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08.11.2012
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Spießer Alfons
Ideen, die besser im Kopf bleiben sollten

In den Köpfen vieler Werber passiert permanent ein kreatives Feuerwerk. Nicht selten ergeben sich dabei auch Fehlzündungen!

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08.11.2012

Warum sollen kreative Ideen im Kopf bleiben? 

Warum sollen kreative Ideen im Kopf bleiben?

Der „Titelschutzanzeiger“ zeigt an: „Kreative Ideen brauchen Schutz!“ Dazu sehen wir eine bildliche Metapher, der wir entnehmen: Kreative Ideen sollen im Kopf bleiben und eingeschlossen werden, auf dass niemand sie aus dem Oberstübchen entfernen kann.
Auf den ersten Blick erscheint das unlogisch, schaut man aber mit beiden Augen in die Welt der Werbung, dann erkennt man sofort: Hier sind kreative Ideen veröffentlicht worden, die besser in den Köpfen der Urheber verschlossen geblieben wären!

Mirja Boes: „Kein Löffel mit Sonnen Bassermann kommt über meine Lippen!“ 

Mirja Boes: „Kein Löffel mit Sonnen Bassermann kommt über meine Lippen!“

Schaut Euch die Anzeige von Sonnen Bassermann an, liebe Lesergemeinde! Dieses Unternehmen wurde kürzlich verkauft, von der deutschen Tochter des US-Lebensmittelkonzerns Heinz an den niederländischen Lebensmittel-Produzenten Struik Foods Europe. Und nun ist das erste Werbewerk des Suppen- und Eintopf-Anbieters Sonnen Bassermann erschienen mit der kreativen Headline: „Pep it!“ Und was danach kommt, ist Realsatire vom Feinsten.
Die Unterzeile lautet: „Denn kreativ kochen kann so einfach sein!“ Kreativ kochen? Da denkt man doch gleich an Feinschmecker-Menüs von Küchenmeistern. Was aber hat kreatives Kochen mit Fertiggerichten aus Dose, Glas und Packung zu tun ...?
Der Textdichter erzählt: „Und mit ein paar Tricks lassen sich die Rinderroulade mit Rotkohl und Püree, der Hühner-Suppentopf oder die feine Tomatencremesuppe auch noch ganz individuell verfeinern.“ Und wie das? Wir lesen: „Etwa mit fein gehackten Oliven, einem Löffel Kräuterquark oder einem Schuss Balsamico-Creme – der Fantasie sind hierbei keine Grenzen gesetzt.“
Donni, donni, ist das aber kreativ! Und weil das so lustig ist, hat man dazu Mirja Boes [sic!] abgebildet, bekannt als Possenreißerin aus Film und Fernsehen. Womit Sonnen Bassermann sichtbar bekundet, dass es sich in dieser Anzeige eben um Comedy handelt und nicht etwa um ernsthafte Werbung. Und das böse Mädchen Mirja zeigt das dann auch, indem sie beim Suppenlöffeln ihre Ober- und Unterlippe fest zusammendrückt und so zum Ausdruck bringt: „Mir kommt kein Löffel von dem Zeugs über die Lippen!“ Und ihre Augen hat die Komödiantin weit aufgerissen, so wie kleine Kinder es tun, wenn sie gerade dabei sind, in ihre Windel zu kacken. Dazu hält Mirja Boes eine Suppentasse in der Hand, auf der das Logo von Sonnen Bassermann zu sehen ist, damit für jedermann am Tisch erkennbar ist, dass es sich bei der kreativ gekochten Suppe um aufgewärmte Fertignahrung handelt. Und die Leser der Anzeige sollen am „großen Sonnen Bassermann Pep it!-Wettbewerb“ teilnehmen. Was meint: Ein Foto sollen sie einschicken, auf dem erkennbar ist, wie sie die Fertiggerichte aus dem Supermarkt-Regal aufpeppen. Und der oder die Gewinner (wie viele es sind, wird nicht verraten) können mit einer Begleitung „einen unvergesslichen Tag bei einem professionellen Food-Styling/-Foto-Workshop“ gewinnen.
Kreativ ist auch das Foto oben rechts in der Anzeige: ein frischer Salat. Damit peppt man jedes Fertig-Menü auf, sodass niemand am Esstisch erkennt, dass die Rinderroulade bloß aus der Fertigpackung stammt.
Natürlich nimmt Alfons am großen Sonnen Bassermann Pep it!-Wettbewerb teil. Des Spießers kreative Idee zwecks individueller Verfeinerung: Er streut ein bisschen frische, kleingehackte Petersilie auf die Tomatensuppe und ergänzt sie mit einem Rib-Eye-Steak vom Grill, zu dem der Spießer krosse Bratkartoffeln zubereitet mit frischen Kräutern aus der Provence. Und zum Nachtisch gibt es Apfelmus von Sonnen Bassermann, das der Spießer individuell aufpeppt mit einem Gläschen Calvados – wobei man das Apfelmus natürlich auch weglassen kann.

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