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04.03.2010

Spießer Alfons
Die Regeltechnik eines Nikotin-Händlers

Es gibt Anzeigen, da fragt sich der Leser nach dem Warum. Gut, dass es Spießer Alfons gibt, den Werbeberater für undurchsichtige Fälle!

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04.03.2010

Spießer Alfons ist kein Psychologe, kann sich aber vorstellen, dass Männer, die einen gezwirbelten Bart tragen, damit zum Ausdruck bringen wollen, dass sie sich sehr wichtig nehmen. Und wenn wir Kaiser Wilhelm betrachten, Salvador Dalí anschauen, Horst Lichter und Jean Pütz, dann erkennen wir: Es waren und sind bedeutende Männer der Zeitgeschichte, die man ohne Bart überhaupt nicht erkennen würde.

Und dann ist da auch noch Peter Funk. Diesen Herrn werden nur die wenigsten von Euch kennen, liebe HORIZONT-Leser, obwohl der Mann seinen Zwirbelbart für ein so bedeutendes Unternehmen hinhält wie Reemtsma – siehe die Anzeige!
Der Mann mit dem Zwirbelbart kommt groß raus in der Werbung. Welche Bedeutung hat er? 

Der Mann mit dem Zwirbelbart kommt groß raus in der Werbung. Welche Bedeutung hat er?

Reemtsma? Ist das nicht ein Name, der bekannt geworden ist als Manufaktur diverser Zigaretten-Marken? Klar: Reemtsma ist ein wesentlicher Teil der Imperial Tobacco Group, des viertgrößten Tabakunternehmens der Welt. Auf dem deutschen Tabakmarkt ist Reemtsma die Nummer 2. Und auf der Reemtsma- Homepage erfahren wir auch: „Reemtsma steigert Umsatz und Gewinn – Erfolgreiche Produktstrategie – Wachstum der Marke JPS ungebremst – Tabakmarkt besser als erwartet – Neue Marke Gauloises – 100 Jahre Reemtsma – Wachstum auch bei Muttergesellschaft Imperial Tobacco.“

Aber kommen wir zurück zu Peter Funk, dem Zwirbelbart-Träger. Der Mann arbeitet im Außendienst-Vertrieb bei Reemtsma und sorgt dafür, dass die Sucht von Millionen Menschen weiterhin befriedigt wird, damit das Geschäftsergebnis von Reemtsma auch in Zukunft positiv verläuft. Und Peter Funk sagt: „Eine Gesellschaft braucht Regeln – die Frage ist nur wie viele?“

Diese Aussage des Herrn Funk ist absoluter Nonsens. Eine Gesellschaft schafft sich Regeln, nach denen alles Miteinander friedlich geregelt wird. Das sind Benimmregeln genauso wie die Abseitsregel beim Fußball und andere Spielregeln. Wir kennen die Bauernregeln sowie grammatikalische und mathematische Regeln, wir fahren nach den Regeln des Verkehrs und regeln sogar alles über unseren Tod hinaus, nämlich per Testament. Die Gesellschaft kennt goldene Regeln, regelt die Heizung und lebt nach allen Regeln der Kunst. Kurz und gut: In aller Regel haben wir stets und ständig Regelbedarf.

In Wahrheit meint Herr Funk natürlich nur eine einzige Regel, die er für überflüssig hält, und zwar die Regel für eingeschränktes Rauchen in der Gesellschaft. Das darf der Reemtsma-Außendienstler verständlicherweise in der Anzeige nicht so direkt äußern, weshalb der Textdichter fabuliert hat: „Zu viele Regeln führen jedoch schnell in eine Verbotskultur. Wir sollten nicht vergessen: Die Selbstbestimmung des Einzelnen ist ein hohes gesellschaftliches Gut.“

Damit will Reemtsma nicht zum Ausdruck bringen, dass der Spieler beim Fußball selber bestimmen soll, ob er im Abseits steht oder nicht. Sondern der Zigaretten- Hersteller plädiert indirekt dafür, dass ein Raucher selbst bestimmen soll, ob und wo er rauchen will. Womit Reemtsma wider die Regeln der Vernunft argumentiert, weil auch die Gesundheit des Einzelnen ein hohes gesellschaftliches Gut ist.

Und die Rauchwarenfirma fährt fort: „Reemtsma leistet hier seinen ganz eigenen Beitrag. So unterstützen wir zum Beispiel die Deutsche Krebshilfe.“ Was natürlich nur ein Scherz des Spießers ist. Richtig ist vielmehr: Nicht die Krebshilfe, sondern „die Ausbildung junger Menschen aus sozial schwachen Umfeldern“ wird vom Zigarettenhändler unterstützt.

Dass der Verkauf von Zigaretten quasi Beihilfe zum Selbstmord ist, steht auf einem anderen Blatt, und zwar auf jeder Zigarettenpackung. Was verständlicherweise nicht so gut klingt wie: „Werte leben. Werte schaffen.“ Und Spießer Alfons meint: Wer seinen Außendienstmitarbeiter, der den Süchtigen das Gift Nikotin liefert, in der Werbung auftreten lässt, um dem Volk zu suggerieren: „Seht, wir sind gute Menschen!“ – der sollte besser schweigen! Und wenn er etwas Gutes tut, dann sollte er das ohne Zwirbelbart tun!
Ein Baby mit überdurchschnittlichem IQ! 

Ein Baby mit überdurchschnittlichem IQ!

„Ja,“ schreit das Baby und ergänzt: „ich will die neue Riesen-Auswahl!“ Und die bekommt das Baby bei „baby-walz“, wo man den Firmennamen klein schreibt, obwohl die Auswahl angeblich groß ist. Und dann steht im Text die Frage: „Katalog- Gutschein fehlt?“ und die Antwort: „Kein Problem – einfach anfordern!“

Und wenn man den Katalog-Gutschein angefordert hat, dann kann man mit dem Katalog- Gutschein einen Katalog anfordern. Und „baby-walz“ sollte auch was anfordern: einen guten Werbetexter!

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