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24.02.2010

Spießer Alfons
Es hat Xing gemacht, und der Spießer lacht

Wir leben in wirtschaftlich schwieriger Zeit, weshalb Sparmaßnahmen angesagt sind. Auch erfolgreiche Online-Unternehmen sparen. Zum Beispiel an Hirn!

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24.02.2010

Eingangs der spießigen Kolumne bekommt die geschätzte Lesergemeinde wieder mal ein wenig Werbefachunterricht, der mit der Fragestellung beginnt: Was verstehen wir unter einem sogenannten Testimonial?

Ein Testimonial (lat. testimonium = Zeugnis, Beurteilung, Beweis) ist eine Referenz, die jemand für ein Produkt oder eine Dienstleistung abgibt. Und diese positive Aussage wird dann in der Werbung kommuniziert. Personen, die ein Testimonial von sich geben, sind also zufriedene Kunden und überzeugte Nutzer der Marken, für die sie nicht nur lobende Worte finden, sondern auch ihren Kopf hinhalten. Dabei handelt es sich aber nicht immer um echte Kunden, sondern es können auch Prominente sein, die als Schauspieler in die Rolle des zufriedenen Kunden schlüpfen und dafür Geld bekommen, weil sie den Werbetext ihres Auftraggebers nachsprechen. Wozu der Spießer Euch ja schon in derVergangenheit viele prominente Beispiele gezeigt hat.

Grundsätzlich gilt: Ob ein Testimonial überzeugend wirkt, hängt davon ab, wie glaubwürdig die Person ist, die eine solche Empfehlung für ein Produkt oder eine Dienstleistung abgibt. Verona Pooth für Spinat ist passend, Verona Pooth für Investment-Fonds passt weniger, weil wir da kaum geholfen werden.
Alle Xing-Kunden, die hier ihre Zufriedenheit verkünden ... 

Alle Xing-Kunden, die hier ihre Zufriedenheit verkünden ...

Und nun werft bitte einen Blick auf die neue Testimonial-Kampagne von Xing! Dort sehen wir drei Damen und drei Herren, die sich als zufriedene Nutzer der Internet-Plattform präsentieren – siehe die Anzeigen! Dazu erfuhr der Spießer aus seiner Lieblingszeitung für Marketing, Werbung und Medien: „Im Mittelpunkt der zweistufigen Kampagne von Xing stehen die Community-Mitglieder. Die Motive zeigen, wie sie vor dem PC ihren individuellen ‚Xing-Moment‘ erleben – also wie sie sich online treffen, austauschen und voneinander profitieren.“

Das Ganze schaut auch ziemlich glaubwürdig aus, wenn die Personen dort berichten, welche positiven Erfahrungen sie mit Xing gemacht haben, auch wenn ihre Nachnamen in den Anzeigen abgekürzt sind, was ein bisschen an alte Reklamezeiten erinnert, als Herr B. aus G. erklärte, dass der Saft seinen Husten beseitigt hat. Aber wer Chinesisch versteht, der weiß ohnehin, was Xing auf Deutsch bedeutet, nämlich: es funktioniert.

Wer allerdings hinter die Kulissen dieser Kampagne guckt, der erkennt auch, wie es funktioniert, nämlich dubios. Denn Xing tritt hier mit einer ungeheuerlichen Chuzpe vor das breite Publikum: Die zufriedenen Damen und Herren in der Xing-Werbung sind nämlich allesamt ...
... sind in Wahrheit angestellte Mitarbeiter von Xing! 

... sind in Wahrheit angestellte Mitarbeiter von Xing!

... angestellte Mitarbeiter des sozialen Netzwerkes – wenn Ihr Euch bitte die Profile neben den Anzeigen anschauen wollt!

Das muss man sich mal vor Augen führen: Da werden Personen im Foto mit abgekürztem Namen und Berufsangabe gezeigt, die alle von positiven Erfahrungen mit Xing berichten. Sie, die bei Xing angestellt sind! Das ist so, als würden zufriedene Edeka- Kunden den Supermarkt in der Werbung loben, bei welchen es sich um Verkäufer/innen aus den Märkten handelt, ohne dass der Betrachter das erkennen kann!

Wie bescheuert diese Kampagne konzipiert ist, merkt der Anzeigenleser dann, wenn er die Namen der abgelichteten Personen bei Xing in der Suchfunktion eingibt, um mit ihnen in Kontakt zu treten. Dann liest er: „Zu dieser Sucheingabe wurden keine Mitglieder gefunden.“ Klar, die betroffenen Personen sind ja auch keine Mitglieder, sondern Angestellte.

Die Hamburger Agentur Deepblue Networks hat die Kampagne gestaltet und damit gezeigt, wie man sparen kann. An Modelhonoraren genauso wie an Hirn.

[1] [2]

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  • Spiesser Alfons, 1. Februar 2012

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    Die Eingangsfragen von Spießer Alfons kommen nicht von ungefähr, sondern sie kamen dem Spießer in den Sinn, nachdem Alfons eine Anzeige von Jim Beam gelesen hatte, wo ein Whiskey mit Namen „Devil’s Cut“ beworben wird. Mehr Kommentieren ]

  • Spiesser Alfons, 25. Januar 2012

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  • Spiesser Alfons, 18. Januar 2012

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    Dass Raucher von hoher Intelligenz sind und ein langes Leben haben, dafür gibt es ein lebendes Beispiel, nämlich Helmut Schmidt, unseren Altbundeskanzler. Der allerdings ist zum einen die Ausnahme; und zum anderen raucht er Zigaretten mit Mentholzusatz. Mehr Kommentieren ]

  • Spiesser Alfons, 11. Januar 2012

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