HORIZONT.netHORIZONTjopsHORIZONTpeoplewww.HORIZONTstats.de
HORIZONT.NET
11.03.2010

Spießer Alfons
Eine Sünde wert: Toy, Toy, Toy, Toyota!

„Nichts ist unmöglich“, hat Toyota uns glauben lassen. Nun hat sich dieser Slogan bewahrheitet: Was Toyota macht, ist wirklich unmöglich!

Seite 1/2
11.03.2010

Eine Sünde wert: Möchte jemand von Euch zurzeit freiwillig an der Firmenspitze von Toyota sitzen? Oder in einer Agentur, die Werbung macht für diese Marke ...?

Toyota ist in die Bredouille geraten. Man spricht davon, dass die Sache mit dem Gaspedalfehler im Konzern schon länger bekannt war und seit 2007 bewusst bagatellisiert worden ist. 8,5 Millionen Autos musste Toyota in den vergangenen Monaten zurückrufen in die Werkstätten. Das kostet den japanischen Konzern, so errechneten Experten, rund 1,4 Milliarden Euro. Und nicht nur das: Es kostet Toyota auch den guten Ruf der Weltmarke, die bisher als zuverlässig galt und hervorragende Qualität verkörpert hat.

So weit der ernste Teil der Lage. Und nun schalten wir um zur Werbung.

Verantwortlich für die Toyota-Werbung ist Saatchi & Saatchi. In diesem Agenturhaus in Frankfurt saßen kürzlich die Mitglieder des kreativen Toyota- Teams in einem Krisen-Meeting zusammen und setzten sich auseinander, und zwar mit der Frage: Wie können wir mittels Werbung die Sünde von Toyota überspielen? Und Spießer Alfons, verkleidet als Praktikant, hat sich in das Meeting geschlichen, um Euch authentisch darüber berichten zu können.

Zuerst einmal informierte der Kundenberater das Team darüber, dass in Japan vereinzelt immer noch Harakiri gemacht wird. Währenddessen servierte die Team-Assistentin grünen Tee mit Yokan.

Und während dieser Zeremonie erklärte der Kundenberater seinen Teamgefährten: „Wir erleben gerade, dass der Claim ‚Nichts ist unmöglich‘ für Toyota so ganz passend nicht mehr ist, denn die Realität hat diese Werbeaussage überholt.“

Alle nicken stumm, schlürfen ihren Tee und halten kurze Andacht. Dann ergreift der kreative Direktor das Wort und erklärt seinen Kollegen: „Wir müssen der Marke alles Gute wünschen, weshalb ich einen neuen Slogan vorschlage, der auf dem Social Way in den Volksmund kommen sollte und wie folgt lautet: ‚Toy, Toy, Toy, Toyota!‘ Wie cool findet ihr denn das?“

„Wie war das doch gleich mit dem Harakiri?“, will der CEO wissen, der sich inzwischen zum Team gesellt hatte.

„Ich dachte doch nur so“, verteidigt sich der CD und ergänzt: „Über die sprechenden Tiere von Toyota hat doch damals auch jeder gelacht!“

Der CEO ergreift zuerst eine Tasse Tee und dann das Wort. Und spricht: „Ich denke, wir müssen eine Ablenkungskampagne machen. Was meint: In der Werbung sollte nicht das Automobil im ungebremsten Mittelpunkt stehen, sondern etwas Zuckersüßes. Etwas, das mit dem Auto so viel zu tun hat wie Sushi mit Messer und Gabel! Damit lenken wir perfekt ab vom Gasbremspedal!“

Der Texter kratzt sich hinterm Ohr und stellt die Überlegung an: „Wir zeigen in der Werbung einfach Sushi und schreiben dazu: ‚Alles ist möglich. Toyota.‘!“

„Sushi und Toyota sind gedanklich viel zu nahe beisammen, weil ja beides japanische Produkte sind“, wirft der Kunstdirektor ein und diagnostiziert: „Wir brauchen was Anderes. Zum Bespiel Pralinen!“
Sünde: Wie Toyota aus der Krise fahren will! 

Sünde: Wie Toyota aus der Krise fahren will!

„Pralinen?“, erkundigt sich der Texter und schaut etwas verwirrt aus. „Klar, wir zeigen klassische deutsche Pralinen. Und dann wird niemand mehr an ein defektes Gaspedal denken!“, frohlockt der CEO und steckt das letzte Stückchen Yokan in den Mund.

„Genau so ist es!“, jubiliert der CD und fährt fort: „Zu den Pralinen stellen wir dann zwecks Branding zwei kleine Toyotas in derselben Größe und finden dazu eine Klammer. Zum Beispiel, dass die Farbe des Autos choco ausschaut und innen alles cream ist. Oder umgekehrt!“

Der CEO ergänzt die Idee mit den Worten: „Wir machen das in Kooperation mit einem exklusiven deutschen Pralinen- Hersteller, und zwar als limitierte Collection. So ein Limit kommt immer gut an beim Konsumenten. Und dann schreiben wir als Headline in die Anzeige: ‚Mehr als eine Sünde wert.‘ Und schon lenken wir ab von Toyotas Sünde und schieben dieselbe den Konsumenten in den Mund in Form von Pralinen!“

„Haargenau!“, bestätigt mehrfach nickend der Kundenberater, faltet seine Hände und verkündet mit gesenkten Augen: „Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!“

So weit das Meeting bei Saatchi & Saatchi, wo Spießer Alfons stumm das Mäuschen gespielt hat.

Ihr haltet das Resultat dieser Veranstaltung für unmöglich, liebe Lesergemeinde? Dann lasst Euch sagen: „Nichts ist unmöglich. Toyota.“ – siehe die Abbildung der sündigen Pralinen-Anzeige von Saatchi & Saatchi, die soeben erschienen ist! Und HORIZONT-Leser wissen jetzt wenigstens, warum.

[1] [2]

Diskutieren Sie im HORIZONT-Blog mit Spießer Alfons.

Zum Archiv

Die aktuellsten Einträge:

  • Spiesser Alfons, 4. März 2010

    Die Regeltechnik eines Nikotin-Händlers

    Spießer Alfons ist kein Psychologe, kann sich aber vorstellen, dass Männer, die einen gezwirbelten Bart tragen, damit zum Ausdruck bringen wollen, dass sie sich sehr wichtig nehmen. Und wenn wir Kaiser Wilhelm betrachten, Salvador Dalí anschauen, Horst Lichter und Jean Pütz, dann erkennen wir: Es waren und sind bedeutende Männer der Zeitgeschichte, die man ohne Bart überhaupt nicht erkennen würde. Mehr Kommentieren ]

  • Spiesser Alfons, 24. Februar 2010

    Es hat Xing gemacht, und der Spießer lacht

    Eingangs der spießigen Kolumne bekommt die geschätzte Lesergemeinde wieder mal ein wenig Werbefachunterricht, der mit der Fragestellung beginnt: Was verstehen wir unter einem sogenannten Testimonial? Mehr Kommentieren ]

  • Spiesser Alfons, 18. Februar 2010

    Wenn der Berg ruft: Matjes, jes, jes, jes!

    Wenn Werbegestalter ihrem eigenen Können nicht mehr so recht vertrauen, dann rufen sie fremde Hilfe herbei. Was meint: Sie empfehlen ihrem Kunden, eine bekannte Persönlichkeit zu engagieren, die ihren Kopf in der Werbung hinhält und damit ein Testimonial für die Marke abgibt. In einem solchen Fall kann die Werbeagentur selber ins Abseits geraten, wie das aktuelle Beispiel mit Verona Mehr Kommentieren ]

  • Spiesser Alfons, 11. Februar 2010

    S&F soll Hornbach das Handwerk legen

    Um die eigene Wohnung zu tapezieren, benötigt der Mensch nicht unbedingt einen Handwerker, wenn er selber zwei gesunde Hände hat. Und viele Frauen, die das Schneiderhandwerk nicht gelernt haben, nähen und ändern trotzdem ihre Kleidung mit eigener Hand, was frau sogar in Kursen an der Volkshochschule lernen kann. Auch gibt es Männer, die jede Klempner-Arbeit im Hause erledigen, obwohl sie keine Mehr Kommentieren ]

Artikel posten bei:
Twitter Facebook Google LinkedIn
Kreation

Chevrolet "Spark"
Ignition Frankfurt unterstützt den Launch vom Chevrolet "Spark" mit einer Kampagne. In dem aktuellen TV-Spot zeigen die Spark-Besitzer, dass sie machen, was sie wollen. Fünf Freunde treiben im Spark ihre Scherze mit Drive-Thru-Bedienungen. Der Fahrer gibt seine Bestellungen in einer Spaß-Sprache auf, die keiner versteht. Sein Kumpel auf der Rückbank kommentiert die Situation mit den Handzeichen, die er als Zweit-Hände dem Fahrer leiht. Als eine Bedienung spontan auf den Witz reagiert und in derselben Kunstsprache anwortet, brechen alle in Gelächter aus. Die Produktion übernahm Final Touch Hamburg.

Neueste Leserkommentare

TV: Chevrolet "Spark"
Groovemaster: Ideen Klau

Nachrichten: Crossmedia holt den Mediaetat von HDI und HDI-Gerling
ralf zilligen: chairman

TV: Mercedes G-Klasse Sand Art "Polar"
CU: Sandy Dreams

Off the record
offtherecord.jpg
Liebes Fernsehen, ich will zahlen!
HORIZONT-Blogger Olaf Kolbrück fehlt die Geduld für den wöchentlichen Ausstrahlungs-Turnus von neuen TV-Serien.Er will die Folgen sofort sehen. Dafür würde er sogar zahlen. Mit seinem Wunsch ist er nicht allein.
Abonnieren Sie off the record - Blog für Marketing, Werbung und Medien per E-Mail
Nachrichten
Top-Suchbegriffe der letzten 24 Stunden