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04.02.2010
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Spießer Alfons
Fette Kerle tanzen auf Tisch und Bett

In der nachfolgenden Geschichte zeigt Alfons auf, wie Werbung zum Verlust des positiven Rufs eines Möbelhauses beigetragen hat!

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04.02.2010

Der Einkauf von Möbeln war bei Spießer Alfons identisch mit dem Weg zu Möbel Kraft in Bad Segeberg. Diese Firma wurde 1893 gegründet und war bis Anfang des Jahres 2004 in den Händen der Familie Kraft. Danach wurde das Unternehmen von Kurt Krieger, Chef der Höffner- Gruppe, übernommen und ausgebaut mit Niederlassungen in Berlin, Dresden, Halle, Leipzig und anderswo.
Table-Dance, Walzer im Bett und Sprung aufs Sofa: Japanische Sumo-Ringer werben in ihren Pampers für starke Möbel von Kraft. Reichlich gewollt. Für Werbewettbewerbe. Und ziemlich albern. Für Kunden. 

Table-Dance, Walzer im Bett und Sprung aufs Sofa: Japanische Sumo-Ringer werben in ihren Pampers für starke Möbel von Kraft. Reichlich gewollt. Für Werbewettbewerbe. Und ziemlich albern. Für Kunden.

Und noch etwas machte der neue Inhaber von Möbel Kraft. Etwas, was es zuvor bei diesem Möbelhaus nicht gegeben hat, nämlich Werbung. Die Söhne aus der dritten Kraft-Generation hatten ihrem Geschäftsbetrieb folgende Maxime vorgegeben: Wir werben allein durch unsere Lieferwagen, die zahlreich in der Gegend herumfahren und unseren Firmennamen durch alle Straßen tragen. Je mehr Autos fahren, desto mehr fällt das den Leuten auf. Und wir machen gute Preise und einen exzellenten Kundendienst, was sich bei den Leuten herumsprechen wird. Dieses zusammen ist die beste Werbung für Möbel Kraft.

Gesagt, getan. Und es hat funktioniert: Möbel Kraft galt als preiswert mit hervorragendem Service. Und selbst bei größtem Kundenandrang wurden die genauso gut geschulten wie bezahlten Verkäuferinnen nicht hektisch, sondern standen den Kunden in ausreichender Anzahl mit Rat und Tat zur Seite. Und gab es später mal Reklamationen: In null Komma nix war der Kundendienst von Möbel Kraft vor Ort und erledigte alles problemlos und großzügig im Sinne des Kunden.

So ist Möbel Kraft groß geworden. Und Spießer Alfons hat so gut wie alle seine Möbel bei Kraft gekauft. Zur vollsten Zufriedenheit. Doch das ist nun anders.

Es begann damit, dass Möbel Kraft in die große Werbung eingestiegen ist. In Print, Plakat und TV. Die Kreation unterscheidet sich von der Schweinebauch-Anzeigen- Werbung anderer Möbelhäuser, aber sie ist nicht sonderlich gut. Man baute auf den Namen Kraft und zeigte diese Kraft symbolisch mit einem kleinen Jungen, der seine Muskeln spielen ließ. Und zurzeit wird die Kraft als Stabilität der Möbel in TV-Spots dargestellt.

Damit ist sie besonders albern geworden, die Werbung von Möbel Kraft. Das Unternehmen wirbt mit einem fetten Sumo- Ringer, der auf dem Tisch tanzt, und zwar im Flamenco-Stil. Und zwei andere Sumo-Fettwänste springen im Walzer- Rhythmus auf einem Bett herum, während in einem weiteren Spot drei der dicken Kerle auf einem Sofa sitzen, um sich zu erheben und noch einmal plumpsen zu lassen. Dabei schwingen sie japanische Nationalfähnchen.

Was will diese Werbung dem Konsumenten mitteilen? Dass die Möbel von Kraft aus Japan stammen? Wohl kaum. Sondern, dass die Möbel echt stark sind. Was im vorliegenden Fall bedeutet: Die fettesten Menschen können darauf rumhopsen, ohne dass Tisch, Bett und Sofa zusammenkrachen. Und selbst einem flotten Dreier hält das Sofa spielend Stand. Mit dieser Selbstdarstellung möchte Möbel Kraft sich offensichtlich abheben von Möbel Höffner, will sich einen Namen machen als Möbelhaus für Kunden mit Übergewicht. Was ja durchaus eine sinnvolle Positionierung sein könnte.

Und nun vernehmet des Spießers jüngste Erfahrung mit Möbel Kraft, was den Service des Hauses betrifft:

Weil Alfons im vergangenen Monat glücklicher Vater einer Tochter geworden ist, war er zuvor bei Möbel Kraft, um ein Kinderbett zu kaufen. Dieses sollte ein bestimmtes Längenmaß nicht überschreiten. Die Verkäuferin: „Alle Kinderbetten haben die gleiche Länge. Kleinere gibt es nicht.“

Der Spießer und sein ihm angetrautes Weib schauten sich um und fanden schon bald zwei Bettchen, die etwas kürzer waren als alle anderen und genau das gesuchte Maß hatten. Die Verkäuferin, nicht sonderlich an den Kunden interessiert, sprach: „Aber nur diese beiden Modelle sind kürzer.“

Aha. Also kauften die spießigen Eltern eines der beiden kürzeren Modelle. Dazu eine Wickelkommode und eine Wiege. Geliefert werden konnte das Ganze allerdings nicht; die Kleinmöbel mussten mitgenommen werden. Und daheim genauso zusammengeschraubt werden wie ein Möbelstück von Ikea. Und was die Werbung von Möbel Kraft betrifft: Spießer Alfons bezweifelt stark, dass zwei Sumo-Ringer auch im Kinderbett einen Walzer tanzen können.

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