15.07.2008
Fachmedien
Dirk Manthey berichtet online
Zugegeben - es ist nicht einfach, ausgerechnet aus der HORIZONT.NET-Perspektive über den Start von Meedia.de zu schreiben, ohne von interessierter Seite aus wahlweise als Buhmann, Blödmann oder böser Konkurrent abgekanzelt zu werden.
Zu groß waren die allgemeinen Vorschusslorbeeren, die insbesondere immer wieder Turi2.de (dessen Chef Peter Turi anfänglich an dem Projekt mitgearbeitet hatte) verteilt hat. Zu dünnhäutig manche Medienjournalisten wie der „Handelsblatt"-Kollege Thomas Knüwer, der eine zugegeben meinungslastige Nachricht in HORIZONT.NET in seinem Blog Indiskretion Ehrensache dazu genutzt hat, mir und HORIZONT.NET Stillosigkeit zu unterstellen. (Wahrscheinlich war Knüwer, der ja selbst gerne austeilt, überrascht, dass in dem vermeintlich so kreuzbraven HORIZONT.NET neben politisch-korrekt formulierten Nachrichten auch Meinungen und Einordnungen zu finden sind.)
In Wirklichkeit wünschen wir Meedia.de alles Gute - jedes Angebot, das hilft, unseren kleinen Markt internetjournalistisch und ökonomisch zu erschließen, hilft auch den vermeintlichen Mitbewerbern.
Wie auch immer. Seit gestern ist Meedia.de online. Auf Turi2.de findet sich der eine oder andere Kommentar zu Mantheys Interpretation einer Fachmedien-Website. Deshalb soll es nicht darum gehen, veraltete Meldungen zu monieren, sich nochmals darüber auszulassen, wie bieder und vorgestrig die 20 Medien-Thesen daherkommen. Bei der ganzen Kritik übersieht man schnell, dass auf Meedia.de einiges Lesenswertes steht (wenn man es gefunden hat), wie beispielsweise die Geschichte zur „Focus"-Auflage: Sie zeigt sehr schön, wie eine fundierte Auseinandersetzung mit einem verzwickten Thema aussehen kann.
Das alles soll nicht der Punkt sein. Auch nicht die Merkwürdigkeit, dass das von Peter Turi als 2.0-Benchmark für HORIZONT.NET, WuV, Kress.de und andere gefeierte Projekt reichlich 1.0-llig daherkommt, soll kritisiert werden - schließlich befindet sich Meedia.de gerade mal in der „offenen Betaphase".
Was mich derzeit mehr als die Inhalte oder Layout interessiert, ist das Geschäftsmodell. Im Meedia-Impressum sind inklusive Projektmanagement und Herausgeber 26 Personen aufgeführt. Der Werbemarkt, in dem sich Meedia.de zusammen mit HORIZONT.NET und anderen bewegt, dürfte derzeit bei rund 4 Millionen Brutto-Euro liegen. Klar liegen die Zuwächse im „deutlich zweistelligen Bereich". Aber selbst dann dürfte es schwierig werden, allein mit Onlinewerbung dauerhaft ein Team zu finanzieren, mit dem man neben der Website locker noch eine Wochenzeitung und andere Printableger produzieren könnte.
Mittelfristig wird sich Meedia.de deshalb mit Transaktionen, Paid Content oder eCommerce und anderen Geschäftsmodellen beschäftigen - was angesichts der leidigen Erfahrungen, die andere (auch HORIZONT.NET) mit diesen Themen gesammelt haben, ein sehr mutiger Schritt wäre. Auch dabei wünschen wir viel Erfolg.
Christian Hoffmann, Businessvillage.de sagte am 15.07.2008 um 18:03
Auch ich kann nur schmunzeln :-)
Interessanter Blick auf die Kosten und die Einnahmestrukturen. 26 People erscheint wirklich extrem seltsam. Was machen die denn alle? Irgendwie komme ich mir beim Lesen dieser Zeilen vor, wie in besten Dot.com-Boom Zeiten: "Wir laufen los und während wir so durch die Wüste laufen, hoffen wir auf eine Wasserstelle zu treffen." Aber ich will nicht lästern, ganz tief im Inneren hoffe ich, dass es bei meedia.de klappt. Ein neues Angebot ist auch immer eine tolle Gelegenheit für Wettbewerber, ebenfalls mit Innovationen zu kommen.
Georg Altrogge sagte am 15.07.2008 um 23:27
Ist Recherche Luxus?
Hallo Herr Kollege Schütz, mir ist nicht klar, was Sie veranlasst, Ihren Lesern zu suggerieren, MEEDIA hätte 26 Mitarbeiter auf der Payroll. Jedem unbefangenen Betrachter dürfte doch klar sein, dass sich nach monatelanger redaktioneller Entwicklungsarbeit und dem Aufbau umfangreicher Datenbanken eine ganze Reihe von Autoren und freien Mitarbeitern um ein Portal verdient gemacht haben. Bei MEEDIA ist dies der Fall, und für uns ist es selbstverständlich, dass diese Mitarbeiter aus Respekt vor Ihrer Leistung im Impressum erwähnt werden. Wenn Sie hier einen Zusammenhang mit den dauerhaften Kosten oder gar der Refinanzierbarkeit des Projekts konstruieren, so ist dies eine haltlose Unterstellung. Ein Anruf bei MEEDIA hätte Ihnen erspart, Ihren Lesern einen solchen Unsinn aufzutischen. Aber das war wohl zu viel verlangt. Seien Sie aus erster Hand versichert: Die Zahl der ständigen Redaktionsmitabeiter inklusive Volontäre ist weit niedriger als Sie Glauben machen wollen. Und die Kosten sind ganz sicher niedriger als die Erlöse von horizont.net. Insofern haben Sie Verständnis, dass wir Ihren Pessimismus nicht teilen, sondern engagiert und hochmotiviert den Ausbau unseres Portals vorantreiben. Beste Grüße aus Hamburg
Volker Schütz sagte am 16.07.2008 um 09:47
Meedia-Impressum
Lieber Herr Altrogge, ich unterstelle Meedia.de gar nix, und schon gar nicht haltlos - im Gegenteil: ich wünsche Meedia ja alles Gute, was ich auch deutlich formuliert habe. Und - vielleicht hätte ich in der Tat in Hamburg mal durchklingeln lassen. Aber selbst Insider Peter Turi schreibt ja von 25 Mitarbeitern - Protest Ihrerseits über die Turi-Zahl habe ich nicht mitbekommen. Neu ist aber in der Tat die Praxis (wenn ich Ihren Kommentar richtig deute), auch ehemalige Mitarbeiter im Impressum aufzuführen - werden wir uns für HORIZONT vielleicht auch überlegen ;-). Wie auch immer: Wie hoch ist denn nun die Zahl der ständigen Mitarbeiter inklusive Volontäre? Beste Grüße aus Frankfurt
ruby sagte am 29.07.2008 um 00:31
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Wie Meedia Leute arbeiten lässt
Derzeit sucht Meedia Mitarbeiter. Dabei geht das Unternehmen doch recht eigenartig vor. Bewerber erhalten von der Chefredaktion (Georg Altrogge) folgende Mail: "... danke für Ihr Interesse an MEEDIA. Wie Sie sich vorstellen können, haben wir die letzten 14 Tage etliche Bewerbungen bekommen. Und es fällt uns ? ehrlich gesagt ? etwas schwer zu beurteilen, wer für uns in Frage kommt und wer nicht. Wir würden Sie deshalb bitten, uns einmal unverbindlich Arbeitsproben zu erstellen, damit wir einen besseren Eindruck von Ihnen bekommen können. Sehen Sie sich doch bitte die Rubriken NEUE SITES, bzw. BEST OF WEB an. Wenn Sie mögen, recherchieren Sie im Internet neue, interessante Websites dieses Monats aus Deutschland, den USA oder dem internationalen Markt und schicken Sie uns Ihren Text zu. Wenn wir ihn veröffentlichen, zahlen wir Ihnen pro Text 40 Euro. Oder gehen Sie auf die Rubrik BEST OF WEB. Dort benötigen wir aktuell noch Vorstellungen folgender US-Websites: GUARDIAN AMERICA DAYLIFE THE HYPE MACHINE ESPN TED FRIENDFEED (BusinessWeek + Fast Company) GOOGLE STREET VIEW MOGULUS NATIONAL GEOGRAPHIC MARTHA STEWARD QIK POWERSET YAHOO FINANCE MY YAHOO USTREAM Recherchieren Sie die Hintergründe zu diesen Websites im Internet und orientieren Sie sich in der Länge und Aufbau vom Artikel an den dort vorgestellten Sites. Hier zahlen wir Ihnen pro veröffentlichten Text 100 Euro. Wir würden uns freuen, wenn Sie Interesse hätten, uns auf diese Art die Möglichkeit zu geben, Sie näher kennenzulernen. Wie gesagt, wie zahlen nur, wenn wir Ihren Text veröffentlichen. Aber es ist für Sie eine Chance, uns auf Sie aufmerksam zu machen... Selbstverständlich versichern wir Ihnen, dass wir im Falle der Nichtveröffentlichung Ihre Texte weder ganz noch teilweise weiterverwenden und dass Sie von uns auf jeden Fall ein begründetes Feedback auch dann erhalten, falls Ihr Text nicht veröffentlicht werden sollte." Ist diese Vorgehensweise nicht reichlich merkwürdig?Archiv Klartext
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