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von Volker Schütz,
Chefredakteur

Wie parasitär sind Newsaggregatoren?


 Abos und Anzeigen finanzieren journalistischen Inhalt - dieses Geschäftsmodell verliert bei amerikanischen Zeitungsverlegern dramatisch an Boden. Únd weil Alternativen nicht in Sicht sind, wird - wieder mal - die Kostenlos-Kultur des Internet an den Pranger gestellt. Vor kurzem sollte die Chimäre „Paid Content" zum wiederholten Mal zum Rettungsanker für die darbende Branche werden. Dabei ist selbst den größten Schönrednern in der Medienszene klar, dass Paid Content tot ist, Ausnahmen bestätigen die Regel.
Nun wird die nächste bekannte Sau durchs brennende Print-Dorf getrieben. „US-Medien fordern Lizenzgebühren von Newsaggregatoren" heißt die Headline in einem interessanten Golem-Artikel. Die  Nachrichtenagentur AP und das WSJ werden zum Vorreiter gegen parasitäre Nachrichtenaggregatoren erklärt. Ist Google News ein Parasit?
Auf Wikipedia findet man folgende Definition:
 


„Parasitismus (Schmarotzertum) im engeren Sinne bezeichnet den Nahrungserwerb aus einem anderen Organismus. Dieser auch als Wirt bezeichnete Organismus wird geschädigt, aber entweder gar nicht oder erst zu einem späteren Zeitpunkt getötet. Im weiteren Sinne kann Parasitismus als eine Steigerung der Fitness des Parasiten bei gleichzeitiger Verminderung der Fitness des Wirtes verstanden werden."


Newsaggregatoren - egal ob es sich dabei um große Programmier-Anwendungen wie Google News oder kleine Anbieter wie Turi2 handelt - eint, dass sie die teilweise mühsam und kostenaufwendig recherchierten Inhalte anderer Anbieter zumeist kostenlos für ihren eigenen Geschäftszweck nutzen. Auch HORIZONT.NET arbeitet - teilweise - nach diesem Prinzip. Unser Morgen-Nachrichtendienst Newsflakes bereitet für die Bezieher bis 9 Uhr morgens die wichtigsten Nachrichten aus rund 40 Websites und Tageszeitungen aus - ähnlich wie Turi2, nur seriöser und mit einem stärkeren Bezug zu Marketing und Agenturen.
 

Wir tun dies - im Gegensatz zu Google & Co. - an manchen Tagen mit einem schlechten Gewissen gegenüber (unbekannten) Kollegen, deren Output wir ungefragt und kostenlos übernehmen. Sicher, wie andere auch, liefern wir nicht nur die Headline, sondern auch den Link zur Original-Quelle. Aber die Klickrate auf eine Durchschnittsmeldung ist ähnlich mikroskopisch klein sein wie die Klickrate auf ein x-beliebiges Werbebanner: Die Original-Quelle profitiert also von der journalistischen Weiterverarbeitung nicht - weder ökonomisch, noch beim Kampf um die Aufmerksamkeit der Online-Leser.
 
Die Forderung nach Lizenzgebühren für die Nutzung „fremder Inhalte" klingt - hier spricht der Print-Chefredakteur in mir - auf den ersten Blick ziemlich einleuchtend. Ist aber dennoch ziemlich illusorisch: Wer soll denn kontrollieren, wer welche Inhalte für welche Zwecke im Netz benutzt? Der Administrationsaufwand wird höher sein als jeder mögliche Erlös. Dann doch lieber eine Opt-out-Möglichkeit haben und wenn es einem nicht passt, Zweitanbieter freundlich bitten können, nicht mehr zitiert zu werden.
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