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15.11.2012
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Spießer Alfons
Im Wein ist Wahrheit. Und im Trollinger ...?

Im Trollinger steckt der Troll. Und den findet man auch in einer Werbeagentur, wo er als Kreativer arbeitet und seine Kundin zur Weinkönigin macht!

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15.11.2012

Einsam und traurig sitzt die Weingärtnerin auf dem Trockenen. Wer gibt ihr ein Bier? 

Einsam und traurig sitzt die Weingärtnerin auf dem Trockenen. Wer gibt ihr ein Bier?

Wie gestaltet der Werber eine Anzeige, mit der die Winzer für ihren Wein werben wollen? Es gibt hier verschiedene Standard-Lösungen. A: Man zeigt fröhliche Zecher an einem Tisch. Oder B: Nur die Flasche wird abgebildet, und daneben steht ein gefülltes Glas. Auch C wird immer wieder gern praktiziert: Wein und Glas neben Käse, Hummerschwanz oder sonst einer kulinarischen Beilage. Und dann gibt es noch D: Weingut und Winzer stehen im Blickpunkt, und wir sehen die Lese der Reben.
Aktuell erschienen ist die Anzeige für Wein aus Württemberg. Im Bilde erkennen wir eine Frau. Sie sitzt auf einer Treppe, die vom Grün der Natur überwuchert ist. Und die Frau sagt zu uns: „Das Schöne an meinem Wein: Sein Chef ist eine Frau.“ Und die Frau im Bilde wird vorgestellt als: „Sonja Beck, 40“ und „Weingärtnerin und Aufsichtsratsvorsitzende“.
Weil auch im Kleingedruckten der Anzeige nicht die Rede ist von einer weiteren Frau, versteht der Spießer die Werbebotschaft so, dass hier die Weingärtnerin und Aufsichtsratsvorsitzende Sonja Beck über die eigene Person berichtet. Wozu der spießige Leser fragt: Warum ist es denn so schön, dass der Chef des Weines eine Frau ist? Für die abgebildete Chefin ist das natürlich schön, schließlich verdient sie ihren Lebensunterhalt damit. Aber welcher Vorteil ergibt sich dadurch für uns Konsumenten ...?
Ist es vielleicht unschön, wenn der Chef des Weingutes ein Mann ist, sodass dessen Weine minderwertig sind? Das freilich wäre eine Diskriminierung des Mannes.
Der „Trollinger“ aus Württemberg kommt aber nicht ausschließlich aus dem Weingarten der abgebildeten Weingärtnerin, sondern auch von anderen Winzern. Für die jedoch wird mit der Anzeige nicht geworben.
Und wer trinkt Württemberger? Der Textdichter gibt bekannt: „Kenner trinken Württemberger“. Was natürlich logisch ist, denn Nichtkenner kennen ihn ja gar nicht, den Trollinger, weshalb sie ihn demzufolge nicht trinken.
PS: Der Kunde ist König. Aber auf die absurde Idee, dass hier die Werber nach ausführlichem Produkttest auf den Einfall gekommen sind, ihre Kundin quasi zur Trollinger Weinkönigin zu küren ... auf so eine Idee kann natürlich nur ein Spießer kommen! Aber der ist ja bekanntlich auch ein Troll.

Im Himmel ist Jahrmarkt – immer bis 60 Prozent! 

Im Himmel ist Jahrmarkt – immer bis 60 Prozent!

Aus einer Anzeige von T.k.maxx erfahren wir, dass es dort „Marken zum Verlieben“ gibt und „Preise zum Anbeten“. Okay, dass man sich in eine Marke verlieben kann, gesteht der Spießer gern zu. Aber wer von Euch hat schon mal einen Preis angebetet? Umgekehrt – also „Marken zum Anbeten“ und „Preise zum Verlieben“ – das gäbe der Botschaft einen Sinn, den man schon eher nachvollziehen könnte.
Doch kommen wir zu den Preisen des Hauses. Wir erfahren: „Immer bis zu 60% günstiger“ – siehe die Anzeige! Nein, nicht „immer 60% günstiger“, sondern: „immer bis zu“! Und das ist natürlich eine Verarschung.
Ehrlich wäre die Botschaft, wenn sie lauten würde: „Immer mindestens 30% günstiger“. Aber: 60% klingt natürlich um 100% günstiger als 30%. Fehlt bloß noch der Hinweis auf ein Angebot wie: „Wenn Sie zwei Kleidungsstücke mit je 30% Ermäßigung kaufen, dann haben Sie zusammen immer 60% gespart!“

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