Spießer Alfons
165 Jahre Erfahrung stecken in drei Anzeigen
Fehler, die wir in der Vergangenheit gemacht haben, nennen wir gern Erfahrungen. Und viele Markenartikler sind stolz auf ihre Erfahrungen!
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25.10.2012
Da ist zum Beispiel Aptamil von Milupa. Wir lesen: „30 Jahre Muttermilch-Forschung für eine gesunde Zukunft Ihres Babys.“ Und im Kleingedruckten heißt es weiter: „Seit über 30 Jahren erforschen unsere Experten die Muttermilch. Resultat dieser Forschung ist Aptamil Folgemilch.“ Und die Fußzeile lautet: „Sie haben Fragen? Wir beantworten diese gerne.“Zuerst einmal rekapituliert der Spießer: Bei Milupa erforscht man seit mindestens 1982 die Milch von Müttern und hat jetzt endlich – nach über 30 Jahren Forschung – als Resultat die Aptamil Folgemilch auf den Markt gebracht? Und wie sah diese Forschung in der Praxis aus? 30 Jahre lang immer wieder Muttermilch durch ein Mikroskop betrachtet, wie auf dem Werbefoto demonstriert? Und am Ende der Forschungszeit haben die Experten dann im Labor eine „Folgemilch“ hergestellt, die aus der Packung kommt und nicht aus der Kuh ...?Eine weitere spießige Frage: Wurde im Rahmen der Forschung frischgebackenen Müttern permanent die Milch abgepumpt und zu Instantpulver verarbeitet, das man nun nach über 30 Jahren als Aptamil auf den Markt gebracht hat? Oder wie sollen wir Eltern uns das anders vorstellen, forscherisch betrachtet ...?
Und was sagt die Mama? Die Mama sagt: „Für mich Humana, weil es meinem Bäuchlein hilft“ – siehe die Anzeige!Und wenn es dem Bäuchlein der Mama hilft, dann hilft es vielleicht auch ihrem Baby bei Blähungen und Verstopfung.Und was unterscheidet Humana von Aptamil? Der Spießer weiß es aus der Werbung: Für Aptamil erforscht man seit über 30 Jahren die Muttermilch. Und Humana hat „60 Jahre Erfahrung“, der wir vertrauen sollen, und zwar „aus Liebe zum Kind“. Ob damit eine 60-jährige Erfahrung in Sachen Blähungen und Durchfall „von Geburt an“ gemeint sind, erfahren wir aus der Werbung allerdings nicht.
Dann ist da eine Anzeige von Alete. Hier lesen wir: „Du entdeckst das Essen der Großen“ und: „Ich achte genau auf deine Ernährungsbedürfnisse.“Im Bilde darunter sieht man, wie das Kind gerade „das Essen der Großen“ entdeckt, das aus Glas und Plastikbecher kommt und von Alete alias Nestlé stammt – siehe die Abbildung!Apropos „entdecken“: Nicht das Kind entdeckt Alete, sondern die Eltern tun das. (Oder die Großeltern, wenn das Beißen mit den Dritten nicht mehr so richtig klappt.)Und was unterscheidet Alete von Aptamil und Humana? Im Kleingedruckten bei Alete steht: „Vertrauen Sie auf über 75 Jahre Erfahrung“. Was den Spießer allerdings verwundert. Denn wer 75 Jahre Erfahrung gesammelt hat und behauptet: „Sortiment optimal abgestimmt auf die Ernährungsbeürfnisse von Kleinkindern“, der sollte eigentlich wissen, dass man von „optimal“ nur reden kann, wenn alle Zutaten aus biologischem Anbau stammen. Und genau davon ist bei Alete – im Gegensatz zum Wettbewerber Hipp – nicht die Rede, trotz aller Erfahrung.
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