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19.09.2012
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Spießer Alfons
Quatsch mit Senfsoße: 18/1 unscharf gedruckt

Wenn bei einem Wettbewerb eine stümperhafte Arbeit gewinnt, dann werden die anderen Teilnehmer benachteiligt. Wie beim Best New 18/1 Award!

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19.09.2012

Sieger-Sujet bei Best New 18/1: Haben die Juroren etwas vom Senf ins Auge bekommen? 

Sieger-Sujet bei Best New 18/1: Haben die Juroren etwas vom Senf ins Auge bekommen?

Es ist eine Binsenweisheit: Ein jeder Werbewettbewerb ist immer nur so gut wie die Jury, die dort entscheidet. Diese Weisheit geht jedoch häufig in die Binsen, und zwar dann, wenn jemand im Ernst glaubt, dass eine nicht kompetente Jury zu guten Resultaten kommt.
Spießer Alfons weiß nicht, wer in der letzten Jury vom Best New 18/1Award des Fachverbandes Ambient Media (FAM) gesessen hat. Der Spießer bescheinigt diesen Juroren unbekannterweise eine totale Inkompetenz. Corpus delicti: Sieger 2012 wurde der Plakatentwurf für Thomy-Senf, und zwar mittelscharf – Abbildung oben links!
Wenn jetzt jemand kommt und sagt, „plakativer kann man ein Produkt doch gar nicht darstellen – lediglich die Abbildung der Senftube ist etwas unscharf“, dann stimmt der Spießer dem zu. Aber, liebe Lesergemeinde: Gerade die unscharfe Darstellung der Senftube – das ist nach Meinung der Jury ja genau das Kreative an dem Plakat, denn es handelt sich hier doch um – Achtung! Achtung! – mittelscharfen Senf! Und darum ist er doch so genial, der Einfall mit der unscharfen Tube.
Spießer Alfons, der selber einmal in der Jury des Best New 18/1Award gesessen hat und nicht wieder dazu eingeladen wurde, weil er die Einsendungen viel zu kritisch beurteilt hatte, dieser Spießer Alfons fasst sich an den Kopf und gibt seinen eigenen Senf dazu: Wer nur mittelscharf denken kann, der wird auch nur mittelmäßige Ideen erkennen!

Spießer Alfons hat Hand angelegt und dem Motiv eine andere Richtung gegeben! 

Spießer Alfons hat Hand angelegt und dem Motiv eine andere Richtung gegeben!

Herrje, wo ist die Kreativität in der Plakatwerbung im Jahre 2012 angekommen! Auf dem untersten Niveau. Das Sieger-Plakat beim Best New 18/1 Award 2012 ist ein gemeiner Anschlag von Schüler-Praktikanten, und zwar auf die Qualität der Werbung! Oder glaubt jemand im Ernst, der Konsument hält vor dem Thomy-Plakat inne, analysiert den Sinn der Unschärfe und kauft deshalb die Tube …?
Haben die Plakat-Gestalter sich eigentlich Gedanken darüber gemacht, wie 18/1-Bogen-Plakate platziert sind und wie der Mensch – zu Fuß oder im Auto – sie wahrnimmt, wenn er sie überhaupt wahrnimmt ...? Glauben die Macher des Thomy-Plakats wirklich, dass die Leute davor stehen bleiben und überlegen, warum die Senftube dort unscharf gedruckt ist? Und dass die Autofahrer bremsen und auf die Idee kommen, dass hier die Schärfe der Augen als Metapher in Einklang gebracht werden soll mit der Schärfe des Senfs? Und dann laufen die Menschen hernach in den Supermarkt und greifen zu Tomys mittelscharfem Mostrich ...?
Und überhaupt: Ein Plakat ohne Headline ist wie eine Boulevardzeitung ohne Schlagzeile, nämlich ein Pups in die eigene Hose.
Spießer Alfons hat das Sieger-Plakat überarbeitet. Es wirbt jetzt für den Zentralverband der Augenoptiker. Und Thomy bekommt dabei immerhin noch den werblichen Zusatznutzen – siehe die Abbildung!
Den Fachverband Ambient Media hingegen fordert Alfons spießig, aber bestimmt auf, die Entscheidung seiner irrenden Jury zu revidieren! Denn die Auszeichnung ist eine Beleidigung aller ehrbaren Plakatgestalter.

Hier werden Waschfrauen veräppelt! 

Hier werden Waschfrauen veräppelt!

In der Waschmittelwerbung sind die Kreativen schon lange bei der Weißheit letztem Schluss angekommen. Bei der Buntwäsche allerdings geht noch was.
Jüngstes Beispiel ist die oben gezeigte Persil-Anzeige mit der englisch-deutschen Überschrift: „Must-have des Sommers.“ Und man stelle sich vor, eine Frau steuert ihren Einkaufswagen durch einen Supermarkt, und ein Verkäufer kommt ihr dort entgegen mit der gezeigten Persil-Flasche in der Hand und spricht: „Musthave des Sommers!“ Die Kundin würde doch nach einer versteckten Kamera Ausschau halten, weil sie sich verarscht fühlt.
Und dann steht dort noch im Kleingedruckten: „Persil Color-Gel – für Farben so strahlend, dass selbst rote Teppiche blass wirken.“
Eine Anzeige, bei der sogar die Leser nass werden – in der Hose vor Lachen.

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