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26.09.2012
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Spießer Alfons
Gehört „Die Welt“ jetzt zur Regenbogenpresse?

Skurrile Bilder in bunten Farben mit Sprüchen, die man nicht hinterfragen darf. Was hat solche Pop Art mit der Tageszeitung „Die Welt“ zu tun ...?

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26.09.2012

Werbung ist Kunst, ... 

Werbung ist Kunst, ...

Es hätte eine schöne Kampagne werden können, die Werbung von „Die Welt“, der meinungsbildenden Tageszeitung aus dem Verlagshaus Axel Springer. Alle Zutaten für Gestaltung und Schaltung sind vorhanden: Worte, Bilder und Citylight-Poster. Eines jedoch vermisst der Spießer vorrangig, und genau das minimiert den Werbeauftritt, nämlich ein Corporate Design, das hier nicht sichtbar wird. Womit Alfons die visuelle Gestaltung meint, die Basis ist für eine Kommunikation, bei der die Botschaft über das Auge des flüchtigen Betrachters ohne Bremse direkt in sein Gehirn springen soll.
Im vorliegenden Fall jedoch geht die Werbung ins Auge; und Spießer Alfons schüttelt seinen Kopf über das schrille Artwork dieser Gestaltung in Bildern und Worten, die auf Intellektualität abzielen soll, in Wahrheit aber ziemlich hohl ist.

... und zwar die Kunst der Kreativen, ... 

... und zwar die Kunst der Kreativen, ...

Zuerst hatte Alfons das CLP gesehen mit der Headline: „Die Welt gehört denen, die neu denken.“ Dazu ein menschliches Schattenbild in Magenta mit dem Wort NEU als Gehirn. Und von diesem Bild tropft die Farbe auf den Schriftzug der Tageszeitung „Die Welt“. Offenbar eine Idee von einem Artdirektor, der neu gedacht hat und damit „Die Welt“ aus den Angeln heben möchte, um sie in Besitz zu nehmen.
Dass es sich hier um ein Plakat für die konservative Tageszeitung „Die Welt“ handelt – auf diese fernliegende Idee würde ein flüchtiger Passant wohl kaum kommen. Allein die spießige Neugier war es, die Alfons dazu bewogen hatte, sich näher mit dem Plakat zu beschäftigen, um zu erfahren, wer hier denn wohl der Werbungtreibende sein könnte.

... vom Produkt abzulenken, ... 

... vom Produkt abzulenken, ...

Im Internet fand der Spießer dann weitere Sujets aus dieser Kampagne, die in noch mehr bunten Farben gedruckt sind. Und der Grafiker war krampfhaft bemüht, die Worte zu unterlegen mit Metaphern, die mehr Bilderrätsel sind statt Illustrationen, durch die der Text hätte ergänzt oder untermauert werden können.
Wer denkt bei diesem kunterbunten Auftritt spontan an die Tageszeitung „Die Welt“, die man auch ohne Druckerschwärze an den Fingern lesen kann? Stellt Euch vor, die „Bild“-Zeitung würde plötzlich in Grün auftreten. Oder „Der Spiegel“ in Lila mit gelben Karos. Das wäre genauso deppert wie eine Werbung der SPD in den Farben von Jamaika mit der Deutschland-Flagge in Blau-Weiß.

... um auf die Werbegestalter hinzulenken! 

... um auf die Werbegestalter hinzulenken!

Bei der Kampagne der „Welt“ wollten die Kreativen einfach mal moderne Kunst machen, losgelöst vom klassischen Branding. Um dem Blatt ein neues Internet-Image zu besorgen. Was dabei herausgekommen ist: Die Reklame lässt weniger an die Tageszeitung „Die Welt“ denken als vielmehr an die Welt-Titel der Regenbogenpresse.
Aaaber – die Headlines passen nicht so recht zu diesen Blättern, also zu „Welt der Frau“ und „Heim und Welt“ und „Neue Welt“ und wie die bunten Hefte der Welt-Presse sonst noch heißen. Beispielsweise der Spruch: „Die Welt gehört denen, die lieber zu weit gehen als zurück.“ Eine Aussage, die zur Zeit in Syrien genauso zutrifft wie im Iran und anderen Ländern, wo Gewaltherrscher zu weit gehen.
Oder: „Die Welt gehört denen, die nicht lang fackeln, sondern für was brennen.“ Ein Spruch, über den schon der alte Kaiser Nero nachgedacht hat. Oder: „Die Welt gehört denen, die ausbrechen, statt einzuknicken.“ Womit offenbar Gefängnisinsassen gemeint sind, die den Knast auf dem Fluchtwege verlassen, statt hinter Gittern in sich zu gehen.

Pop Art-Werbung der  

Pop Art-Werbung der "Welt"

Oder: „Die Welt gehört denen, die schlau sind und nicht auf klug machen.“ Womit der Texter möglicherweise die Vokabel „schlau“ mit „intelligent“ verwechselt hat, denn schlau sein bedeutet auch: durchtrieben sein.
Und schließlich der Claim: „Die Welt gehört denen, die neu denken.“ Ein Spruch, der absolut neutral ist, denn „neu denken“ bedeutet nicht unbedingt, auch vernünftig bzw. sinnvoller zu denken als in herkömmlicher Denkweise.
Spießiges Fazit: Die Kampagne der Zeitung „Die Welt“ ist neues Denken in Worten, Bildern und Farben im Zeitalter von Apps und Downloads. Somit gehört „Die Welt“ jetzt nicht mehr Axel Springer, sondern ihrem Neudenker Oliver Voss.

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