Spießer Alfons
Neuland: ADC verleiht Sargnägel
Wie groß der kreative Abstand von ADC-Mitgliedern zum Rest der Bevölkerung ist, lässt sich erkennen an einem Citylight-Poster in Ahrensburg!
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13.03.2013
Was entnehmen wir dieser Platzierung? Der Spießer schlussfolgert, dass der ADC in Hamburg auch Sargnägel verleihen wird.Kein normaler Bürger auf dem Steig in Ahrensburg begreift die Botschaft, welche auf dem Poster vermittelt werden soll. Die Gestaltung erinnert an die Arbeiten aus dem ersten Semester an der Volkshochschule im Kursus „Grafik-Design für Hausfrauen“, wo die Schülerinnen noch nicht wissen, was überhaupt Sinn und Zweck eines Plakates ist. Aber der ADC ist ja ein Kunst-Club, wie der Name schon sagt, und kein Verband für Wirtschaftswerbung. Und Künstler haben sich schon immer über alle Gesetze der Gestaltung hinweggesetzt, warum nicht auch beim Basteln von Plakaten! Und würden die Mitglieder des ADC nicht Kunst, sondern Wirtschaftswerbung machen, denn hieße der Club ja KFV, sprich: Konsum-Förderungs-Verein. Und nicht ADC, also: Anhänger des Chauvinismus.(Zwischenfrage: Was, bitte schön, ist ein „Digital-Kongress“? Vielleicht ein Kongress mit Nullen und Einsern, der nicht analog verläuft zur Wirtschaftswerbung ...?)
Nun kommt der Kunstdirektoren- Club nach Hamburg. Das hat er zuletzt vor 35 Jahren gemacht, nämlich anno 1978. Damals ging im Hamburger Congress Centrum die legendäre „ADC-Show ’78“ über die Bretter der Welt: Die Technik – zu jener Zeit noch Tonband und Beamer mit Rückprojektion – brach während der Vorführung total zusammen; und die Moderatoren mussten die prämierten Spots auf offener Bühne quasi vortanzen und nachsingen. Es war die lustigste ADC-Show, die der Spießer jemals gesehen hat!Nun wird es eine neue ADC-Show in Hamburg geben. Nicht wieder im CCH, der historischen Stätte unguter Erinnerung, sondern diesmal möchte man „Neuland“ betreten. In einer sogenannten „Republik Neuland“. Wo die gefunden wird, das erfährt der Plakatleser im Internet: Hamburger Hafencity .Was bedeutet „Neuland“? Wenn der Spießer mal mutmaßen darf: Der ADC wird in diesem Jahr alles anders machen, und zwar besser. Das beginnt schon mit den Jurys: Die werden nicht mehr allein aus dekorierten Clubmitgliedern zusammengesetzt, sondern es agieren dort vorrangig diejenigen Leute, für die teure Werbung gestaltet und geschaltet wird: Vertreter der Wirtschaft und die begehrten Konsumenten. (Spießige Randbemerkung: Schließlich sitzen bei einer Miss-Germany-Wahl ja auch nicht die Misses in der Jury, oder?!)Und dann werden die Kategorien unterteilt nach Auftraggebern. In der Vergangenheit war es noch so, dass eine Millionen-Kampagne für ein Weltunternehmen, wie zum Beispiel Coca-Cola, neben die 100-Euro-Arbeit für eine Berliner Currywurstbude eingeordnet wurde. Was natürlich ausgesprochen albern gewesen ist.Und in der Ausstellung für das Publikum werden nur noch prämierte Werbewerke gezeigt im Gegensatz zu früher, wo jeder Zulieferer sein Eingesandtes in der ADC-Ausstellung präsentieren durfte, wenn er dafür bloß das „Eintrittsgeld“ bezahlt hatte. Da standen die nichteingeweihten Besucher dann kopfschüttelnd vor den Exponaten und staunten Bauklötze über manchen Blödsinn, der dort im Namen des ADC präsentiert worden war. (Manches davon war allerdings auch ausgezeichnet worden!)Und noch etwas Neuland: Der ADC verleiht nicht nur Gold-, Silber- und Bronzenägel, sondern jetzt auch Sargnägel. Für Plagiate, Fakes und sonstigen Nonsens, der zwecks Prämierung eingereicht wurde.So hat der ADC also seine „Republik Neuland“ (auf dem Plakat: „Neulond“) gefunden. Und wenn es nicht so ist, wie der Spießer vermutet, dann handelt es sich bei der gefundenen Republik wohl nicht um Neuland, sondern um Neufundland. Und dort können kreative Kunstjünger einen Individualurlaub machen, der steuerlich genauso absetzbar ist wie die Vergnügungsreise an Elbe und Alster.
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