11.12.2007
Verkalkuliert
Aus und vorbei. Axel Springer kann sich eigentlich wieder umbenennen in Axel Springer Verlag. Die gescheiterte Übernahme von Pro Sieben Sat 1 Media, der glimpflich beendete Ausstieg aus dem Post-Geschäft belegen: Aus der multimedialen Vision ist in den vergangenen Wochen endgültig ein teurer Albtraum geworden.
Einen integrierten internationalen Medienkonzern wollte Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner schmieden. Ein Unternehmen, das es mit den großen der Welt aufnehmen kann. Und nun dies: Plötzlich muss sich der ehrgeizige Springer-Vordenker auf längere Sicht damit zufrieden geben, dass sein Unternehmen sich allenfalls mit dem Attribut „Europas größtes Zeitungshaus" schmücken kann. Darauf kann man eigentlich auch schon stolz sein. Doch für jemanden, der hoch hinaus will, hat die Erkenntnis, wieder bei Start anfangen zu müssen, einen bitteren Beigeschmack.
Was bleibt Axel Springer, welche Trümpfe hat Mathias Döpfner nun in der Hand? Das klassische nationale Kerngeschäft ist - auch wenn nicht alles rund läuft - nach wie vor eine solide Basis eines erfolgreichen Verlagshauses. Nicht mehr und nicht weniger. Wachstumsphantasien sind allerdings fehl am Platze, die müssen aus anderen Quellen genährt werden.
Nach dem Scheitern im TV- und im Post-Markt bleiben Axel Springer eigentlich nur zwei Optionen. Zum einen die verstärkte Expansion im europäischen Ausland, wie es zur Zeit beispielsweise die Verlagsgruppe Bauer vormacht. Zum zweiten die weitere Forcierung der Digital-Aktivitäten. Für exorbitanten Wachstumsschub in neue Dimensionen werden beide Optionen nicht sorgen. Und Axel Springer wird die nächste Zeit wahrscheinlich kleinere, in jedem Fall aber solche Brötchen backen, deren Zutaten den Bäckern in jedem Fall bekannt sind.
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