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04.10.2012
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Spießer Alfons
Werbung, die echt für’n Arsch ist

In der Werbung spielt der USP des Produktes eine wichtige Rolle. Wie schaut es diesbezüglich bei der Rolle aus, die in unserem stillen Örtchen hängt ...?

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04.10.2012

Werbung zu machen für Toilettenpapier ist ein wahrer Scheißjob. Weil es keinen USP mehr gibt. Denn über Toilettenpapier ist schon über Jahrzehnte lang alles gesagt worden, was es zu sagen gab und gibt. Zuerst hatten wir Krepppapier, das perforiert war. Später dann kam Tissue dazu. Erst ein-, dann zwei-, dann dreilagig. Und inzwischen sind die Rollen bereits mit vierter und fünfter Lage erhältlich. Vermutlich wird auch schon die sechste Lage getestet von irgendwelchen Arschlöchern.
Eine Anzeige für kleine Königstiger, die nach ihrem tiersischen Geschäft die Palme hochgehen müssen!

Eine Anzeige für kleine Königstiger, die nach ihrem tiersischen Geschäft die Palme hochgehen müssen!

Das heutige Klopapier ist weich und zart und flauschig – bei allen Marken und Produkten. Und es gibt recyceltes Papier. (Nein, nicht recyceltes Toilettenpapier, sondern das Klopapier stammt von recycelten Tageszeitungen!) Und es gibt Papier in vielen Farben, geprägtes und bedruckt mit Ornamenten, Witzen oder Rätseln. Auch parfümiertes WC-Papier kennen wir, genauso wie antibakteriell behandeltes. Und mit Aloe Vera angereichertes und mit Kamille und und und.
Das Produkt in seiner tatsächlichen Anwendung lässt sich indes nur schwerlich in den Bildern der Werbung darstellen, da das dem Konsumenten wohl stinken würde. Und ein nackter Hintern, vor Jahrzehnten noch der Hingucker in der Werbung von Hakle, der wirft heute keinen Konsumenten mehr von seinem Thron.
Aber kommen wir zu Zewa Soft. Das ist das Klopapier für kleine Königstiger, weshalb ein solcher auch als Maskottchen in der Werbung auftritt. Und weil Zewa sein Toilettenpapier in noch mehr stille Örtchen bringen will, macht der Hersteller dafür laute Werbung, die dem Spießer aufgefallen ist. Denn siehe dort: Die kreativen Werber haben sich dafür doch tatsächlich etwas Besonderes für ihr Toilettenpapier einfallen lassen, nämlich:
Zewa Soft, „das verwöhnsichere“ Klopapier, ist nicht nur „traumhaft weich“ und dazu „bezaubernd exotisch“, sondern: „Das sanfteste Zewa Soft“ ist „jetzt in der Limited Edition Blaue Lagune“ erhältlich.
Donni, donni aber auch, entfährt es dazu dem Spießer!
Was traumhaft weich bedeutet, wissen wir: Weiches, von dem man nur träumen kann – besonders nach hartem Stuhlgang. Was aber ist „bezaubernd exotisch“? Die Vokabel „bezaubernd“ hat so viele Synonyme, dass der Spießer damit seine Seite füllen könnte. Mit einem Wort gesagt: umwerfend. Und „exotisch“? Exotisch bezeichnet Gegenstände, die wir als besonders fremd wahrnehmen, und die uns sonderbar vorkommen. Zauberhaft exotisches Klopapier – das könnte zum Beispiel aus echtem Papyrus stammen, versehen mit einem ägyptischen Wasserzeichen. Oder es könnte sich um Klopapier handeln, bei dem wir die einzelnen Blätter doppelseitig benutzen können.
Und dann die „Limited Edition Blaue Lagune“: Wir sehen den kleinen Königstiger in so einer Lagune am Strand liegen. Und das bezaubernd exotische Zewa Soft hängt an einer Palme, und zwar hoch droben! Das bedeutet: Wenn der kleine Königstiger nach seinem großen Geschäft nicht die Palme hochgeht, dann geht er eben ins Meer zwecks Reinigungsvorgang.
Spießiges Fazit: Da das sanfteste Zewa in der Limited Edition jetzt in der Blauen Lagune erhältlich ist, der Werbungtreibende aber nicht anzeigt, wie man zu dieser Lagune kommt, muss Spießer Alfons weiterhin mit der „Bild“-Zeitung auf die Toilette gehen. Immerhin erscheint die ja auch täglich in einer Limited Edition.

Seit wann sind natürliche Perlen weiß ...?! 

Seit wann sind natürliche Perlen weiß ...?!

Geheimnisvolle Werbung: Wir sehen in einer Anzeige von Blend-a-med eine junge Dame. Das ist Dominique, und sie fordert uns auf: „Entdecken auch Sie mein Beauty Geheimnis – die neue blend-a-med 3D White Luxe mit natürlichem Perlenextrakt.“ Danach folgt die Angabe: „Offizieller Partner von Germany’s next topmodel“.
Frage: Ist Dominique tatsächlich „Germany’s next topmodel“ geworden – oder womöglich nur Drittplatzierte, weil sie damals noch nicht ihr Beauty-Geheimnis entdeckt hatte und hässliche Beläge ihre Zähne verunziert hatten ...?
Aber kommen wir zur Headline der Anzeige, die da lautet: „Für aufregend perlenweisse (korrekt: weiße) Zähne schon in den ersten 2 Wochen“. Was bedeutet das: „in den ersten 2 Wochen“? Heißt das schon mit dem 1. Tag? Oder erst nach dem 13. Tag ...? Und wenn die Zähne dann aufregend perlenweiß sind: Muss man dann weiterhin Blend-a-med 3D White Luxe verwenden, oder genügt dann auch das normale Blend-a-med classic ...?
Ach, und noch eine spießige Frage: Was haben wir unter „natürlichem Perlenextrakt“ zu verstehen? Natürliche Perlen entstehen in einer Muschel ohne Einwirkung einer menschlichen Hand und sind ziemlich teuer. Und ein „Extrakt“ ist der Auszug bzw. die Lösung eines Wirkstoffes aus einem Stoffgemisch. Also werden für Blend-a-med 3D White Luxe echte Perlen zerkleinert, um daraus einen Wirkstoff zum Zähneputzen zu gewinnen...?
Gegen einen Werbetexter, liebe Lesergemeinde, war der alte Baron von Münchhausen geradezu ein Wahrheitsfanatiker.

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