Spießer Alfons
Wenn die Werber ihre Blößen zeigen
Zwei alte Werberegeln: 1. Sex sells. 2. Die Verpackung wickelt nicht nur die Ware ein, sondern auch den Kunden!
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23.01.2008
Alfons will nicht fragen, wie hoch das Honorar ist, das die Kölner Agentur PP&A an Monsieur Belmondo für die werbliche Nutzung seines Namens überwiesen hat, oder ob es sich bei dem Zitat womöglich um ein werbliches Zappzarapp handelt...
...sondern Alfons stellt wieder einmal fest: Sex in der Werbung wirkt. Entblöße eine Frau, und zwei Handbreit unterm Nabel des Mannes regt sich was! Beweis: Die Leser vom Grünen Blatt wählten die Annonce auf Platz 3 der "Erotic Ads". (Die Werke auf Platz 1 und 2 hat Spießer Alfons bereits aufgespießt.) Demzufolge werden Adams Söhne jetzt sofort losrennen, um die geilen Dessous von Alessandro zu erwerben.
Aber halt, verehrte Leser – hier geht es doch um Leserinnen! Und auch gar nicht um Dessous, sondern um – jawohl: "Haute Couture für Ihre Nägel"! Womit die Nägel der Frau gemeint sind und nicht die Nägel des Mannes oder gar die vom Art Director’s Club! Was die "Haute Couture" der Fingernägel allerdings mit der gezeigten Verpackung zu tun hat, wissen allein die Annoncengestalter. Weshalb Alfons hierüber mit der Toilettenfrau von besagter Werbeagentur gesprochen und erfahren hat: Die ersten Entwürfe zu dieser Anzeige hatten nur die Hände des Models gezeigt. Bei der Foto-Session, wo viel Prosecco geflossen ist, kamen die Kreativen (= maskulin) dann jedoch peu à peu auf andere Gedanken; und man reduzierte die Frau nicht allein auf ihre Hände, sondern auf den kompletten Unterleib.
Wie sagte doch Dichter Nebel so treffend? Er sagte: "Solange ihr Nagellack noch nicht getrocknet ist, ist eine Frau wehrlos. Danach aber zeigt sie ihre Krallen!" Eine Frau liegt einer Frau zu Füßen. Der Werbetext lautet: "Sergio Rossi" – siehe die Abbildung!
Das sagt alles. Nämlich: Frauen sind Schuh-Fetischistinnen. Und kaufen ihre Pumps bevorzugt auf der schönen griechischen Insel Lesbos. Werbung kann nicht nur dafür, sondern auch dagegen sein. Zum Beispiel für Kondome und gegen Aids. Dazu zwei Anzeigen: Auf der einen Seite eine Nackte. Mit einem englischen Text. In einer deutschen Zeitschrift. Wen das Bild reizt – vornehmlich den männlichen Leser – der erfährt, dass er beim Kauf von "Viva Glam Lipstick and Lippgliss" einen "M.A.C.AIDS FUND" unterstützt, und zwar mit "every Cent" – siehe die Abbildung!
Auf der anderen Anzeigenseite liest man: "Fantastisch, meine Feigwarzen." Und am Fuße das Logo: "Gib Aids keine Chance" – siehe die untere Abbildung! Im Kleingedruckten erfährt der Leser, dass Aids schlimmer ist als Feigwarzen. Womit die Werber wieder mal das gemacht haben, was Spießer Alfons schon häufig kritisiert hat: Sie gehen nicht den direkten, sondern einen Umweg. Weil das mit den Feigwarzen kreativer ist als direkt zu schreiben: "Aids ist grausam. Aids ist unheilbar. Schütze Dein Leben mit Kondom!"
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