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06.10.2010
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Spießer Alfons
Schlechte Werbung hat durchaus ihren Reiz ...

... und zwar Brechreiz. Denn schlechte Werbung ist schlechter als gar keine Werbung. Weil schlechte Werbung eine Veruntreuung von Firmengeldern ist!

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06.10.2010

So spannend wie ein Fliegenschiss! 

So spannend wie ein Fliegenschiss!

In einem Nachrichtenmagazin sehen wir eine Seite, auf der ein schwarzes Feld gedruckt ist. Dazu Texte in winzigen Buchstaben. In dem schwarzen Feld ist eine dünne Linie zu sehen, die den Kondensstreifen eines Flugzeugs darstellt. Und am Fuße der Seite ist gedruckt: „Wir werden nicht ruhen UBS.“
Nur ein Spießer wie Alfons beachtet so ein Inserat, während der Großteil der Leserschaft diese Seite im Handumdrehen überblättert. Somit werden die meisten Leute nicht wahrnehmen, was über dem schwarzen Viereck steht, nämlich: „Chuck Yeager wollte nicht ruhen, bis er die Schallmauer durchbrochen hatte. Ebenso wenig wie die Konstrukteure der Bell XS-1 (Kalifornien, 1947.)“ Und dann geht der Text weiter: „Bis Sie sehen, dass wir eine klare Linie gezogen haben.“
Hä...? Pilot und Konstrukteure wollten bis zum Durchbruch der Schallmauer nicht ruhen, bis der Anzeigenleser sieht, dass UBS eine klare Linie gezogen hat ...?
Und was soll das für eine „klare Linie“ sein? Vielleicht eine Fluglinie wie abgebildet? Mühsam entziffert der Spießer das graue Kleingedruckte, welches da lautet: „Eine Linie, die alles verändert. Die neue Standards setzt. Die mit Akribie auf die
Vergangenheit schaut. Und mit Zuversicht in die Zukunft blickt. Bis Sie sehen, dass das, was zu ändern war, geändert wurde. Und das, was gut war, immer noch gut ist. Wenn nicht besser. Bis Sie sehen, dass wir weiter daran arbeiten. Dinge weiter verbessern. Besonnen und durchdacht. Mit Intensität und äußerster Klarheit. Bis Sie überzeugt sind bei der richtigen Bank zu sein, dürfen Sie sich auf eines verlassen: Wir werden nicht ruhen UBS.“
Eine Linie, die auf die Vergangenheit schaut und in die Zukunft blickt. Selten hat der Spießer einen solchen Schmarren gelesen. Und das steht in einer Anzeige, die so billig in ihrer Schaltung nicht gewesen ist. Die Agentur, die das verbrochen hat, muss entweder ein sehr dickes Konto bei der UBS-Bank haben, oder sie hat eins zu eins das umgesetzt, was der Kundenberater aus Sprachfetzen im Meeting mit den Bankern herausgehört haben will.
Und Letztere lesen ja bekanntlich nur Bilanzen und keine Werbetexte.
Und die UBS wird nicht ruhen? Dann sollten sie sich mal erheben, die Schweizer Geldhändler, und ihre Anzeigen so gestalten, dass der Inhalt wenigstens halbwegs Sinn macht!

So bunt, dass es dem Leser zu bunt wird! 

So bunt, dass es dem Leser zu bunt wird!

Ein anderer Inserent ist kaum erkennbar, denn sein Logo verschwindet im Gewusel von Farben. Aber wenn man genau hinschaut, erkennt man: IBM. Und weil IBM anzeigt: „Es ist Zeit, intelligente Fragen zu stellen“, versucht der Spießer, ein Solches zu tun, und fragt: Was soll der Mist? Allein die Überzeile: „Strategien für einen smarten Planeten“ deutet darauf hin, dass die Anzeige für den Mann im Mond gestaltet und geschaltet wurde.

Für eine saubere Umwelt: Anzeige von Pirelli, gesponsert von Pedigree! 

Für eine saubere Umwelt: Anzeige von Pirelli, gesponsert von Pedigree!

Und dann ist dort eine Anzeige, wo man auf den ersten Blick sieht, was da abgeht, nämlich die Beine des Autos. Denn im Winter soll der Autofahrer seinen Wagen in der Garage stehen lassen und per Schlitten durch die Gegend fahren. Hierzu benötigt er vier Huskys, „des Winters beste Freunde“. Diese Hunde „zahlen sich mit Sicherheit aus“, denn sie sind zum einen umweltfreundlich und verbrauchen zum anderen weniger Geld für Nahrung, als ein Auto an Benzin frisst. Und von Pirelli gibt es dazu noch „bis zu 40 Euro Sicherheitsprämie“. Warum? Vermutlich, weil es sich hier mit Sicherheit um eine Promotion mit Pedigree handelt.
Also, Autofahrer, lass die Karre im kommenden Winter stehen und spann die Hunde vor den Schlitten! Die suchen sich sogar ihren Parkplatz selber, und keine Politesse wird es wagen, ein Ticket am Halsband anzubringen.
Kaugummi aus der Apotheke! 

Kaugummi aus der Apotheke!

„Über 1000 Vivesco-Apotheken gibt es in Deutschland.“ Das erfahren wir aus einer Anzeige, in der Apotheken kleingeschrieben werden. Wer wissen will, was das Besondere an so einer kleinen Vivesco-Apotheke ist und was diese Apotheke unterscheidet von einer Normal-Apotheke, der erfährt, dass Vivesco-Apotheken sich – im Gegensatz zu anderen Apotheken – „gemeinsam stark für Ihre Gesundheit“ machen. Also nützt eine einzelne Vivesco-Apotheke gar nichts, wenn wir Schnupfen haben, nein, da müssen alle gemeinsam her!
Und dann kommt der Höhepunkt im Inserat: Vivesco-Apotheken machen sich stark für unsere Gesundheit, und zwar bei allem, was wir vorhaben: „Zum Beispiel, wenn Sie Ihre Familie zum Lachen bringen wollen.“ Klar, dafür gibt’s in den Vivesco-Apotheken ein Lachgas in der praktischen Haushaltsdose für die ganze Familie!
Überschrieben ist das Inserat mit: „kindskopfgesund“. Was haben wir zu verstehen unter einem „Kindskopf“? Es ist dieses jemand, der sich kindisch-albern benimmt. Und wenn das ein Erwachsener ist, dann ist das nicht immer gesund, sondern muss unter Umständen therapiert werden. Mit Medikamenten aus einer Vivesco-Apotheke.
Allerdings: Vivesco-Apotheken wollen keine kranken Kunden. Slogan der Pillendreher: „Wir wollen Sie gesund.“ Wer krank ist, der bleibe daheim! Allein schon wegen der Ansteckungsgefahr.

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