsanzeiger der Bahn in Hamburg waren nämlich die Wagen des Zuges so verzeichnet, wie sie auf dem Gleise nicht standen. Statt dass der Spießer zwecks Einnahme seines reservierten Platzes vorn einsteigen musste, sollte er das laut Ansage aus dem Lautsprecher nun hinten tun.Besagte Ansage kam aber erst, nachdem Alfons bereits ganz nach vorn marschiert war. Und bei einem ICE ist der Weg auf dem belebten Bahnsteig schon beträchtlich. Aber genau das meint die Bahn offenbar mit „Einfach einsteigen – flexibel und spontan“, denn natürlich hätte der Spießer auch vorn einsteigen können, um dann samt Koffer durch den ganzen Zug nach hinten zu latschen.Der Fall wäre jedoch nicht sonderlich erwähnenswert, wenn er sich nicht bereits wiederholt hätte. Denn schon im Monat zuvor war der Wagenstand genauso konträr zur Anzeige auf der Tafel. Womit sich die Frage des Spießers an die Bahn stellt: Auf die Idee, den Aushang zu verändern, ist wohl noch kein Rotkäppchen gekommen, oder ...?
Alfons las eine Botschaft von Innéov, wo versprochen wird: „Sie können im Jahr bis zu 35000 Haare verlieren.“ Der spießige Anzeigenleser fasste sich an den eigenen Kopf, erkannte dann aber im Bilde der Annonce: Das betrifft ja nur Frauen, die durch „Stress, Hormonschwankungen, Alterung“ an Haarausfall leiden. 35000 verlorene Haare – da rennt die erschreckte Annoncen-Leserin doch spontan los, um Hilfe zu holen, nämlich Innéov, das Düngemittel für die Haarzwiebeln.Natürlich kann eine Frau in jedem Jahr bis zu 35000 Haare verlieren. Und weil auf dem weiblichen Kopf im Durchschnitt 80000 bis 100000 Haare wachsen, hätte die Frau nach drei Jahren auf ihrem Kopf nichts mehr zu fönen. Das jedenfalls wird mit der Headline in der betreffenden Annonce suggeriert.Doch über diese Aussage muss Eva sich keine grauen Haare wachsen lassen. Denn Haarausfall bedeutet Haarwechsel – was man ja auch von seinen Haustieren kennt. Normalerweise wächst dort, wo ein Haar ausfällt, auch ein neues. Und in medizinischen Fachbüchern ist vermerkt, dass ein täglicher Ausfall von 100 Haaren durchaus normal ist. Macht bei 365 Tagen im Jahr 36500 Stück. Das hat nicht unbedingt etwas mit Stress zu tun oder mit Hormonschwankungen oder Alterung. So gesehen hätte die Headline der Anzeige lauten müssen: „Sie können im Jahr bis zu 35000 Haare verlieren, ohne dass Sie sich darüber Sorgen machen müssen.“ Doch dieser Text war den Gestaltern der Annonce vermutlich zu lang.Sei’s drum, hier kommt ein Trostwort des Spießers für alle Frauen, die sich nach der Schockmeldung von Innéov die Haare raufen: Liebe Evastöchter, Ihr könnt im Jahr auch bis zu 32 Zähne verlieren. Und Ihr könnt Euren Partner genauso verlieren wie Eure beste Freundin. Außerdem könnt Ihr Eure Handtasche verlieren, Euer Geld und die Contenance. Letzteres passiert zum Beispiel dann, wenn die Werbung mit Horror-Geschichten ein imaginäres Bild des Schreckens malt.Spießer Alfons empfiehlt: Lest keine Werbung, wo Euch angedeutet wird, dass Ihr Verluste erleidet, wenn Ihr ein Produkt nicht kauft! Einzige Ausnahme: Wenn die Werbung verspricht, dass Ihr überflüssige Pfunde verlieren könnt, dann solltet Ihr zumindest darüber nachdenken!
Und noch was Wichtiges: Auch in diesem Jahr ist der Spießer wieder buchbar für Live-Vorträge. Dabei braucht es sich nicht unbedingt um Fachpublikum zu handeln, denn Alfons spricht auch vor dem gemeinen Konsumenten darüber, was in der Werbung so veröffentlicht wird und wie man das als Otto Normalverbraucher (miss)verstehen kann. Das ist (real)satirische Comedy – versprochen! Direktkontakt: literazzia@googlemail.com.
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